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Zahnheilkunde 3. Dezember 2007

Hohe Anzahl von Zahnärzten bei freiem Markt

Mit Griechenland assoziieren Österreicher im Allgemeinen Sonne, Meer und Inseln, vielleicht noch die romantisch wild zerklüfteten Gebirge im Norden des Landes. Diese geografischen Gegebenheiten sind es aber auch, die viele verwaltungstechnische Angelegenheiten in Griechenland alles andere als einfach machen.

Staatliches Gesundheitssystem durch Reformen deformiert

Dazu kommt das komplizierte System zur Krankenversorgung: Eine Mischung aus staatlichen Institutionen, Krankenkassen und privaten Leistungen. 1983 wurde ein staatliches Gesundheitssystem eingeführt, das ?S?/ESY (Ethniko Systima Ygeias). Es sollte eigentlich alle Leistungen gratis für alle erbringen, doch wurden Reformen – nicht zuletzt aus finanziellen Gründen – nur halbherzig durchgeführt. Bezüglich zahnärztlicher Leistungen bieten die Ambulatorien des ESY in der Praxis präventive und einige andere Leistungen für Kinder unter 18 Jahren und Behandlung für Spitalspatienten an.
Auch große Krankenkassen wie etwa die IKA-ETAM (Idryma Koinonikon Asphaliseon – Eniaio Tameio Asphalisis Misthoton), haben ihre eigenen Ambulatorien für die eigenen Versicherten.

Versorgung großteils privat

Der Großteil der Versorgung erfolgt allerdings in Privatordinationen, in denen die Patienten die Rechnung begleichen und die Kosten zumindest bei einigen Behandlungen teilweise von ihrer Krankenkasse refundiert erhalten. Diese Rückerstattung ist höher, wenn der Zahnarzt mit der entsprechenden Kasse in einer Vertragsbeziehung steht.
Nach den gesetzlichen Vorgaben werden für eine Röntgenaufnahme 2,47 Euro, für Panoramaröntgen 3,99 Euro, für eine Amalgamplombe zwischen 6,34 und 7,87 Euro, für eine Kompositfüllung 6,66 Euro, für eine Wurzelbehandlung bei einem mehrwurzeligem Zahn 20,22 Euro, für eine Acrylteilprothese 85,52 Euro plus 6,10 Euro pro Zahn rückerstattet. Manche Versicherungen erstatten freilich über dieses Mindestmaß hinaus beziehungsweise unterscheiden auch zwischen verschiedenen Versicherungsarten mit unterschiedlichen Refundierungen.

Der Preis der Behandlung

wird individuell vereinbart und schwankt entsprechend enorm, nicht nur nach Lage und Ausstattung der Ordination oder Befähigungsnachweisen des Arztes, sondern auch nach dem Verhandlungsgeschick des Patienten und dessen sozialer Stellung. Daher ist es unmöglich, auch nur annähernd eine Preisliste für bestimmte Leistungen anzugeben. In einem Diskussionsforum im Internet schwankten die Preisangaben für eine Brücke über drei Zähne zwischen 150,– und über 1.000,– Euro.

Hoher Konkurrenzdruck

Griechenland zeichnet sich auch durch die höchste Zahnarztdichte Europas aus. Im Durchschnitt kommt ein Zahnarzt auf 908 Einwohner, während der EU-Durchschnitt bei einem Zahnarzt pro 1.556 Einwohnern liegt. Etwa 80 Prozent aller Zahnärzte arbeiten in niedergelassener Praxis, etwa 10 Prozent von ihnen zusätzlich in einem Kassenambulatorium. Diese Stellen sind, so die griechische Zahnärztekammer (???????? ?d??t?at???? ?µ?sp??d?a, EOO), sehr schlecht bezahlt, aber dennoch begehrt, da hier Patienten für die eigene Praxis rekrutiert werden können, die Leistungen brauchen, welche nicht im Rahmen der Kassenbehandlung erbracht werden.
Entsprechend den Preisunterschieden bei den Leistungen variiert auch das Einkommen der Zahnärzte enorm. Laut Zahnärztekammer verdient ein niedergelassener Zahnarzt in Griechenland zwischen 1.180,– und 10.000,– Euro monatlich. Der Durchschnitt liegt allerdings bei 17.000,– Euro jährlich, also etwa 1.400,– Euro monatlich.
Neben den etwa 10.000 niedergelassenen Zahnärzten gibt es noch etwa 350 in den Gesundheitszentren des staatlichen Systems und etwa 250 in staatlichen Spitälern angestellte Zahnärzte. Sie verdienen zwischen etwa 25.000,– und 29.000,– Euro jährlich. Etwa 225 Zahnärzte arbeiten an den Universitäten bei einem Gehalt zwischen 24.000,– und 35.000,– Euro jährlich. Der Frauenanteil unter den griechischen Zahnärzten liegt etwas unter 50 Prozent.

Fortbildung nicht geregelt

Zwei Universitäten, Athen und Thessaloniki, bilden Zahnärzte aus. Das Studium dauert zehn Semester. Dabei werden ungefähr so viele Zahnärzte ausgebildet, wie auch in Pension gehen. Der Konkurrenzdruck bleibt also gleich hoch.
Es besteht kein verpflichtendes postgraduelles Trainingsprogramm. Für Zahnärzte, die im staatlichen Gesundheitsdienst arbeiten ist Fortbildung verpflichtend, allerdings existieren weder strukturierte Programme noch sind Sanktionen bei Nichtbefolgen der Fortbildungspflicht vorgesehen. Sehr wohl findet im ganzen Land eine große Anzahl an Fortbildungsveranstaltungen, Symposien und Kongressen statt. An der Ausarbeitung eines kontinuierlichen Fortbildungsprogramms wird aber laut EOO erst gearbeitet.
Fertige Zahnärzte können sich in drei zusätzlichen Jahren zu Kieferorthopäden oder in fünf Jahren zu Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen ausbilden lassen. Daneben besteht eine sehr lange Liste an anerkannten Zusatzfächern, die in postgraduellen Programmen erlernt werden können.

Hilfskräfte leisten sich nur wenige

Hilfskräfte sind Zahntechniker und Zahnarztassistenten. Erstere durchlaufen eine dreijährige Ausbildung. Obwohl ihnen das Arbeiten im Mund nicht erlaubt ist, sind einige Fälle bekannt, in denen die entsprechenden Bestimmungen übertreten wurden. Die Ausbildung zum Assistenten dauert zwei Jahre, gefolgt von einem halbjährigen Praxistraining. Allerdings leisten sich nur wenige Zahnärzte eine Hilfe: Nur rund 160 Assistenten sind gemeldet. Die Mitgliedschaft bei der EOO ist obligatorisch.

Zahnärztekammer (???????? ?d??t?at???? ?µ?sp??d?a):
http://www.eoo.gr
Gesundheitsministerium (?p????e?? ??e?a? ?a? ?????????? ?????e?????):
www.mohaw.gr
Krankenkassen:
IKA-ETAM: http://www.ika.gr
OGA: http://www.oga.gr
OAEE: http://www.oaee.gr

Livia Rohrmoser, Zahnarzt 12/2007

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