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Zahnheilkunde 27. Februar 2007

Verordnung ist Verordnung

Der Rahmen für das Wintersymposion 2007 mit dem Thema „Qualitätsmanagment und Verordnungen“ war ein altbewährter: das Panhans am Semmering. Neu war die große Zahl an Teilnehmern – 80 Kollegen meldeten sich zu diesem von ÖGZMK Niederösterreich, Fortbildungsreferat der Landeszahnärztekammer NÖ und Fortbildungsakademie NÖ veranstalteten Symposion. Somit hatte der Fortbildungsreferent der NÖ Zahnärztekammer, Dr. Robert Stögerer, ein für alle Kollegen „unangenehmes, interessantes“ Thema gefunden.

Erstevaluierung bis 2009 verpflichtend

Tatsache ist, dass wir eigentlich keine Wahl haben: „Friss oder sperr zu“ – so oder so ähnlich wird wohl die Realität lauten. Schwarzmalerei? Ein Beispiel gefällig: Laut Qualitätssicherungsverordnung müssen bis Ende 2009 alle Ordinationen eine Erstevaluierung durchführen. Bei Nichtevaluierung oder schweren Mängeln drohen Disziplinarverfahren und Verlust der Kassenverträge.
Die Qualitätssicherungsverordnung ist nur ein zungenbrecherischer Begriff neben Medizinproduktebetreiberverordnung, der uns demnächst einholt. Die Medizinproduktebetreiberverordnung befasst sich mit der Errichtung, dem Betreiben und der Instandhaltung von Medizinprodukten. Diese umfasst zum Beispiel die Eingangsprüfung, die wiederkehrende sicherheitstechnische Überprüfung, die Verpflichtung zur Unterweisung und Schulung, umfangreiche Dokumentation und Gerätedateien.
Das heißt, für jedes medizinische Gerät in unserer Ordination werden wir nicht nur die selbstverständlichen und sicherheitstechnisch sinnvollen Überprüfungen durchführen müssen, son-dern dokumentierte Schulungen und Nachschulungen für unsere lieben Mitarbeiter abzuhalten haben. Dies wird zwar spätestens beim zweiten Mal allen Beteiligten zum Hals heraushängen (ich stelle mir gerade lebhaft eine meiner Damen vor, die seit mittlerweile 27 Jahren Assistentin ist), aber es ist Verordnung.

Richtig aufbereiten und danach dokumentieren

Natürlich haben sich alle europäischen und nationalen Bürokraten auch auf die Hygieneverordnung gestürzt. Diese befasst sich mit der Aufbereitung von Medizinprodukten für Ordinationen beziehungsweise Gesundheitseinrichtungen. Darin wird zum Beispiel festgelegt, wie Medizinprodukte in geeigneten validierten Verfahren aufzubereiten sind. Von der Sonde über das Winkelstück bis zum Autoklaven – für alles gibt es Richtlinien, die den Umgang durch qualifiziertes Personal regeln. Selbstverständlich sind alle Vorgänge zu dokumentieren. Für Masochisten sei hier eine Internetseite erwähnt: www.zaekmv.de, die Seite der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern; sie beinhaltet beinahe paranoide Vordrucke zum Thema Hygienevorschriften. Diese Texte mögen uns nie erreichen; dann wird es endgültig unlustig.
Apropos Dokumentation: Auch die Aufklärung unserer mündigen Patienten wird immer interessanter. Passt zu den oben genannten Verordnungen nur bedingt, aber es passt zu der immer aufwendiger werdenden papier- und zeitvernichtenden Beschäftigungstherapie selbständig tätiger Ärzte und Einkommenssteuerzahler: Es reicht nur bedingt, wenn ein Patient einen Vordruck einer Einverständniserklärung zu einer Behandlung unterschreibt. Wesentlich ist zum Beispiel, dass er auf die schriftliche Fragestellung „Haben Sie die oben genannten Maßnahmen verstanden?“ selbst ein „Ja“ hinschreibt oder dass der Aufklärungsbogen „individualisiert“ ist – soll bedeuten, dass der Kollege für diesen Patienten speziell Zutreffendes gesondert vermerkt. Geht sich ja alles nebenbei in der ohnehin gut gehenden Kassenordination aus.

 Panhans am Semmering
Das Wintersymposium 2007 fand heuer wieder im altbewährten Rahmen im Panhans am Semmering statt.

Röntgenverordnung bereits Gesetz

Neben Qualitätssicherungsverordnung, Medizinproduktebetreiberverordnung und Hygieneverordnung gibt es natürlich auch eine neue Röntgenverordnung. Wesentlicher Unterschied zu den anderen genannten Verordnungen ist, dass die Röntgenverordnung bereits Gesetz ist. Für alle, die den Finger nicht am Puls der Zeit haben: seit gut einem halben Jahr! Gut, spätestens bei der nächsten §-17-Überprüfung (alle zwei Jahre) werden wir es endgültig feststellen: Die neue Strahlenschutzverordnung ist gültig.
Mit ihr sind einige Änderungen in Kraft getreten. Neuerungen gibt es für den Strahlenschutzbeauftragten, sprich uns Zahnärzte: Wir haben nun die Verpflichtung der Fortbildung, auch in diesem Bereich. Bis 2011 müssen wir längstens vier Fortbildungsstunden nachweisen können. Oder bei den jährlich wiederkehrenden Arbeitsunterweisungen – siehe oben. Diese müssen selbstverständlich samt den gebotenen Inhalten dokumentiert werden. Nebstbei, falls nötig, in der Sprache, die der Arbeitnehmer „hinreichend“ gut versteht. Weitere Änderungen betreffen die Schaffung eines zentralen Dosisregisters (als Sammelstelle aller strahlenrelevanten Daten) und geänderte Aufbewahrungsfristen. Bei diesen kommt es ab 2009 zu einer deutlichen Verkürzung. Die Qualitätssicherung der Röntgenaufnahmen mittels Phantom (alle sechs Monate) ist ja eh schon allen selbstverständlich. Das Röntgenbuch – ausdruckbar oder handschriftlich – können wir alle jederzeit vorweisen?

Dosimeter nach positivem Bescheid abmeldbar

Nach allen oben genannten Mühsamkeiten muss auch etwas positives vermeldet werden: Wird nach der §-17-Überprüfung festgestellt, dass alle in einer Ordination tätigen Arbeitnehmer nicht strahlenexponiert sind (sprich: ein Röntgenraum mit allen nötigen Sicherheitsvorkehrungen vorhanden ist), können die Dosimeter, nach Erhalt des Bescheids, abgemeldet werden. Eine echte Wohltat und Kostenersparnis.
Dies war auch schon die gute Meldung. Alles andere wird uns noch viel Zeit, Geld und hoffentlich kein nächtliches Bruxieren kosten – ich bin mir nicht sicher, ob eine Knirschschiene in diesem Fall steuerlich absetzbar ist.

DDr. Andreas Beer, Zahnarzt 3/2007

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