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Dermatologie 6. Februar 2007

Falsch verstandene Tierliebe kann krank machen

Vor allem junge und schwache Igel können Überträger von Pilzerkrankungen sein. Die Mykosen äußern sich beim Menschen vor allem an den Händen mit juckenden Rötungen, Schuppen- und Pustelbildung. Die Ansteckungsgefahr für Menschen und Haustiere erfordert einen besonderen Schutz vor Hautkontakt.

Werden im Herbst oder Winter hilflose Igel in Obhut genommen, besteht für den Menschen bei direktem Hautkontakt unter anderem die Gefahr einer Pilzinfektion. Ist die Diagnose der zoophilen Dermatomykose bestätigt, ist eine schnelle Behandlung möglich. Auf dieses wenig bekannte Thema weisen Prof. Dr. Silvia Schauder und ihre Kollegen von der Göttinger Universitätshautklinik in der Jännerausgabe der Zeitschrift Der Hautarzt hin. Igel sind geschützte Wildtiere und dürfen nicht in die Wohnung mitgenommen werden. Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn das Tier offensichtlich krank ist. Dann darf man es zur Pflege aufnehmen, besser ist es jedoch, es entsprechenden Stellen zu übergeben.

Schwache Jungtiere

Vor allem Tiere, die nach Mitte September geboren worden sind, können bei vorzeitigem Kälteeinbruch schwach und krank sein und verschiedene Krankheiten übertragen. So sind Igel laut Auskunft der Amtstierärzte des Wiener Veterinäramtes oft Träger von Bakterien, Endo- und Ektoparasiten und eben Pilzen. Als ein auf den Menschen direkt übertragbarer Erreger gilt der Pilz Trichophyton erinacei, berichtet Schauder. Durch ungeschützte Berührung eines erkrankten Igels geht dieser auf die Kontaktperson oder das Haustier über. Auch eine Übertragung des Pilzes von Igel zu Igel findet statt – meistens durch Kämpfe; in diesem Fall ist häufig der Kopfbereich männlicher Tiere betroffen. Bei sehr jungen Tieren ist auch eine Ansteckung des Nesttieres durch die Igelmutter möglich. Deutliche Warnsignale für jeden Igelpfleger sind ein tagaktives, aggressives Verhalten sowie das Auftreten von Schuppungen im Kopfbereich und Stachelverlust. Allerdings zeigen nicht alle erkrankten Tiere die beschriebenen Symptome, so dass in jedem Fall bei vorübergehender Aufnahme eines Igels ein Tierarzt konsultiert werden sollte.

Juckende Pustel

Eine Ansteckung des Menschen ist äußerlich durch juckende Hautveränderungen mit Rötungen, Schuppen- und Pustelbildung zu erkennen. Vor allem sind die Hände betroffen, die Symptome können aber auch an Armen, Beinen und anderen Körperteilen auftreten und zeigen dann meist randbetonte Rötungen mit einer hohen Entzündlichkeit. Eine indirekte Übertragung ist durch das Verlieren von Stacheln und Hautschuppen der Igel möglich. Empfänger können dabei Haustiere wie beispielsweise Hunde sein. Bei ihnen sind schuppige, krustende Verletzungen im Maulbereich ein Zeichen für den Kontakt mit den infizierten Igeln. Über diesen Umweg kann die Pilzinfektion dann vom Haustier auf den Menschen übertragen werden. Ein rechtzeitiges Erkennen der Dermatomykose erlaubt eine schnelle und effektive antimykotische Behandlung. Zur Vorbeugung sollte jedoch jeder Igelpfleger aufgenommene Tiere stets mit Schutzhandschuhen anfassen und immer einem Tierarzt vorstellen.

Einfache Therapie

Laut einer der Fallbeschreibungen in Schauders Bericht hatte ein Student zwei Igel in sein Zimmer im Studentenheim mitgenommen, einer davon hatte einen umschriebenen Stachelausfall am Kopf. Einen Monat später traten bei dem Studenten zunächst an den Armen, dann am Rumpf randbetonte entzündliche, schuppende Herde auf. Auch zwei Zimmernachbarn, die gelegentlich mit den Igeln spielten, entwickelten solche Hauterscheinungen. Sowohl bei den drei Studenten als auch bei dem Igel mit Stachelausfall wurde schließlich Trichophyton erinacei nachgewiesen. Bei den Studenten heilte die Mykose unter Itraconazol und Clotrimazol binnen weniger Wochen ab, berichtet Schauder. Der Igel wurde übrigens erfolgreich mit Ketoconazol-Shampoo behandelt.

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