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Zahnheilkunde 24. Jänner 2007

Zahnmedizinische Fakultät Burgenland

Hinter der Idee, im Burgenland eine Privatuniversität einzurichten, steht die deutsche PUSH GmbH., die bereits jetzt eng mit der Donau-Universität in Krems kooperiert und in Deutschland postgraduelle Kurse in verschiedenen Bereichen anbietet. Zwei Studienrichtungen sollen in Kittsee angeboten werden: Zahnmedizin und „Schöne Künste“.
Die Informationen zum Projekt sind allerdings von verschiedenen Beteiligten sehr unterschiedlich. So schreibt der burgenländische Kammerpräsident Dr. Herbert Haider in einem Kommentar in der Dezembernummer der ÖZZ, die Österreichische Zahnärztekammer sei offiziell noch gar nicht unterrichtet. Unterrichtet ist die Kammer dennoch sehr wohl und sehr ausführlich. Von einem hunderte Seiten starken Dossier ist da die Rede, das der Kammer vorliegt.
Theoretisch muss sie gar nicht unterrichtet werden, da die Zuständigkeit für die Anerkennung von Universitäten beim Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur liegt. Genauer gesagt: beim Akkreditierungsrat, der seinerseits wiederum an das Universitäts-Akkreditierungsgesetz gebunden ist. Sind die Bedingungen dieses Gesetzes erfüllt (s. Kasten) bleibt dem Akkreditierungsrat kaum etwas anderes übrig, als seine Zustimmung zu geben.

ZÄK hat noch Bedenken

Da die Privatuniversität Pannonia allerdings ein zahnmedizinisches Studium anbieten will, wird in der politischen Realität Österreichs durchaus auch die Stimme der Zahnärztekammer gehört. Und die ist dagegen. Befürchtet wird, dass die ausländischen Studienabgänger nicht in ihre Ursprungsländer zurückkehren, sondern sich in Österreich niederlassen.
Und dass viele Studenten aus dem Ausland kommen, ist quasi vorprogrammiert: Studiengebühren von monatlich 2.000,– Euro sind nicht für jeden leistbar. Laut Zahnärztekammer sollen die Studiengebühren sogar 2.500,– monatlich betragen und in seinem Kommentar rechnet Haider mit monatlichen Kosten von 3.500,– bis 4.500,– für die Studenten.

Reiche Studenten aus dem Ausland

Jürgen Pischel, Chefredakteur der Deutschen Zahnarztwoche, Miteigentümer der PUSH GmbH. und als Vorsitzender des Universitätsrates vorgesehen, nennt als Zielgruppe Studenten aus dem Nahen und Fernen Osten, aber auch wohlbestallte „Numerus-clausus-Flüchtlinge“ aus Deutschland. Laut Haider liegen bereits Anmeldungen aus Lybien und Indien vor.
Das zahnmedizinische Studium soll in Englisch und Deutsch angeboten werden, mit jeweils 40 Studienanfängern jährlich. Eine optimistische Zahl, wie Pischel selbst zugibt. Schließlich entlässt selbst die größte medizinische Universität des Landes, die Medizinische Universität Wien, jährlich gerade einmal 35 zahnärztliche AbsolventInnen, und die Drop-out-Quote kann bei einer Privatuniversität sicherlich deutlich geringer angesetzt werden als bei den staatlichen. „Ein überschwemmter Markt bekommt da eine Flutwelle“, fürchtet Haider.
Pischel sieht keine Gefahr, dass sich die Absolventen des englischen Studiums in Österreich niederlassen würden. Da hindere schon die Sprachbarriere. Und auch die deutschsprachigen Studenten würden kaum Kassenverträge in Österreich erhalten. Zudem, so Pischel nicht ohne süffisanten Unterton, führe die Zahnärztekammer selbst ständig das Wort vom belebenden Wettbewerb im Mund.
Ein Dorn im Auge Haiders ist das Curriculum. Hier seien etwa 400 Stunden praktische Krankenpflege vorgesehen, so der Kammerpräsident, die ein Zahnarzt wohl kaum brauchen würde. Spitäler sollten eingebunden werden, obwohl das ganze Burgenland kein Spital mit zahnmedizinischer oder kieferchirurgischer Station hätte.
Pischel denkt über Österreich hinaus und an die naheliegende Universität Bratislava, mit der bereits Gespräche über mögliche Kooperationen geführt wurden. Weiters soll die – neu geschaffene – Möglichkeit der Lehrpraxen bei der praktischen Ausbildung mithelfen. Da hätten einige Zahnärzte schon ihr Interesse angemeldet, sagt Pischel. „Da wird er keine finden“, sagt Haider. Ein Anreiz für die Patienten in der näheren und weiteren Umgebung könnte die Gratisbehandlung sein, die die Privatuniversität bieten will – wohl nicht unbedingt zur Freude der umliegenden Zahnärzte. Andererseits, meint Pischel, „ist das möglicherweise nicht die Klientel, die Zahnärzte unbedingt haben wollen“.

Schloss zum Sonderpreis

Das Land Burgenland soll das Schloss Kittsee um einen Euro Pacht jährlich, also praktisch gratis, zur Verfügung stellen. Das Schloss wurde in den 70er- und 90er-Jahren des 20. Jahrhunderts generalsaniert. Die Adaptierungskosten sind daher nicht sehr hoch. Im denkmalgeschützten Schlosspark soll ein eigenes Gebäude für die technischen Einrichtungen errichtet werden, die der praktischen Ausbildung der zukünftigen ZahnmedizinerInnen dienen sollen. Pischel spricht hier von 60 Arbeitsplätzen. Die denkmalschützenden Auflagen sind, da sind sich Pischel und Christian Frasz, Pressesprecher des zuständigen Landesrates Peter Rezar, einig, nicht unüberwindbar.
Die Finanzierung sei, so Pischel, kein Problem. Er setzt dabei nicht zuletzt auf EU-Förderungen, da das Burgenland in der EU immer noch als förderungswürdiges Gebiet gilt und zudem auch grenzübergreifende Projekte innerhalb der EU gerne gefördert werden. Es gäbe keine öffentliche Unterstützung, außer den leeren Gebäuden. Da ist sich Frasz allerdings noch nicht so sicher. Grundsätzlich sei das Land einer eigenen Universität gegenüber durchaus positiv eingestellt, erklärt er. Und bestätigt auch, dass Gespräche stattgefunden hätten. Aber das vorliegende Konzept sei noch nicht vollständig ausgereift. Besonders hinsichtlich der Finanzierung beziehungsweise der Kosten für das Land gäbe es noch einige unklare Punkte.
Solange die nicht geklärt sind, wird weder Landesregierung noch Landtag einen positiven Beschluss fassen. Doch die Vorlage an den Landtag hängt schon einmal von der Akkreditierung durch das Wissenschaftsministerium ab. Vergangenen Dezember wurden die notwendigen Papiere beim Akkreditierungsrat eingereicht. Bis zu einer Entscheidung kann es noch dauern. Da das Projekt aber schon seit etwa fünf Jahren auf seine Realisierung wartet, kommt es wohl keinem der Beteiligten noch auf einige Monate an.

 Bundesgesetz

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