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Zahnheilkunde 24. Jänner 2007

Teamwork ist „überlebenswichtig“!

Funktionierende Teams sind ein wertvoller Erfolgs- und Zukunftsfaktor jeder Praxis – so viel ist klar. Dass aber das Gegenteil, also ein von Konflikten, Spannungen und Missverständnissen geprägtes Miteinander Patienten abschreckt, ignoriert man gerne; obwohl man aus persönlicher Erfahrung weiß, dass man auch selbst Disharmonie und Unruhe in der Regel gerne aus dem Weg geht.
Patientenumfragen untermauern das: „Ich gehe nur zu einem Zahnarzt, wo ich fühle, dass das Verhältnis zwischen Mitarbeiterinnen und Arzt gut ist. Reibereien und Ärger im Team will ich mir nicht zumuten!“ Insofern kann es sich heute auch keiner mehr leisten, effektives Teamwork zu vernachlässigen.

 Signale, die auf Teamgeist hindeuten

Fünf Bausteine eines funktionierenden Teams

Baustein 1: Jedes Praxisteam braucht einen Kopf – auch ein noch so kleines Team braucht einen Coach. Eine Schlüsselperson, die als Dreh- und Angelpunkt die Zusammenarbeit koordiniert und optimiert. Also jemanden, der auch „unscheinbare“ Schwierigkeiten im Team auf den Tisch bringt und gemeinsam mit allen auf eine Lösung hinarbeitet. Denn bereits solche „kleineren“ Probleme, wie zum Beispiel, dass eine Mitarbeiterin ihre Einheit nicht ordentlich reinigt oder eine Auszubildende die angefallenen Arbeiten „nicht selbst“ sieht, können das gesamte Praxisklima enorm verschlechtern.
Tipp: In jeder Praxis braucht es auch jemanden, der den Blick nach innen richtet. Legen Sie deshalb konkret fest, wer die Aufga-ben eines Teamleaders wahr-nimmt – Sie selbst oder jemand anderer!
Baustein 2: Praxismitarbeiter sind gut auf Teamarbeit vorbereitet – das Einführen des Begriffs „Praxisteam“ ist nicht ausreichend. Es empfiehlt sich, konkret zu erklären, warum man den Teamgeist neu beleben will, was man mit verstärkter Zusammenarbeit erreichen will und welche Vorteile Teamarbeit den einzelnen Mitarbeiterinnen persönlich bringt. Damit beugt man Widerstand und Unsicherheiten effektiv vor.
Tipp: Reservieren Sie eine eigene Besprechungseinheit, in der Sie „nur“ über die Teamarbeit sprechen. Erklären Sie, warum Sie Handlungsbedarf sehen und welches Ziel Sie erreichen wollen. Erzählen Sie auch von Vorteilen eines kooperierenden Teams, wie etwa von der Möglichkeit, die eigene Meinung besser anbringen zu können, der Chance, Missverständnisse und Fehler rechtzeitig zu klären, der Gelegenheit, gemeinsam Lösungen zu suchen etc.
Baustein 3: Jeder Einzelne profitiert von der Teamarbeit – die Zusammenarbeit im Konkreten sollte so gestaltet werden, dass die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen berücksichtigt werden: Eine Assistentin hat beispielsweise eine freundliche ‚Telefonstimme‘ und geht darüber hinaus gerne zum Telefon. Deshalb sollte sie auch in der Einheit, die näher am Telefon ist, arbeiten. So kann sie schneller und öfter zum Telefon eilen. Eine andere Kollegin zum Beispiel zeigt große Ausdauer beim Assistieren. Sie bekommt von nun an des Öfteren Gelegenheit, vor allem bei längeren komplizierten Arbeiten zu assistieren.
Tipp: Halten Sie die Arbeitsschwerpunkte jeder Mitarbeiterin schriftlich fest und hängen sie diese gut sichtbar im Mitarbeiterbereich auf.
Baustein 4: Es gibt nur einen Strang, an dem alle ziehen – die Arbeit in einem Team ermöglicht dem Einzelnen, seine Meinung offen kundzutun. Sie verlangt aber auch, dass man manches Mal unerfreuliche Entscheidungen beziehungsweise Entscheidungen der Gruppe, mit denen man selbst nicht ganz glücklich ist, akzeptiert; und das ohne die normale Zusammenarbeit in irgendeiner Weise negativ zu beeinflussen: Angenommen, eine Mitarbeiterin war partout dagegen, dass man in Zukunft jeden Patienten, im Sinne einer verstärkten Patientenorientierung, nach der Behandlung bis zur Türe begleitet und dort noch verabschiedet. Die Gruppe hat diese Vorgehensweise aber dennoch beschlossen, weil eben die Mehrheit von der Richtigkeit der Entscheidung überzeugt war. So haben sich in der Folge alle an diese Teamentscheidung zu halten. Zu keinem Zeitpunkt darf sich dies missgünstig auf die Zusammenarbeit der Gruppe auswirken.
Tipp: Machen Sie als Teamleader immer wieder den Teammitgliedern bewusst, dass Zusammenarbeit nur dann Vorteile für einen jeden bringen kann, wenn sie im Stande sind, persönliche Überzeugungen im Sinne eines gemeinsamen Ziels zurückzustellen.
Baustein 5: Ein Team ist kein Diskutierklub – oberstes Prinzip von Teamarbeit ist zwar, dass man ehrlich und offen miteinander diskutiert, dennoch darf zu keinem Zeitpunkt die Teamarbeit als eine Plattform für „ewige Diskussionen“ missverstanden werden.
Selbstdisziplin des Einzelnen ist Voraussetzung. Wenn man zum Beispiel gemeinsam überlegt, wie man Arbeitsprozesse weiter verbessern könnte, werden die einzelnen Praxismitarbeiter möglicherweise unterschiedlicher Auffassungen sein: Eine Mitarbeiterin vertritt zum Beispiel die Ansicht, dass das Röntgenbild oder das Modell gleich von der Kollegin aufgeräumt wird, die es angefertigt hat, während eine andere der Meinung ist, dass am Ende des Tages diejenige, die früher fertig wird, die Dokumente und Modelle verräumt. Gerade in solchen Situationen ist darauf Acht zu geben, dass der Meinungsaustausch nur so lange stattfindet, so lange immer neue Argumente vorgebracht werden.
Tipp: Lassen Sie in Teamsitzungen alle ihre Meinungen vorbringen, aber zu keinem Zeitpunkt die eigentliche Diskussion ausufern. Fassen Sie sofort am Ende des Gedankenaustausches die unterschiedlichen Meinungen zusammen, analysieren Sie diese im Hinblick auf das Ziel, führen Sie diese gleich zu einer gemeinsamen Entscheidung.

Dr. A. V. Scheiderbauer, Zahnarzt 1/2007

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