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Zahnheilkunde 28. November 2006

Die Abrechnungsstelle der Österreichischen Zahnärztekammer ...

Im Vorjahr haben wir die zahnärztliche Abrechnungsstelle näher vorgestellt (Zahnarzt 5/2005). Seither hat sich viel zugetragen. Da war zunächst einmal die flächendeckende Umstellung der zahnärztlichen Vertragsbehandler auf das e-card-System und dann natürlich auch die Trennung der Zahnärzte von der übrigen Kollegenschaft. Die sowieso schon mit erheblicher Verspätung geschaffene e-card-Regelung wurde mittlerweile vom Verfassungsgerichtshof auch schon wieder gekippt, aber wie heißt es so schön: Das ist eine andere Geschichte!

Datenübermittlung muss absolut fehlerfrei sein

Seit dem Inkrafttreten des segenreichen § 340a (hatten) haben wir Zahnärzte elektronische Daten – kostenlos natürlich! – an die Krankenkassen zu liefern. Über die Mühen mit dem geradezu lächerlich komplizierten System dieser Daten war schon viel zu lesen. Nichtsdestotrotz sind Kollegen, die in ihrer Ordination eine EDV-Anlage haben, heute in der Lage, die verlangten Daten online oder mittels Diskette zu liefern. Dabei gibt es jedoch ein weiteres Schmankerl. Liefert man nun solch eine Diskette zum Beispiel an die Gebietskrankenkasse und es ist auch nur ein klitzekleiner Fehler im erstellten Datensatz (wie z. B. Verwechslung von O und null), so wird gleich die ganze Diskette in Bausch und Bogen abgelehnt („Kann nicht eingelesen werden!“). Man kann nur sagen: Kulanz und partnerschaftliches Entgegenkommen sind aus anderem Holze geschnitzt! Kollegen, die sicher gehen wollen, können sich nun der Hilfe der Abrechnungsstelle bedienen, die die Datensätze kontrolliert und gegebenenfalls richtig stellt. Kollegen, die so wie ich in ihrer Ordination keine EDV-Anlage besitzen, können natürlich ebenfalls auf die Dienste der Abrechnungsstelle der ÖZÄK zurückgreifen oder sich eines privaten Dienstleisters bedienen. Fassen wir einmal kurz zusammen, was die Abrechnungsstelle derzeit für uns leistet:
1) Erstellung von Datensätzen aus den Formularen der Zettelabrechner
2) Kontrolle und wenn notwendig Korrektur der Datensätze, die die EDV-tauglichen Kollegen mittels Disketten oder Medtrans (= ein Programm der Abrechnungsstelle für die gesicherte Online-Übermittlung) zusenden.
3) Die Abrechnungsstelle fungiert, was die Abrechnung betrifft, sozusagen als „statistisches ­Zentralamt“ der Bundeszahnärz­tekammer und hat damit eine ­eminent wichtige Funktion zu er­füllen. Ob bei Verhandlungen über einzelne Positionen des Kassenvertrages oder bei Unterstützung ­einer Kollegin oder eines Kollegen, der zu einem „amikalen Gespräch“ zitiert wurde, überall gilt: Wer das einschlägige statistische Wissen ausschließlich der Vertragspartnerseite überlässt (nur Querulan­ten würden hier von der „Ge­gen“­seite sprechen!) ist schon von vornherein im Nachteil!
4) Die Einbringung der erfolgreichen Verfassungsgerichtshofbeschwerde wäre ohne Unterstützung und Know-how der Abrechnungsstelle nicht möglich.
5) Die Abrechnungsstelle unterstützt die ÖZÄK bei Honorarverhandlungen und bei Verhandlungen über die Neugestaltung der Honorarordnung (Leistungska­talog).
6) Durch die Teilnahme an Schlichtungen werden das Wissen und die Kompetenz betreffend ­Abrechnungsfragen laufend auf dem neuesten Stand gehalten.

Kostenaufwand

Anfragen aus Kollegenkreisen zeigen, dass sich Details über die Abrechnungsstelle und vor allem über deren Finanzstruktur noch kaum herumgesprochen haben. So erstaunt zum Beispiel, dass die Österreichische Zahnärztekam­-mer von der Abrechnungsstelle ­allen Ernstes verlangt, sie müsste sich selber erhalten! Soll heißen: Derzeit erhalten nur und wirklich ausschließlich nur diejenigen Kollegen die Abrechnungsstelle, die sich ihrer auch bedienen. Das erscheint extrem ungerecht, da die geschaffenen und auch notwendigen, eigenen statistischen Un­terlagen ja im Krisenfall allen Kol­legen zugutekommen. Um das ­Kollegengeld muss die Abrechnungsstelle so unter anderem: ? qualifiziertes Personal beschäftigen/beauftragen. Die Schwierigkeit besteht auch darin, dass aufgrund des schikanösen Verlangens der Kassen, alle Unterlagen bis zum 10. des auf das abzurechnende Quartal folgenden Monates fix und fertig auf dem Tisch zu haben, ein ungeheurer Zeitdruck für die Abrechnungsstelle und die beauftragten Taxatoren besteht. Mit der Bezahlung der erbrachten zahnärztlichen Leistungen lassen sich die Kassen hingegen durchaus Zeit? die kompletten EDV-Kosten tragen (Hardware, Software, Wartung, …) ? sämtliche Basiskosten tragen: Miete, Beleuchtung, anteilige ­Investitionskosten, Versicherungen, …

Was kostet die Abrechnungsstelle?

Langsam nähern wir uns nun des Pudels Kern. Was muss nun die einzelne Kollegin/der einzelne Kollege wirklich bezahlen, wenn er sich der Abrechnungsstelle bedient? „EDV-taugliche“ Kollegen (Diskette, Online-Übermittlung ­mittels Medtrans) zahlen eine Umla­-ge von 0,4 Prozent des Kassenumsatzes, wenn kein händi­scher Eingriff mit nochmaliger ­Verarbeitung erforderlich ist. Kurz: kontrolliert, eventuell vorhandene Fehler automatisch behoben, für gut befunden, elektronisch oder mit Sammeldatenträger gemeinsam mit den papierschriftlichen Unterlagen (KFO, Zahnersätze, EKVK, BH- und Sozialhilfescheine) weitergeschickt, je nach Kasse-Bearbeitung von Korrekturen, je nach Bundeslanderfassung und Überweisung von Wohlfahrtsfondsabzügen an den zuständigen Wohlfahrtsfonds der Landesärztekammer, je nach Bundesland Einbehaltung der Akontierungen für die Kammerumlage, Überweisung von Akontierungen und Restzahlung, Erstellung der Honoraraufstellung für den Steuerberater, Verschicken der Gesamtunterlagen an den Zahnarzt Sollten diesen Kollegen jedoch Fehler unterlaufen sein, die ein händisches Eingreifen erforderlich machen, so wird die volle Umlage (0,6 Prozent des Kassenumsatzes, siehe unten) in Rechnung ­gestellt, wobei diese nur von dem Honorar derjenigen Kasse eingehoben wird, bei deren Abrechnung der Fehler passiert ist. Kurz: kontrolliert, Fehler gefunden und händisch beseitigt (mit Haftung!), elektronisch oder mit Sammeldatenträger gemeinsam mit den papierschriftlichen Unterlagen (KFO, Zahnersätze, EKVK, BH- und Sozialhilfescheine) weitergeschickt, je nach Kasse-Bearbeitung von Korrekturen, je nach ­Bundeslanderfassung und Überweisung von Wohlfahrtsfonds­abzügen an den zuständigen ­Wohlfahrtsfonds der Landesärzte­kammer, je nach Bundesland Ein­behaltung der Akontierungen für die Kammerumlage, Überweisung von Akontierungen und Restzahlung, Erstellung der Honoraraufstellung für den Steuerberater, Verschicken der Gesamtunterlagen an den Zahnarzt; Anmerkung: Aus dem Gesagten ergibt sich, dass ein Fehler bei einer GKK ­natürlich teurer ist als bei einer kleinen Kasse!

Händischer Eingriff, um Fehler zu korrigieren

Was spielt sich bei einem solchen händischen Eingriff nun ­wirklich ab?
1. Kontrolle des Ausdrucks der Verarbeitung mit Fehlerdiagnose
2. Eingabe der Nummer des zu entfernenden Belegs
3. Richtige Erfassung des Belegs (z. B. bei Fehlern im Bereich Zahnersatz) und Speichern im ­Ordner „hinzufügen“
4. Nochmalige Verarbeitung
5. Überprüfung des Ausdrucks
6. Erstellen des Fehlerbriefs für den Zahnarzt

Die Möglichkeit, dass nun zur Erlangung der höheren Umlage bei der Abrechnungsstelle etwa „gemogelt“ wird, besteht nicht, denn die erwähnten Fehlerbriefe enthalten nämlich den Originalausdruck des fehlerhaften Belegs aus der Abrechnungsdatei. Der Zahnarzt hat ja seine Abrechnungsdaten (oder eine Kopie der eingereich­-ten Diskette) und kann daher den Fehler nachvollziehen. Die Beschreibung des Abrechnungs­datensatzes ist unter www.sozialversicherung.at aus dem Internet abrufbar. Zettelabrechner zahlen automatisch die höhere Umlage (0,6 % des Kassenumsatzes).

Befürworter und Gegner

Das alte Sprichwort: „Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann!“ bewahrheitet sich auch hier. Da gibt es Kollegen, die nicht einsehen, dass die Leistungen der Abrechnungsstelle überhaupt etwas kosten. Andere wiederum meinen, dass selbst ­eine fehlerhaft abgegebene Diskette noch nicht den gleichen Satz rechtfertigt wie für Zettelabrechner. Wieder andere sagen, dass sie ­die Abrechnungsstelle überhaupt nicht brauchen, denn sie verrechnen direkt mit den Krankenkassen. Was das weitere Schicksal der Abrechnungsstelle betrifft, so dürfte sie wirklich an einem Scheideweg stehen: Ein Teil der Kollegenschaft will sie vermutlich aushungern und würde der schließlich Dahingeschiedenen keine Träne nachweinen. Aber da gibt es Gott sei Dank noch die anderen Kollegen, die in einer Aufwertung der Abrechnungsstelle zu einem statistischen Zentrum der Bundeszahnärztekammer die richtige Lösung sehen. Ein solches Zentrum könnte durchaus noch andere wichtige Aufgaben im Sinne der Kollgenschaft übernehmen. Es ­wäre – um nur ein Beispiel zu ­nennen! – denkbar, ein Archiv mit ­Urteilen richtungweisender Prozesse anzulegen. Es gibt kaum einen Klagsfall, der nicht irgendeinen ganz ähnlich gelagerten Prä­zedenzfall in der Vergangenheit hätte. Eine Datenbank jederzeit abrufbaren Wissens würde unsere Position in Streitfällen um Quanten steigern. Als weiteres Beispiel wären lt. MR Merich als Dienst­leistung für Privatzahnärzte Rechnungslegung und Eintreibung von Honoraren der Forderungen vorstellbar. Der das Schicksal der Abrechnungsstelle betreffende Meinungsbildungsprozess dürfte unter den Spitzenfunktionären jedoch noch nicht abgeschlossen sein. Eines ist aber klar: Wenn man letztere Va­riante bevorzugt, wird es ohne ­finanzielle Unterstützung wohl nicht gehen. Denn die Leistungen, die diese aufgewertete Institution in der Zukunft dann erbringen würde, kämen ja schließlich – wie oben schon gesagt! – auch der gesamten Kollegenschaft zugute! Ich persönlich hoffe, dass ich in der Abrechnungsstelle auch in der Zukunft einen wichtigen und verlässlichen Partner haben werde!

Kontaktpersonen:
Leiter der Abrechnungsstelle:
Mag. Peter A. Ibaschitz, Tel. 050511/1248
E-Mail:

 

Standenat, Zahnarzt 12/2006

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