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Zahnheilkunde 29. September 2006

Hohe Vitamin-C-Gabe bei Parodontitis

Eine Reihe von Studien weisen darauf hin, dass die Zufuhr von Vi­tamin C bei Parodontitis positive Wirkungen entfaltet. „Allerdings halte ich es für problematisch, wenn Zahnärzte – oder auch Augenärzte (bei Maculadegeneration) – den Patienten ‚geheimnisvolle‘ Vitamin-Kapseln verkaufen, die dann nur geringe Menge an Ascorbinsäure enthalten“, so ein kritischer Apotheker aus Wien-Leopoldstadt.

Pulver, Kapseln oder ­natürliches Vitamin C

Sogar in einem Multivitamin-Präparat wie Supradyn® sei mehr Vi­tamin C enthalten als in diesen zumeist in Schweden oder Holland herge­stellten Kapseln. „Der Preis der Kapseln ist daher durch nichts zu rechtfertigen“, betont der Apotheker. Er empfiehlt stattdessen die Einnahme von normalem Vitamin-C-Pulver beziehungsweise von gepuffertem Pulver, Kapseln mit retardierter Wirkung und kontrollierter Wirkstofffreisetzung oder von Vitamin C mit Bioflavonoiden. Es gebe übrigens auch Hinweise darauf, dass über die Nahrung aufgenommenes Vitamin C wirksa­-mer sei als synthetisches, so der Pharmazeut.
„Wir geben bei Parodontitis ­Vitamin-C-Kapseln mit der Reinsubstanz in einer Dosierung von 400 mg pro Tag für mindestens drei Monate“, erklärt der Wiener Parodontologe Prof. Dr. Peter Solar. Auf diese Weise soll der oxidative Stress abgebaut werden, erläutert der Experte. Eventuell kommen – in Abhängigkeit von den Ergebnissen einer Vollblutanalyse – noch weitere Antioxidantien zum Einsatz. „Mir sind Patienten bekannt, die pro Tag drei Brausetabletten Vitamin C (zu je 1.000 mg) nehmen“, so der kritische Apotheker. „Das halte ich nicht für vernünftig, da der Großteil davon ausgeschieden wird und so letztlich in den Kanal geht.“

Möglicher negativer Effekt bei zu viel Ascorbinsäure

Dass die Einnahme von Vitamin C auch negative Auswirkungen auf die orale Gesundheit haben kann, belegt eine Kasuistik, die vor zwei Jahren von Dr. Joachim Lomb aus Fulda publiziert wurde (zm 13/2004). Berichtet wurde über eine junge Frau (sie war Arzthelferin in Ausbildung), die auf Anraten ihres Arbeitgebers, eines Internisten, während der Wintermonate täglich Ascorbinsäure einnahm. Die Patientin dosierte mindestens einen Teelöffel Ascorbinsäure auf zirka 150 Milli­liter Wasser und nahm diesen „Vi­tamin-C-Trunk“ während des Frühstücks ein. We­nige Minuten nach dem Frühstück putzte sie sich mit einer Zahnbürste unklarer Borstenhärte und einer Zahnpasta mit hohem Abrasionswert (Blendax Anti-Belag) die ­Zähne. Dies führte zu massiven Schmelzerosionen (faziale und inzisale Schmelzanteile der Zähne 11 und 21).
Lomb: „Bei einer Dosierung wie auf der Verpackung des Pulvers angegeben – ein bis zwei Messerspitzen auf 150 bis 200 Milliliter Flüssigkeit – ergab sich ein pH-Wert von drei. Bei der verwendeten Dosierung von ein bis zwei Teelöffeln pendelte sich der pH-Wert sogar auf zwei ein. Dieser Fall zeigt unter anderem, wie innerhalb von kurzer Zeit durch das Zusammentreffen von Ascorbinsäure, abrasiver Zahnpasta und möglicherweise zu aggressiver Putztechnik bei zu kleinem Zeitfenster zwischen Säureexposition und Zähneputzen massive und vor allem irreversible Schmelzschäden entstehen können.“

Dr. Peter Wallner, Zahnarzt 10/2006

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