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Zahnheilkunde 3. Juli 2006

Warten in einer besonderen Atmosphäre

Gerade wenn es um die konsequente Ausrichtung der Praxis auf eine bestimmte Zielgruppe geht, tritt die Frage nach der innenarchitektonischen Ausstattung der Räumlichkeiten (wieder) in den Vordergrund. Besonders neue Patienten bewerten die Praxis erst einmal nach ihrem äußeren Erscheinungsbild. Die Qualität der Zahnheilkunde, die in einer Praxis praktiziert wird, kann der Durch-schnittspatient nur erahnen, die Ausstattung der Räumlichkeiten aber kann er konkret beurteilen. Deshalb hat eine einheitliche professionelle Linie in der Praxisgestaltung eine zentrale Bedeutung für den Praxiserfolg – natürlich auch bei der Kundenklientel der Senioren.

Der erste Eindruck

Als die „Visitenkarte der Praxis“ gilt ohne Frage der Empfangs­bereich mit der Rezeption, denn hier gewinnt der Patient den so wichtigen ersten Eindruck, für den es keine zweite Chance gibt. Im Wartezimmer hat der Patient dann Zeit, sich zu orientieren, Empfindungen zu sortieren und seine Impressionen zu bestätigen, zu finden oder zu korrigieren. Eine herzliche Begrüßung an einer einla­denden Rezeption wird also von einem lieblos eingerichteten, ungemütlichen Wartebereich abgewertet und in ihrer positiven Wirkung geschmälert. Gerade in die zahnärztliche Praxis kommen viele Patienten mit Schmerzen und Ängsten. Die Gestaltung des Wartezimmers sollte ihnen helfen, sich zu akklimatisieren und die Zeit vor dem Termin so angenehm wie möglich zu verbringen. Eine Atmosphäre, die zum Entspannen und Wohlfühlen einlädt, ermöglicht später eine stressfreie Behandlung, wovon Patient und Arzt gleichermaßen profitieren. Das Ambiente sollte dafür besonders freundlich sein, mit einnehmenden Farben, warmem Licht und beruhigenden beziehungsweise ablenkenden Accessoires. Viele Wartebereiche sind leider immer noch vernachlässigt und zu wenig ansprechend gestaltet, zum Beispiel mit einer altmodischen Möblierung in dunklen Tönen, die dem Raum eine bedrückende Ausstrahlung verleiht. Oft lässt sich hier eine positive Raumwirkung mit vergleichsweise einfachen Mitteln erzeugen, ohne dass von Grund auf renoviert werden müsste.

Einheitliche Linie

Vor der Umgestaltung ist es wichtig zu reflektieren, welches Image nach außen vermittelt werden soll. Der gängige Geschmack in Bezug auf Stil, Farben und Materialien ist oft stark dem Zeitgeist unterworfen und womöglich in wenigen Jahren überholt. Deshalb ist es besonders wichtig, sich bei einer Veränderung nicht zu sehr ak-tuellen Modetrends zu verpflichten, sondern eine Linie zu finden, die zu der Philosophie der Praxis passt und mit der sich die gewünschten Patienten identifizieren können. Diese Linie muss sich wie ein roter Faden durch die gesamte Praxis ziehen.

Wirkung von Farben

Farben können einen Raum in seiner Ausstrahlung sehr stark verändern. Sie wirken auf das Unterbewusstsein des Menschen und steuern so die Empfindungen zu seiner Umgebung. Die Farbe Blau wird von den meisten Menschen als angenehm empfunden, ebenso sonnige Gelbtöne. Weiß wirkt luftig und sauber, bekommt jedoch leicht einen sterilen Charakter, wenn die Auflockerung durch andere Farben fehlt. Ein frischer Mintton unterstreicht auf sympathische Art die Hygiene und das Medizinische einer Praxis, ohne zu kalt zu erscheinen. Einen besonders warmen, gefälligen Eindruck vermitteln Naturtöne wie zum Beispiel Terrakotta. Im Wartezimmer darf Farbe ruhig etwas mutiger eingesetzt werden als in den Behandlungszimmern, um es wohltuend von deren sachlicher Ausstrahlung zu unterscheiden.

Die richtige Wahl der Materialien

Die Verwendung von Holz vermittelt immer eine angenehme Wärme, wobei ein rustikaler Touch durch die Kombination mit kühlen Materialien und Farben vermieden werden kann. Dabei können beispielsweise Edelstahl und Glas sowie frische Blautöne zum Einsatz kommen. Um den Wartebereich nicht optisch bedrückend zu gestalten, empfiehlt es sich, helle Hölzer auszusuchen, die nicht zu viel Licht schlucken. Ahorn, Birke und Buche etwa wirken modern und leicht, ohne ihre natürliche Ausstrahlung einzubüßen. Die Kombination von Glas und Metall ohne Holz sollte für diese sensible Umgebung nur in Verbindung mit ausgleichenden heiteren Farben vorgesehen werden, um die eventuell vorhandene Befangenheit der Patienten nicht noch zu verstärken. Das könnten warme Gelbnuancen sein oder auch fröhliche, kräftige Töne wie ein leuch-tendes Grün. Auch andere Materialien wie zum Beispiel Kunststoff wirken ansprechend, wenn sie in hochwertiger Ausführung und attraktiven Farben daherkommen. Obgleich Geschmäcker natürlich differieren, kann man mittels eines einfühlsamen Farb- und Materialkonzeptes eine stimmige Atmosphäre erzeugen, in der sich die Patienten gut aufgehoben fühlen.

Wände stilvoll gestalten

Weiße Wände sind neutral und lassen sich durch Bilder und Accessoires immer wieder neu gestalten. Für den Wartebereich wäre es aber auch denkbar, einmal mit farbig angelegten Wänden eine Spur Wohnlichkeit in das Praxisgeschehen zu bringen. Vorstellbar sind dezente gleichmäßige Tönungen, aber auch verschiedene Maltechniken, wie zum Beispiel Wischtechniken, die ein südliches Flair verbreiten. Einen Blickfang können ebenso Wandmalereien darstellen, die als Illusionskunst oder in Form von strengen grafischen Mustern den Raum beleben.
Bodenbelag entscheidet über Harmonie Bei der Wahl des Bodens wird man sich meist stark an den übrigen in der Praxis verwendeten Belägen orientieren. Besonders in Bezug auf Eingang und Rezeption ist es wichtig, ein harmonisches Bild zu schaffen, vor allem, wenn der Empfangsbereich offen in den Wartebereich übergeht. Um einen stimmigen Gesamteindruck zu erhalten, ist es aber nicht unbedingt erforderlich, das gleiche Material für die verschiedenen Zonen zu verwenden. Sind die Farben aufeinander abgestimmt und die Übergänge sauber gelöst, kann es auch sehr reizvoll sein, den Wartebereich optisch abzuheben und als Ruheinsel zu kennzeichnen. Hier kommt beispielsweise ein behaglicher Teppichboden in Frage, der im Eingangsbereich eher problematisch wäre. Ebenso ist der Einsatz von Holzböden denkbar, ob als Parkett oder Laminat. Unter so manchem alten Linoleum kommen Holzdielen zum Vorschein, die nach sorgfältigem Abschleifen wieder wunderschön sind und ein freundliches Ambiente unterstreichen. Strapazierfähige Böden für ein besonders hohes Patientenaufkommen sind neben den beliebten Natursteinböden wie Granit elastische Beläge. Hierzu zählen PVC, Linoleum und Kautschuk, die als Fliesen oder Bahnenware erhältlich sind und einfach verklebt werden. Der Vorteil gegenüber Steinböden sind die Fußwärme und die wesentlich ­geringere Geräuschentwicklung beim Begehen. Durch ihre geringe Stärke bei enormer Belastbarkeit eignen sich diese Materialien besonders für den nachträglichen Einbau bei einer Renovierung. Es empfiehlt sich hier, die Stärke der Nutz-schicht zu vergleichen und bei der Anschaffung die hochwertigere, wenn auch teurere Alternative zu wählen, denn langfristig zahlt sich diese Investition aus. Elastische Beläge sind wie auch Teppichböden in vielfältigen Mustern und Farben erhältlich, so dass das Design konsequent dem Gesamtkonzept folgen kann.

Das Fenster – das Tor nach außen

Eine schöne Aussicht lädt zum Träumen ein und lenkt so vom Warten ab. In diesem Fall sollte die entspannende Sicht nach draußen natürlich nicht verhängt werden, das Fenster kann vielleicht lediglich eine Einrahmung aus Stoff bekommen. Ist der Blick aber nicht so reizvoll, bietet ein Beschattungs­element Sicht- und Sonnenschutz. Vertikaljalousien, die für die Behandlungszimmer sehr zweckmäßig sind, wirken im Wartezimmer meist zu nüchtern. Schöner sind zum Beispiel Horizontaljalousien aus Holz oder Sonnensegel aus semitransparentem Material. Mit solchen gespannten Stoffen lassen sich auch über die Fensterdekoration hinaus interessante Raumwirkungen erzielen.

Licht als Atmosphäre-Faktor

Das Licht im Wartebereich ist eine sehr wichtige Komponente, die leider oft vernachlässigt wird. Das Lichtsystem oder die Einzelleuchten sollten mit Blick auf ihr Design sorgsam auf das übrige Interieur abgestimmt und im besten Fall nicht nachträglich ausgesucht, sondern bereits im Vorfeld mit eingeplant werden. Noch wichtiger als die äußere Form ist aber die Lichtwirkung mit Helligkeit und Lichtfarbe, die von einer Leuchte ausgeht. Da hier nicht gearbeitet und auch nur für jeweils kurze Zeiten gele-sen wird, muss die Lichtplanung nicht den Anforderungen genügen, die zum Beispiel an die Beleuchtung der Rezeption gestellt werden. Hier sollte die Aufmerksamkeit verstärkt der Stimmung gelten, die durch das Licht erzeugt wird.

Möbel im Wartebereich

Bei der Wahl der Bestuhlung als ein prägendes Raummerkmal muss zunächst an die angestrebte Zielgruppe gedacht werden. Der anspruchsvolle Senior wird vielleicht gerne auf einem edlen Ledersessel Platz nehmen. Sie selbst und Ihr Team sollten sich im Vorfeld überlegen, welcher Stil bei Ihrer Klientel Gefallen findet und ­welche Art von Stühlen tatsächlich geeignet ist. Sitzgelegenheiten mit Armlehnen werden im Allgemeinen als bequemer bewertet, jedoch nehmen sie in den meisten Fällen auch mehr Platz in Anspruch. Moderne Armlehnstühle aus Polypropylen sind indes nicht mit herkömmlichen Polstersesseln vergleichbar, sondern von erheblich schlankeren Abmessungen. Im Hinblick auf Hygiene und problemlose Reinigung sind Stühle ohne Stoff- oder empfindliche Lederbezüge anzuraten. Werden diese als zu kalt empfunden, so bieten Auflagen oder Kissen eine zweckmäßige Lösung. Die Garderobe sollte, wenn sie im Wartezimmer platziert ist, ausreichenden Platz in mindestens zwei verschiedenen Höhen bieten. Die direkte Nähe zu einem Sitzplatz wird nach Möglichkeit vermieden, damit sich durch die Nutzung kein wartender Patient gestört fühlt.

Die Liebe zum Detail

Bilder geben jedem Raum einen freundlichen Charakter und lassen den Betrachter im besten Fall in den Formen und Farben versinken. Möchte man den Stammpatien-ten eine Abwechslung bieten, so wäre ein Galeriesystem denkbar, das einen einfachen Austausch von Bildern ermöglicht, die für einen bestimmten Zeitraum gemietet werden können. Der Entspannung dienlich ist seit jeher der Anblick von Wasser, z. B. in einem Aquarium, als Wassersäule oder -spiel. Ein angenehmer Nebeneffekt ist die Luftverbesse-rung, die bewegtes Wasser mit sich bringt und die besonders im Winter die trockene Heizungsluft erträglicher macht. Pflanzen bringen ein Stück Natur in das Wartezimmer. Die meisten Menschen verbinden mit diesem Begriff Ruhe und Erholung, was sich positiv auf die Gefühlslage auswirkt. Es ist allerdings wichtig, die Pflanzen zu pflegen, damit sie nicht durch einen kränkelnden Eindruck ungünstige Gedanken auslösen. Sanfte, auf die Zielgruppe abgestimmte Musik – nicht aus dem Radio, da die Moderation zu viel Unruhe erzeugt – hilft dem aufgeregten Pa­tienten, sich zu entspannen. Platzsparende und auch erschwingliche Geräte, die die Luft ionisieren und mit anregenden Aromen anreichern, mindern den unangenehmen Zahnarztgeruch und die damit verbundenen Assoziationen. Ein ansprechender Wartebereich mit einer zeitgemäßen Gestaltung unterstreicht das gewünschte professionelle, moderne Image der Zahnarztpraxis. Durch eine umsichtige Planung ist es möglich, ein eigenes Profil zu schaffen, das die Ziel­gruppe anspricht und so an die Praxis bindet. Eine entspannte, positive Atmosphäre in der Zeit des Wartens hilft dem Patienten, Spannungen abzubauen und den Arztbesuch schon vor der Behandlung positiv zu bewerten. Verlässt er die Praxis dann mit diesen angenehmen Erinnerungen, wird er auch gerne zum nächsten Termin kommen.

Eine Checkliste zum Thema „Praxisgestaltung“ kann bei dem Autorenteam gerne angefordert werden.

Waschke, Zahnarzt 7/2006

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