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Zahnheilkunde 23. Mai 2006

Überarbeitete Hygiene-Empfehlungen

Vor kurzem wurde die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts (Berlin) zur Infektionsprävention in der Zahnheilkunde veröffentlicht. Das Dokument ersetzt die Mitteilung aus dem Jahr 1998 (wir berichteten in der Zahnarzt-Ausgabe vom Dezember 1998). In der Einleitung des Papiers mit dem genauen Titel „Infektionsprävention in der Zahnheilkunde – ­Anforderungen an die Hygiene“ (Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2006; 49: 375–394) heißt es zunächst, dass die Infek­tionsrisiken „durch eine Anamnese, die in regelmäßigen Abständen zu aktualisieren ist, wirksame Hy­gienemaßnahmen, Methoden der Arbeitssystematik (z. B. Grundregel der Nichtkontamination) sowie durch anerkannte Technologien entscheidend verringert werden können“. Hinsichtlich infektionspräventiver Maßnahmen am Patienten wird u. a. empfohlen, dass vor der zahnärztlich-chirurgischen Behandlung von Patienten mit erhöhtem Infektionsrisiko und bei allen zahnärztlich-chirurgischen Eingriffen mit nachfolgendem speicheldichten Wundverschluss eine Schleim­hautantiseptik erfolgen sollte.

Händedesinfektion und Handschuhbenutzung

Eine hygienische Händedesinfektion ist vor jeder Behandlung, bei Behandlungsunterbrechung, bei Handschuhwechsel und nach Behandlungsende erforderlich, auch wenn Handschuhe getragen werden beziehungsweise wurden, so die Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI). Handschuhe sind zwischen der Behandlung verschiedener Patienten zu wechseln; sofern nur Speichelkontakt bestand, können laut RKI unversehrte Handschuhe mit nachgewiesener Beständigkeit gegenüber dem verwendeten Desinfektionsmittel nach einer entsprechenden Desinfektion weiter getragen werden. Weiters dürfen Fingernägel wegen der Gefahr einer Handschuhper­foration die Fingerkuppe nicht überragen. Was das Tragen steriler Handschuhe betrifft, sollte dies „vor allem bei zahnärztlich-chirurgischen Eingriffen mit nachfolgendem speicheldichtem Wundverschluss und bei zahnärztlich-chirurgischen Eingriffen bei Patienten mit erhöhtem Infektionsrisiko erfolgen“, wie es in dem Dokument heißt.

Kontaminationen und Impfungen

Zur Verringerung des Infektionsrisikos durch Aerosole sowie Blut- und Speichelspritzer sollten ein dicht anliegender Mund-NasenSchutz und eine Schutzbrille, die die Augen auch seitlich abdeckt, getragen werden. Empfohlen wird weiters, schwierig zu reinigende und zu desinfizierende Flächen/Gegenstände beziehungsweise solche, die bei einem Eingriff mit Speichel, Blut oder Eiter kontaminiert werden können, durch Abdecken vor Kontamina­tion zu schützen. Das Behandlungsteam sollte gegen Hepatitis B, Diphtherie und Tetanus geschützt sein, „bei regelmäßiger Behandlung von Kindern ist auch auf einen entsprechenden Immunschutz gegen Keuchhusten, Masern, Mumps, Röteln und Varizellen zu achten“, so die Hygiene-Experten. Recht ausführlich wird in der Publikation auch auf die Risikobewertung und Einstufung von in der Zahnmedizin gebräuchlichen Medizinprodukten vor ihrer Aufbereitung eingegangen. Es wird erläutert, was man unter unkritischen, semikritischen und kritischen Medizinprodukten versteht. Übertragungsinstrumente können sowohl außen als auch innen kontaminiert sein. Wichtig sind ­daher eine sorgfältige Reinigung und Desinfektion der Außen- und Innenflächen nach jedem Patienten. Aus Zusatzgeräten mit Austritt von Wasser und/oder Luft sollte nach der Behandlung eines Patienten für mindestens 20 Sekunden Luft und/oder Wasser durchlaufen. Ein spezielles Problem stellen Polierbürsten und -kelche dar, da diese in der Regel mit einem Gemisch aus Blut, Speichel und Polierpasten benetzt sind. Wenn dieses durch manuelle oder maschinelle Aufbereitung nicht zu entfernen ist, muss auf die Wiederverwendung verzichtet werden. Bei der Sterilisation ist Dampf­sterilisationsverfahren der Vorzug zu geben. Im Fall der Neuanschaffung eines Dampfkleinsterilisators ist darauf zu achten, dass es sich um ein Gerät mit Sterilisationszyklus B handelt, das die Norm EN 13060 erfüllt. Bei Einsatz von Containern/Trays ist sicherzustellen, dass der Dampf über einen geeigneten Filter das Sterilgut erreichen kann und sich am Boden des Containers kein Kondensat ansammelt.

Wasser führende Systeme

Ein bekanntes Problem stellt die Kontamination Wasser führender Systeme dar. „Zu Beginn des Arbeitstages sind daher die Wasser führenden Systeme (ohne aufgesetzte Übertragungsinstrumente) an allen Entnahmestellen für zwei Minuten durchzuspülen“, lautet die Empfehlung. Weiters sollten die im Mund eines Patienten benutzten Systeme (auch solche mit eingebauter Rückschlagverhinderung) danach für 20 Sekunden gespült werden, empfiehlt das RKI. Auch am Ende des Behandlungstages sollten die Wasser führenden Systeme gespült werden. Bei der Neuanschaffung von Behandlungseinheiten ist darauf zu achten, dass die Materialien, die mit Wasser in Berührung kommen, ein Wachstum von Mikroorganismen nicht unterstützen. „Die eingesetzten Materialien und Produkte sollten die Prüfung nach dem Arbeitsblatt W 270 der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches DVGW (Vermehrung von Mikroorganismen auf Werkstoffen für den Trinkwasserbereich – Prüfung und Bewertung) bestanden haben“, so die Empfehlung des RKI. Die mikrobiologische Überprüfung der Dentaleinheiten umfasst die Bestimmung der Koloniezahl bei 36° C sowie von Legionellen durch ein Labor mit entsprechender Erfahrung. Die Koloniezahl ­sollte den Richtwert von 100/ml nicht überschreiten, bei Legionellen ­sollte der Richtwert von unter 1 KBE/ml nicht überschritten werden. Liegen keine Anhaltspunkte für Mängel vor, erscheinen Untersuchungsintervalle von zwölf Monaten sinnvoll.

Patienten mit Immunsuppression

Bei umfangreichen zahnärztlich-chirurgischen Eingriffen sowie bei allen Patienten mit Immunsuppression sind zur Kühlung sterile Lösungen zu benutzen. Die Experten: „Auch bei Patienten mit Mukoviszidose sollte steriles Kühlwasser für die rotierenden Instrumente zur Anwendung kommen. Bei Verwendung eines Wasser-Luft-Gemisches aus den Mehrfunktionsspritzen sollte eine Isolierung durch Kofferdam erfolgen, wenn dies möglich ist.“ Wenn eine Absaugkanüle durch angesaugte Weichgewebe (Schleimhaut) verschlossen wird, kann es zu einem Rückfluss kon­taminierter Flüssigkeiten aus dem Schlauch in die Mundhöhle kommen, ebenso, wenn der Absaugschlauch oberhalb des Patienten geführt wird (und die Saugleistung gering ist). „Technische Modifika­tionen der Absaugkanüle – das heißt eine zusätzliche Be­lüftung – können möglicherweise die Ge­fahr eines Unterdrucks beim Festsaugen ohne wesentliche ­Be­einflussung der Saugleistung ver­mindern“, erklärt das RKI. Nach der Behandlung eines jeden Patienten sind die durch Kontakt oder Aerosol kontaminierten patientennahen Oberflächen zu desinfizieren. Zudem sind Schläuche, Kupplungen und Köcher der Absaugablagen im Greifbereich nach jedem Patienten außen zu desinfizieren. „Gezielte Desinfektionsmaßnahmen sind notwendig, wenn eine sichtbare Kontamina­tion auch patientenferner Flächen (einschließlich Fußboden) mit Blut, Speichel oder anderen potenziell infektiösen Sekreten oder eine besondere Risikosituation vorliegt“, so das RKI. Am Ende jeden Behandlungstages ist eine Flächendesinfektion (Wischdesinfektion) aller Arbeitsflächen vorzunehmen. Für Fußböden ist eine Feuchtreinigung ohne Zusatz von Desinfektionsmitteln ausreichend (außer bei sichtbarer Kontamination).

Die Empfehlungen können unter www.rki.de – Infektionsschutz – Aktuelle Informationen heruntergeladen werden.
Das österreichische Standardwerk „Hygiene, Mikrobiologie und Risikomanagement in der Zahnarztpraxis“ kann beim Classic-Verlag, Graz, bestellt werden:
Tel: 0316/699 870, Fax: 0316/699 870–30, E-Mail: – Service – Bestellformulare.

Dr. Peter Wallner, Zahnarzt 6/2006

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