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Zahnheilkunde 31. März 2006

Helferinnen sollen gesetzlich geregelt werden

Zahnärztliche Helferinnen standen schon den Zahnbrechern im Mittelalter zur Seite und schon damals waren es oft die Ehefrauen oder Lebensgefährtinnen, die ihren Mann unterstützten. Und bis heute sind es fast nur Frauen, die den Zahnärzten am Behandlungsstuhl Hilfe leisten. Allerdings nicht mehr unbedingt die Ehefrauen. Derzeit besteht die Ausbildung in drei Jahren praktischer Tätigkeit beim Zahnarzt und einem einjährigen Kurs an einer Helferinnenschule, der jeweils einen halben Tag pro Woche meist für die Dauer des Schuljahres in Anspruch nimmt. Diese Schulungen werden von den jeweiligen Landeszahnärztekammern und von den Universitäten angeboten. Nur in Ober­österreich ist die Zweigstelle der Österreichischen Gesellschaft für ZMK und in Wien (neben der Universität) das Wilhelm-Brenner-Institut ausbildende Stelle. Einig sind sich alle mit der Thematik Befassten, dass die Ausbildung intensiviert und der Beruf aufgewertet werden soll. Prof. Dr. Ingrid Grunert, Vizestudiendekanin für Zahnmedizin an der Universität Innsbruck, meint, eine bessere Ausbildung würde auch eine andere Klientel an Helferinnen bringen. Dr. Peter Österreicher, Präsident der Zahnärztekammer Steiermark und Leiter des Referats für Helferinnenfragen in der ÖZÄK, sieht auch einen großen Vorteil für die Helferinnen selbst, wenn die Ausbildungsinhalte vertieft und wiederholt behandelt werden können.

Kollektivvertrag geregelt

Während für den Beruf der Arzthelferin eine gesetzliche Regelung besteht, sind Ausbildung und andere Berufsbedingungen für Zahnarzthelferinnen nur im Kollektivvertrag für Angestellte in zahnärztlichen Ordinationen geregelt. Dort ist etwa das Ausmaß der theoretischen und praktischen Ausbildung nicht genau festgelegt. Nur die Ausbildungszeit von drei Jahren, die praktische Ausbildung in der Ordination und die theoretische in einem anerkannten Fachkurs sind vorgeschrieben. Dabei sind Bemühungen um eine genauere Regelung und damit eine Aufwertung des Berufes alles andere als neu. Schon in den 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts erarbeitete das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) ein Berufsbild für Zahnarzthelferinnen. Weder das Berufsbild noch das Ausbildungskonzept wurden damals umgesetzt, denn mit dem EU-Beitritt Österreichs ­bestand dringender Reformbedarf für jene Berufsgruppen, die auch EU-weit geregelt sind. Zahnarzthelferinnen zählen nicht dazu, denn ihr Berufsbild ist auch in der EU-Gesetzgebung nicht geregelt.

Zweiter Anlauf

Anfang dieses Jahrhunderts wurde ein neuer Anlauf unternommen, doch noch eine Regelung zu finden. Die Fachabteilung für Gesundheitsberufe im BMFG hat das ÖBIG-Konzept nochmals überarbeitet. 2005 lag das neue Konzept vor. Es sieht 606 Stunden theoretischen Unterricht vor, der auf einen Jahr Grundkurs und zwei Jahre Fachausbildung verteilt werden soll. Höchst modern sollen bis zu 50 Prozent der Unterrichtsstunden pro Fach auch in Form von E-Learning durchgeführt werden dürfen. Das Konzept wartet seit vorigen Sommer darauf, von der Rechtsabteilung des Gesundheitsministeriums in einen Gesetzestext gegossen zu werden. Dort war man nun neben den vielen anderen Aufgaben nicht zuletzt mit der Erstellung des Zahnärztegesetzes, des Zahnärztekammergesetzes und von deren zahlreichen Begleitgesetzen befasst, was die Verzögerung erklärt. Vor wenigen Wochen aber kam – zumindest für die zahnärztliche Standesvertretung – überraschend auch ein Verordnungsentwurf aus dem Wirtschaftsministerium auf den Tisch, der ebenfalls das Berufsbild der Zahnarzthelferin zum Thema hat. Während der Entwurf des Gesundheitsministe­riums die Zahnarzthelferin als ­Gesundheitsberuf sieht, zielt der Verordnungsentwurf des Wirtschaftsministeriums darauf ab, ­die Zahnarzthelferin als Lehrberuf zu etablieren.

 Zahnärztliche Helferinnen: Einig sind sich alle, dass die Ausbildung intensiviert und der Beruf aufgewertet werden sollen.

Zahnärztliche Helferinnen: Einig sind sich alle, dass die Ausbildung intensiviert und der Beruf aufgewertet werden sollen.

Foto: PhotoDisc

Lehr- oder Gesundheitsberuf ...

Dazwischen bestehen einige wesentliche Unterschiede. So müsste bei einem Lehrberuf der Staat die Ausbildungskosten tragen und Berufsschulen dafür einrichten. Bei anderen Gesundheitsberufen wie etwa der Ordinationshelferin oder den Sanitätsgehilfen erfolgt die Ausbildung meist in Fachschulen, im Falle der Zahnarzthelferinnen könnte man bei den bisherigen Ausbildungsstätten verbleiben. Durch das Berufsausbildungsgesetz genießen Lehrlin­ge besonderen Schutz gegenüber ­angelernten Berufen, der Ausbildner erhält aber auch eine Reihe von Förderungen und Vergünstigungen. Hinter den nun doppelt vorliegenden Plänen steht jedoch noch eine ganz andere Auseinandersetzung. In die Verhandlungen mit dem Gesundheitsministerium war die Zahnärztekammer miteingebunden. Nach Aussagen aus der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) mehr, als dieser lieb sein kann. „Es wurden nur die Vorschläge der Zahnärztevertreter berücksichtigt und unsere Einwände überhaupt nicht gehört“, sagt AntaStavik, Sekretärin für Aus- und ­Weiterbildung der GPA. Zum Vorschlag des Wirtschaftsministeriums meint wiederum Österreicher: „Wir waren überhaupt nicht involviert und haben das Papier erst vor wenigen Wochen erhalten.“ Zudem bestünde auch ein Beschluss der – damals noch – Bundeskurie der Zahnärzte, die Zahnarzthelferin zu einem Gesundheitsberuf zu machen.

... oder sogar beides?

Laut Stavik schließen sich Lehr- und Gesundheitsberuf auch nicht aus. Allerdings ist kein einziger der bisherigen Gesundheitsberufe auch Lehrberuf. So liegt die Kompetenz für Gesundheitsberufe einheitlich beim Gesundheitsminis­terium, während Lehrberufe laut gesetzlicher Regelung im Wirtschaftsministerium behandelt ­werden. Auf Dauer könnten sich Kompetenzstreitigkeiten zwischen Wirtschafts- und Gesundheitsministerium nicht gerade positiv auf die weitere Entwicklung des Berufsbildes auswirken. Schon die Auseinandersetzung zwischen Arbeitgebervertreter Zahnärztekammer und Arbeitnehmervertretung Gewerkschaft scheint nicht wirklich zur Findung eines gesetzlich verankerten Berufsbildes beizu­tragen. Im Gespräch sind auch die weitergehenden Ausbildungen und Spezialisierungen der Zahnarztassistentinnen, etwa der Prophylaxeassistentin. Lesen Sie mehr darüber in der nächsten Ausgabe vom „Zahnarzt“.

Livia Rohrmoser, Zahnarzt 4/2006

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