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Zahnheilkunde 29. März 2006

Kohlenhydrate-Ranking unsinnig

Weniger zu essen und sich mehr zu bewegen ist immer noch die ziel­führendere Abspeckstrategie als bestimmte Lebensmittel zu meiden.

South Beach, Glyx oder Montignac: Eine ganze Reihe von Diäten beruht auf der Unterscheidung zwischen „guten“ und „schlechten“ Kohlenhydraten. Derartige Ernährungslehren orientieren sich an dem so genannten glykämischen Index (GI). Dieser Wert, maximal 100, gibt an, wie schnell bestimmte Kohlenhydrate als Zucker in den Blutstrom gelangen. Eine amerikanische Studie deutet nun darauf hin, dass der glykämische Index gar nicht effektiv zur Kontrolle des Blutzuckerspiegels beiträgt.

Nur die Guten ins Köpfchen?

Schon seit Einführung des GI in den 80er-Jahren streiten sich Ernährungswissenschaftler über den Nutzen der Skala. Nahrungsmittel mit einem hohen Wert, etwa Weißbrot oder Erdäpfel, erhöhen demnach sehr schnell den Blutzuckerwert und gelten daher als ungünstig. Im Gegensatz dazu werden Lebensmittel mit niedrigem Wert wie Karotten oder Äpfel langsamer absorbiert. Dies trägt nach Ansicht der GI-Anhänger dazu bei, dass das Hungergefühl länger ausbleibt und damit vorteilhaft ist für eine Diät. Zudem soll der Verzehr von Produkten mit niedrigen Index-Werten geringere Schwankungen des Blutzuckerspiegels zur Folge haben.

Fragwürdige Ergebnisse

Die Meinung der Experten dazu ist allerdings geteilt. Eine kleine Studie in Boston ergab tatsächlich, dass sich Menschen nach dem Verzehr von Lebensmitteln mit nie­drigem glykämischem Index länger satt fühlen als nach dem Konsum hochglykämischer Produkte. Eine weitere kleine Untersuchung – desselben Forschers – ergab zudem, dass eine Index-bewusste Ernährung vor Herzerkrankungen schützt. Gleichwohl zeigte sich der Amerikanische Herzverband von den Studien wenig beeindruckt.

„Am besten gleich abschaffen“

Nun prüften Forscher der Universität von South Carolina die Auswirkungen der Ernährung an mehr als 1.000 Personen über einen Zeitraum von fünf Jahren. Während dieser Spanne wurden die Blutzuckerspiegel der Teilnehmer zwei Mal untersucht. Einen Zusammenhang zwischen dem glykämischen Index der verzehrten Lebensmittel und den Blutzuckerwerten fanden die Forscher aber nicht, wie sie in der Zeitschrift British Journal of Nutrition berichten. Untersuchungsleiterin Dr. Elizabeth Mayer-Davis spricht sich nun dafür aus, den Gebrauch des Index abzuschaffen. Sie bestreitet zwar nicht, dass verschiedene Kohlenhydrate sich unterschiedlich auf die Gesundheit auswirken. Solche Zusammenhänge seien aber wesentlich komplexer als die Index-Skala und hingen von sehr vielen Faktoren ab, wie etwa der Art der Zubereitung oder in welcher Kombination mit anderen Nährstoffen die Kohlenhydrate konsumiert worden seien. „Der glykämische Index ist weder für Wissenschaftler noch für Menschen, die sich gesund ernähren wollen, hilfreich“, so das harsche Urteil der Forscherin. Um abzunehmen und sich vor Diabetes zu schützen, seien die traditionellen Wege immer noch am sinnvollsten, rät die Expertin: weniger essen und sich mehr bewegen.

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