zur Navigation zum Inhalt
 
Zahnheilkunde 21. Februar 2006

Humor und Hoffnung trotz Tumor

Krebspatienten brauchen in jeder Situation Hoffnung, keine unrealistischen Hoffnungen, keine falschen Heilsversprechen, aber Hoffnung.

Außerdem kann sich Hoffnung auch auf andere Ziele als Heilung beziehen. Besserung, Stabilisierung des körperlichen Zustandes, die Matura der Tochter oder die Geburt des Enkels zu erleben, eine Reise zu machen etc. Und wir müssen es wagen, sich auf Fragen und Nöte des Pa­tienten einzulassen. Zuhören und Beruhigen ersparen eine Menge Medikamente und Komplikationen. Eine humorvolle Kommunikation fördert das Vertrauen und die Zusammenarbeit. Ärzte sollen gerade onkologischen Patienten im Gespräch nicht ausweichen. Es ist meiner Meinung nach eine große Herausforderung, nicht nur für Ärzte und Therapeuten übrigens, den Unterschied zwischen Wahrheit und Wahrhaftigkeit patientengerecht zu kommunizieren. Das heißt, nicht alles was wahr ist, muss der Patient wissen, aber es muss alles wahr sein, was man dem Patienten sagt. – „Was man ernst meint, sagt man am besten im Spaß“ (Wilhelm Busch). Fordern wir doch endlich von unseren Gesundheitspolitikern eine Aufwertung des Gesprächs. Nicht nur Apparate sind wichtig und kosten Geld. Die Zeit, die wir den Patienten widmen, ist sogar noch wichtiger und wird leider in dem derzeitigen Gesundheitssystem nicht als wertvoll angesehen und kaum honoriert.

„Der Doktor – ein gewöhnlicher Patient“

Es gibt einen sehr berührenden Film mit dem deutschen Titel: „Der Doktor – ein gewöhnlicher Patient“, in dem die Wandlung eines gefühlskalten Chirurgen zum mitfühlenden Arzt eindrucksvoll gezeigt wird. Unzählige, erfolgreich durchgeführte Operationen zeichnen die steile Karriere des jungen Arztes Dr. Jack MacKee aus, der von Oscar-Preisträger William Hurt wunderbar dargestellt wird. Während er operiert, singt er, wirkt geradezu vergnügt, gibt ein paar sarkastische Bemerkungen von sich, und im Handumdrehen ist der schwierigste Eingriff komplikationslos vorbei. MacKee ist ein brillanter, aber auch gefühlloser Chirurg. Eines Tages wird ihm bei einer Untersuchung die Diagnose Krebs mitgeteilt. Nun wird auch er selbst zum ersten Mal in seinem Leben durch die erbarmungslose und zum Teil unmenschliche Maschinerie des Krankenhauses geschleust, an dem er seine Patienten nicht als Menschen, sondern als Fälle behandelt hat. Jetzt ist er an Krebs erkrankt und es geht ihm schlecht. Nun verlangt er von den Pflegern und Ärzten Verständnis und Mitgefühl. Er klammert sich an jede Hoffnung und er ist entsetzt, wie humorlos ein Krankenhausbetrieb für den Patienten ist. Während der Chemotherapie trifft Jack die krebskranke June und sie geben sich gegenseitig Hoffnung und ­Liebe. June stirbt aber noch vor der Operation. Für Jack fängt nach der gelungenen Entfernung des Tumors ein neues Leben an … Ich möchte geglückte Arzt-Patienten-Beziehungen keinesfalls in Frage stellen, auch die gibt es, glaube aber sagen zu können, dass sie in einer Krise stecken. Immer mehr wandelt sich das Bild des Arztes zum „Körpermechaniker“, der Krankheiten jedweder Art zu reparieren oder, wie es auch vielfach genannt wird, zu besiegen hat. Wie dem auch sei, Humor und Hoffnung sollten in jeder Arzt-Patienten-Beziehung eine zentrale Rolle spielen.

 Buchvorstellung: Humor trotz Tumor von Dr. Andreas Kienzl

Dr. Andreas Kienzl, Zahnarzt 3/2006

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben