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Zahnheilkunde 21. Februar 2006

Blasenbildende Erkrankungen im Oralbereich

Die Diagnose von pathologischen Schleimhautveränderungen ist ein wichtiger Aufgabenbereich der Zahnmedizin. Das frühzeitige Erkennen und Abklären solcher Läsionen ist oftmals die Grundlage und einzige Möglichkeit einer erfolgreichen Therapie.

Neben den im ersten Teil diskutierten viralen, autoimmunen und allergischen Mundschleimhauterkrankungen soll nun auf idiopathische Erkrankungen und Gendefekte eingegangen werden.

Chronisch rezidivierende Aphten

Aphten sind solitär oder multipel auftretende, im Normalfall bis 5 mm große, mit seröser Flüssigkeit gefüllte, intraepitheliale Hohlraumbildungen, die durch Erweiterung der Interzellularräume und durch abgestorbene Epithelzellen entstehen. Ihre Ursache ist weitgehend ungeklärt. Es werden Zusammenhänge mit bestimmten Nahrungsmitteln, toxischen Substanzen, infektiösen Ursachen sowie hormonellen und immunologischen Störungen angenommen. Ein möglicher Zusammenhang mit dem Epstein-Barr-Virus wird diskutiert. Die Läsionen können auch als habituelle Aphten in Zusammenhang mit schweren gastroenteralen Erkrankungen (M. Crohn) oder schubweise während der Menstruation auftreten. Mechanisch bedingt erscheinen sie als so genannte „Bednar-Aphten“ am weichen Gaumen. Die Läsion beginnt als kleiner schmerzhafter Erythemherd auf der nicht keratinisierten Schleimhaut der Lippeninnenseite, der Wange, der Zunge, des Mundbodens oder des Zahnfleisches. Innerhalb der Rötung bildet sich binnen weniger Stunden ein kleines Bläschen, welches nur kurzfristig besteht und in ein flaches Schleimhautgeschwür mit rotem Halo um einen eingesunkenen gelblichweißen fibrinbedeckten Bereich übergeht. Im histologischen Bild ist das Epithel aufgespalten, der Spaltraum mit seröser Flüssigkeit und neutrophilen Granulozyten gefüllt. Man unterscheidet Minor- und Majorvarianten, letztere mit Durchmessern von 1–2 cm. Die Heilungsperiode solcher großer Läsionen beträgt oft mehr als drei Wochen; kleinere Aphten heilen binnen einer Woche ab. Die Läsionen rezidivieren häufig in unterschiedlichen Intervallen von Wochen bis Jahren. Die Therapie erfolgt symptomatisch je nach Ausmaß der Beschwerden mittels lokaler Desinfektion, Kamillenextrakt, lokaler Schleimhautanästhetika, Glucocorticoid-Haftsalben und 1 Prozent Tetrazyklinlösung. Bei bakteriellen Superinfektionen kann eine Antibiotikagabe notwendig werden.

Morbus Behçet

Morbus Behcet ist eine relativ selten auftretende Systemerkrankung mit rezidivierenden oralen und genitalen Aphten und Ulzerationen, welche im Vollbild mit einer Iridozyklitis assoziiert ist. Es handelt sich um eine nekrotisierende Immunkomplexvaskulitis mit Hyperchemotaxis der Granulozyten. Das Ausmaß der Symptome ist stark variabel; in schweren Fällen können Arthropathien, Neuropathien und Ulzera des Gastrointestinaltrakts sowie Thrombosen, Aneurysmen und Blutungen auftreten. Eines der Kardinalsymptome ist eine schwere Stomatitis aphtosa mit multiplen sehr schmerzhaften Aphten der Mundhöhle und des Nasen-Rachen-Raumes. Die Diagnose erfolgt über die Erfassung der Kardinal- und Nebensymptome. An der Haut von Behçet-Patienten lässt sich eine unspezifische Stichkanalreaktion auslösen: Nach Injektion von Kochsalzlösung kommt es nach wenigen Tagen zu einer sterilen Pustulation. Die Therapie erfolgt hier in Abstimmung und Zusammenarbeit mit einem Dermatologen mit Glucocorticoiden.

Morbus Reiter

Das Krankheitsbild ist ein Symptomenkomplex aus einer Urethritis und/oder Balanitis, einer Konjunktivitis, einer serösen Arthritis der großen Gelenke sowie Haut- und Schleimhautveränderungen. Auf der Mundschleimhaut, bevorzugt an Wangen, Lippen und Gaumen entstehen neben plaqueartigen Läsionen auch herpetiforme Bläschen und in der Folge Geschwüre mit weißem Rand. Sie werden als Stomatitis circinata beschrieben und sind meist scharf begrenzt. M. Reiter ist eine postinfektiöse Reaktion auf Enteritis-auslösende Keime wie Shigellen, Yersinien und Chlamydien, welche bei prädisponierten Patienten (bevorzugt HLA-B-27) auftreten kann. Die Bläschen beziehungsweise die Geschwüre sind im histologischen Bild unspezifisch und zeigen eine dichte neutrophile Infiltration. Die Behandlung der oralen Läsionen erfolgt, wiederum in Absprache mit dem praktischen Arzt oder Internisten, symptomatisch und entsprechend der Therapie bei aphtösen Läsionen. Rezidive nach der Remission sind möglich.

Dermatitis herpetiformis Duhring

Dermatitis herpetiformis Duhring ist eine seltene Dermatose unklarer Ätiologie. Fokale Infekte können bei entsprechender genetischer Disposition zur Manifestation führen. Die Mundschleimhaut ist hier nur relativ selten (10 %) befallen. In solchen Fällen findet man subepitheliale in Gruppen stehende Bläschen oder Blasen. Typisch ist die hohe Empfindlichkeit der Patienten auf Halogene. Da die Erkrankung vor allem die Haut betrifft, sollte die Behandlung dem Dermatologen überlassen werden. Wichtig für den Zahnarzt ist hier vor allem, dass er über die Erkrankung informiert ist und jodhaltige Desinfektionsmittel bei den befallenen Patienten strikt vermeidet.

Gendefekte: Epidermiolysis bullosa junctionalis

Diese seltene, schwere Erkrankung manifestiert sich bereits im Säuglingsalter und soll hier, da sie für die zahnärztliche Diagnostik nicht relevant ist, nur der Vollständigkeit halber kurz erwähnt werden. Durch einen Defekt an mehreren Genen, welche für Strukturproteine der Basalmembranen und für die Verbindung von Bindegewebsfasern mit dem Epithel codieren, kommt es zu generalisierter Blasenbildung auf der Haut und den Schleimhäuten mit daraus folgenden großflächigen Erosionen und narbigen Stenosen. Bei der Epidermiolysis bullosa dystrophica treten bei den betroffenen Kindern auch schwere Zahnschmelzdefekte auf. Die Therapie der lebensbedrohlichen Erkrankung beinhaltet hohe Dosen an Glucocorticoiden und wegen der Sekundärinfekte lokale und systemische Antibiotikagaben.

Mucocele (Mucosazyste)

Sie imponiert zwar als Blase, gehört aber eigentlich zu den oralen Weichteilzysten. Sie ist meist traumatisch bedingt durch Retention oder Extravasation. Dadurch entsteht in der Submucosa eine Speichelansammlung. Die Mucocele ist häufig an der Unterlippe, am Mundboden und an der ventralen Zungenseite lokalisiert. Sie imponiert als kleine, durchscheinend bläuliche, umschriebene bläschenartige Erhabenheit, ist weich fluktuierend und schmerzlos. Durch ihre oberflächliche Lage kann sie leicht aufbrechen und kollabieren, füllt sich aber meist wieder von neuem. Die Zystenwand besteht aus komprimiertem Granulationsgewebe. Im Lumen findet man muköses Sekret und Makrophagen. Typischerweise finden sich in der Wand Strukturen von mucösen Speicheldrüsen. Die Therapie erfolgt hier durch operative Exzision durch den Zahnarzt.

 Aphten - Ulzera der Mundhöhle

Ch. Eder, L. Schuder, Zahnarzt 3/2006

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