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Zahnheilkunde 21. Februar 2006

Begeisterung im Beruf und Motivation sind machbar

Wie und wann stellt sich motiviertes Arbeiten ein und was passiert, wenn nicht – Zahn&Arzt im Gespräch mit Herrn Dr. Joachim Galuska, dem ärztlichen Direktor der Fachklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen

Tag für Tag motiviert in die Arbeit gehen und andere mitreißen, ist das in der heutigen Zeit noch realistisch?
Galuska: Absolut, wenn auch nicht einfach!

Und wie schaffe ich es als Zahnarzt, mich und meine Assistentinnen auf Dauer für die Arbeit zu begeistern?
Galuska: Indem ich mir klar darüber werde, welche Ziele ich mit der Praxis verfolge und welche meine Mitarbeiter verfolgen; und in einem zweiten Schritt kann ich dann versuchen, beide – die Praxisphilosophie und die Werte des Einzelnen – möglichst in Einklang zu bringen. Parallel dazu muss ich die Ideen, wofür die Praxis steht, ganz deutlich nach außen kommunizieren und auch ganz konsequent verfolgen. Denn nur, wer selbst als Zahnarzt und Führungskraft den Grundsätzen des Unternehmens treu bleibt und diese vorlebt, ist glaubwürdig in dem Sinne: „Walk your talk!“ – Leben, was man sagt.

Inwieweit ist Ihrer Meinung nach Geld die Hauptmotivation für die Arbeit?
Galuska: Wenn Geldverdienen die ausschließliche Hauptmotivation für die Arbeit wird, dann kommt es über kurz oder lang zu einer inneren Spaltung; der eine Teil lebt und der andere arbeitet. Das geht auf Dauer nicht gut! Denn diese Menschen sehen das Arbeiten als eine Art Technik, die man einfach abspult und irgendwann ist dann alles heruntergeleiert. Darin liegt im Extremfall auch der Grund dafür, dass manche Menschen heute gar nicht mehr das Rentenalter erreichen, vom Burn-out bedroht sind oder innerlich schon gekündigt haben.

Was ist dann die entscheidende Motivationsquelle?
Galuska: Das innere Anliegen! Jeder von uns hat das. Menschen etwa, die in helfenden Berufen tätig sind, haben meist das Bedürfnis, anderen zu helfen. Und wenn sie das nicht können oder dürfen, arbeiten sie gegen ihre innere Überzeugung und gehen ihren Aufgaben nur nach, weil sie etwa Angst haben oder sonstigen Druck verspüren. Und das kann auf Dauer nicht gut gehen. So sehe ich es als eine wesentliche Aufgabe von Führungskräften, sich selbst und anderen Bereiche zu schaffen, wo sich alle produktiv und kreativ einbringen können; also dass man Arbeiten nachgehen kann, die irgendeine Bedeutung auch für einen selbst haben.

Die persönlichen Bedürfnisse aller in den Vordergrund des Führens rücken, birgt das nicht auch erhebliche Gefahren des Missbrauchs?
Galuska: Natürlich gibt es immer Einzelne, die dieses Bemühen seitens der Führung missinterpretieren und eigene Vorteile aus dem Ganzen ziehen wollen. Sie kommen dann mit Sprüchen wie: „Wenn Sie sagen, dass ..., dann müsste doch ...“ Denen muss man dann eben klipp und klar verständlich machen, dass man als Vorgesetzter sehr wohl interessiert ist, auch dem Einzelnen entgegenzukommen, es aber trotzdem klare Grenzen gibt. Ansprüche stellen, ist die Aufgabe eines Vorgesetzten, aber sicher nicht umgekehrt.

Wie pflegen Sie konkret die Motivation Ihres Teams von 200 Mitarbeitern?
Galuska: Wir lassen unser Team am Kuchen teilhaben! Und damit meine ich nicht nur Geld, sondern vor allem kleine Zeichen der Wertschätzung. Denn brummt das ganze Haus vor lauter Arbeit, sind ­Mitarbeiter nur dann begeistert dabei, wenn auch sie etwas davon haben. Wir etwa pflegen ein konsequentes Caring-System. Eine Caring-Managerin sorgt dafür, dass beispielsweise jeder Mitarbeiter einmal im Monat eine kleine Aufmerksamkeit bekommt; sei es eine Osterüberraschung, ein netter Spruch oder einer unserer Gutscheine für Konsumationen im eigenen Haus (welche die Beschenkten auch während der Arbeitszeit nützen können). Ich zum Beispiel habe gerade vor unserem Gespräch solch einen Wellness-Gutschein eingelöst. Darüber hinaus gibt es regelmäßige Treffen und Sitzungen, gemeinsame Projekte, so genannte „Kamingespräche“, bei denen wir einfach über Gott und die Welt reden und vieles mehr.

Was ist Ihrer Meinung nach die absolute Voraussetzung, damit dieses begeisterte Miteinander überhaupt möglich wird?
Galuska: Diese auf den Menschen bezogene Unternehmensphilosophie muss tagtäglich gelebt werden. Spricht man hingegen das ganze Jahr über nie ein paar persönliche Worte miteinander, ist ­keine Basis für ein persönliches
Gespräch vorhanden; auch dann nicht, wenn es notwendig wird. Spreche ich zum Beispiel als Vorgesetzter unter solchen Rahmenbedingungen eine Mitarbeiterin auf ihr gegenwärtiges Motivationstief an, wird sie sofort skeptisch reagieren und in Verteidigung gehen. Es fehlt einfach die Basis.

Und was motiviert Sie, als Arzt und Leiter der Klinik Heiligenfeld, tagtäglich begeistert in die Arbeit zu kommen?
Galuska: Dass wir für etwas ganz Bestimmtes stehen und es auch ­leben. Wir haben uns zu einer Marke entwickelt – im Sinne: „Wir verstehen unsere Art, Patienten zu behandeln, so: ...“. Das sehen unsere Patienten so und es macht unsere Mitarbeiter stolz auf sich und ihre Arbeit. Sie wissen, wofür die Marke Heiligenfeld steht und können sich auch damit identifizieren.

Dr. A. V. Scheiderbauer, Zahnarzt 3/2006

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