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Zahnheilkunde 21. Februar 2006

Die Aussage „Null Bock!“ gibt’s nicht

„Wissen Sie, ich musste im Laufe meines Lebens einfach lernen, aus den höchstens zehn Prozent Erfolgserlebnissen, die ich am Tag habe, so viel innere Kraft zu schöpfen, dass ich die 90 Prozent Mist, die täglich passieren, ertragen kann“, so ein Topmanagement-Consultant, der im deutschsprachigen Raum lange Zeit an der Spitze eines der größten Unternehmen stand, über sein ganz persönliches Motivationskonzept.

Und die Liste mit den Tipps zur eigenen Motivation ließe sich noch lange weiterführen: angefangen bei einfacher Gymnastik über transzendentale Meditation bis hin zu der Empfehlung, immer einen Spickzettel mit „Ich schaffe es!“ in der Hosentasche zu haben usw. Doch in einer Zahnarztpraxis, in der man als Behandler auf die Unterstützung seines Teams und die Mitarbeit der Patienten angewiesen ist, geht es viel öfter darum, in erster Linie diese aktiv und erfolgreich zu motivieren.

Drei Schritte zu mehr Motivation im Praxisalltag

1. Schritt: „Jeder Mensch hat das Bedürfnis, zu einem größeren Ganzen beitragen zu können!“ Und wenn er sich dessen bewusst ist, was sein ganz persönlicher Beitrag zum Ganzen ist, macht er begeistert mit. Wie Carlzon es auch an seinem berühmten Beispiel aufzeigt: „Ein Mann kommt an einem Steinbruch vorbei. In diesem Steinbruch sind Menschen mit der eintönigsten Arbeit beschäftigt, die es überhaupt gibt: mit dem Steineklopfen. Dementsprechend lang sind natürlich ihre Gesichter und genauso lustlos klopfen sie vor sich hin. Einer unter ihnen aber klopft schneller, ja fast mit Spaß. Und diesen einen fragt er, was er denn macht. Er antwortet: Ich helfe hier mit, eine Kathedrale zu bauen!“

2. Schritt: „Ergebnisse sollen Freude machen!“ – das treibt voran. Aber die Forderung unserer „Freizeitgesellschaft“ nach unaufhörlichem Spaß lässt uns erwarten, dass Arbeit nur Spaß machen muss. Unwiderlegbar gibt es aber bei jeder Arbeit auch Aspekte, die keinem der Beteiligten Spaß machen; so etwa die Unterfütterung einer alten Prothese, die x-te Wurzelfüllung usw. Aber selbst dort, wo es nicht immer oder nur sehr schwer möglich ist, Freude an der Arbeit zu empfinden, ist es denkbar, dass die Motivation kommt, wenn man den Blick auf das Ergebnis lenkt. Denn das Resultat, dass eine besser sitzenden Prothese mehr Lebensqualität bedeutet oder der Zahn nun länger erhalten bleibt, kann sehr wohl eine gewisse Befriedigung erzeugen.

3. Schritt: „Stärken richten auf!“ Motivierte Spitzenleistungen an einem „ganz normalen Praxisalltag“ liegen einzig in den Stärken der Einzelnen verborgen. Insofern ist bereits bei der Auswahl des Praxis­­teams darauf zu achten, dass das Team beziehungsweise die Assistentin vor allem dort Stärken hat, wo man selbst oder die anderen Mitarbeiterinnen weniger gut ist; sei es etwa Small Talk, bestimmte technische Arbeiten oder die Abrechnung. Denn wenn es gelingt, jedem Praxismitglied vor allem jene Aufgaben zu übertragen, die es besonders gut kann, ist es in seiner Begeisterungsfähigkeit sogar ansteckend und das „leidige“ Motivationsproblem löst sich von selbst.

Dr. A. V. Scheiderbauer, Zahnarzt 3/2006

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