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Zahnheilkunde 17. Februar 2006

Induzierte Psychose: Streichung aus der Ärzteliste

Der Beschwerde einer Zahnärztin, der die Österreichische Ärztekammer die Berufsberechtigung entzogen hatte, wurde stattgegeben

Eine Streichung der Zahnärztin aus der Ärzteliste wurde durchgeführt. Grund dafür waren Patientenbeschwerden und die Tatsache, dass die Ärztin zu zwei behördlich festgesetzten Untersuchungsterminen nicht erschienen ist. Der beauftragte gerichtlich beeidete Sachverständige für Psychiatrie und Neurologie hat in seinem Gutachten ausgeführt, dass die Zahnärztin an induzierter Psychose leide. Sie übe ihre berufliche Tätigkeit durch eine wahnhafte Heilungsidee aus. In Bezug auf verbindliche medizinische Prozeduren sei ihre Realitätskontrolle nicht mehr gegeben. Sie sei aus gesundheitlichen Gründen nicht geeignet, den ärztlichen Beruf ohne Risiko für die zu behandelnden Patienten auszuüben.

Karmabestimmung und Geisterbeschwörung

Beispielsweise hat sie ihre Patienten dahingehend informiert, dass eine Prothese infolge „schlechten Karmas“ etwa ein Jahr lang von einem Zahntechniker nicht habe repariert werden können. In einem anderen Schreiben hat sie behauptet, dass die Patientin in ihrem Vorleben eine Rachegöttin gewesen sei, die Karma gegen einen Zahntechniker gehabt habe. Als Ursache hat sie die Ermordung des Zahntechnikers durch die Patientin in einem früheren Leben genannt. Im Falle einer minderjährigen Patientin hat der Ehegatte der Ärztin während der Zahnbehandlung mittels „Geisterbeschwörung“ beziehungsweise eines „spirituellen Ritus“ Einfluss auf das Kind zu nehmen versucht. Trotz Aufforderung der Mutter dieser Patientin, dies zu unterbinden, hat er diese Handlungen beim nächsten Behandlungstermin wiederholt. Etliche derartige Fälle sind dokumentiert. Der Entzug der Berufsberechtigung wurde damit begründet, dass die Ärztin quasi in einem wahnhaften Gebäude mit „überwertigen“ Ideen der Heilung lebe. Die Zahnärztin verteidigte sich dagegen mit der Begründung, dass sie zusätzlich (kostenlos) ihre Meinung zur Entstehungsgeschichte der Krankheiten oder der aufgetretenen zahnmedizinischen Schwierigkeiten mitgeteilt habe, denn sie wollte so auf die Patienten einwirken, dass sie mehr in sich gehen und die tieferen Ursachen von Erkrankungen und Gesundheitsstörungen erkennen.

Erfordernisse zur Berufsausübung

Dazu der VwGH: Erfordernisse zur Berufsausübung sind u. a. die Vertrauenswürdigkeit und die gesundheitliche Eignung. Der Nachweis der gesundheitlichen Eignung ist durch ein ärztliches Zeugnis zu erbringen. Der Nachweis der Vertrauenswürdigkeit ist durch eine Strafregisterbescheinigung zu erbringen, in der keine Verurteilung aufscheint, die eine verlässliche Berufsausübung nicht erwarten lässt. Vertrauenswürdigkeit bedeutet das Sich-verlassen-Können darauf, dass ein Arzt bei Ausübung des ärztlichen Berufes den Berufspflichten nach jeder Richtung entspricht. Daraus ergibt sich, dass nicht nur strafbare Handlungen, sondern auch bestimmte Berufspflichtverletzungen strafbaren Handlungen vergleichbar sind und den Verlust der Vertrauenswürdigkeit nach sich ziehen können. Aufgrund der immensen Auswirkungen einer Streichung aus der Ärzteliste ist in jedem Einzelfall zu prüfen, ob der betreffende Arzt überhaupt eine Verletzung von Berufspflichten begangen hat. Weiters ist unter Berücksichtigung eines allfälligen seitherigen Wohlverhaltens zu bewerten, ob diese Pflichtverletzung derart erheblich ist, dass eine weitere Bejahung der Vertrauenswürdigkeit ausgeschlossen werden muss. Das Höchstgericht gab der Beschwerde der Zahnärztin daher aus formellen Gründen Recht und hob die Streichung aus der Ärzteliste auf, weil die Erheblichkeit der Berufspflichtverletzungen nicht genau begründet wurde. Es sind vor einer endgültigen Entscheidung daher ausreichende Ermittlungsergebnisse einzuholen – und zwar sowohl zur gesundheitlichen Eignung der Ärztin (fachärztliches Gegengutachten) als auch zu Schwere und Auswirkung der vorliegenden Berufspflichtverletzungen.

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