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Zahnheilkunde 30. Jänner 2006

Selbstmord mit Messer und Gabel?

Das Einzige was zählt, ist das ganz persönliche Wohlfühlgewicht

Der Verkauf von Diätprodukten steigt alle Jahre beträchtlich. Besonders die „neuen“ Diäten boomen. Und trotzdem gibt es für die meisten der zahlreichen Diätwilligen nach einiger Zeit eine herbe Enttäuschung. Was mit der übergroßen Hoffnung auf die Traumfigur begonnen hat, endet oftmals mit Frustration und dem Gefühl der Unfähigkeit, etwas durchzuhalten. Die Motivation zur Gewichtsreduktion sollte vom persönlichen Wohlbefinden bestimmt werden und nicht von magersüchtigen Models, die bisweilen nicht älter als zwölf Jahre alt sind.
Angesichts der permanenten Vorführung von „idealgewichtigen“ Menschen, ist es mittlerweile selbst für so genannte „Normalgewichtige“ schwer, diesem Druck standzuhalten. Was auch immer Sie über „Normalgewicht“ oder „Idealgewicht“ gehört haben, vergessen Sie es am besten. Was zählt, ist Ihr ganz persönliches „Wohlfühlgewicht“. Und was ändert sich dann eigentlich, wenn man mühsam sein Traumbild erreicht hat? Ist man erfolgreicher in der Liebe oder im Beruf? Ist man glücklicher? Hat nur mehr unser Äußeres Bedeutung? Die Sucht nach einem perfekten Körper entwickelt sich mehr und mehr zu einer Massenobsession.

Hoher Druck durch ­Werbung

Schönheit ist in unserer Gesellschaft zu einem wichtigen Faktor geworden. Dafür wird mittlerweile fast jeder Preis bezahlt. Jährlich werden tausende Schönheitsoperationen durchgeführt und zur Animation der angeblich „noch Häss­lichen“ sogar im Fernsehen übertragen. Fitnesseinrichtungen, Kosmetikprodukte und Diäten boomen. Wellnesstempel bieten ärztlich kontrollierte Entschlackungs- und Fastenkuren im Schnellverfahren an. Uralte Therapieformen werden als neue Schönheitsrezepte teuer verkauft. In einem schlanken Körper wohnt ein schöner Geist. Oder war das doch anders?
Wir sollten auch einmal daran denken, mental zu fasten, denn es gab noch nie so viele psychische Erkrankungen, die meiner Ansicht nach mit einer nie da gewesenen Reizüberflutung zusammenhängen und dem unglaublichen Druck, den gestylten Idealvorbildern zu entsprechen. Die Werbung hat uns fest im Griff und wir erliegen ihr mehr oder weniger alle. Es ist halt verdammt hart, der Schönste zu sein.
„Ich habe mein Idealgewicht noch nicht erreicht.“ Dieser Satz ist oft zu hören. Der Zeitgeistlos verlangt aber einen schlanken Körper, der noch dazu durchtrainiert, muskulös und, nicht zu vergessen, dunkelbraun sein muss. Der erste Schritt, dies zu erreichen, ist eine der unzähligen Diäten, der zweite, man joggt sich forever young, der dritte man gibt sich der natürlichen oder künstlichen Sonne hin und dann entspricht man ganz dem heutigen Schönheitsideal. Auch die „Generation 50 plus“ wird nicht verschont, gut konservierte Modelle zeigen uns auch hier vor, so muss man sein. Im Prinzip ist ja dagegen auch nichts zu sagen, noch dazu ist das alles doch sehr gesund und die Angst vorm Herzinfarkt ist ja sowieso groß. Da nimmt man schon auch ein paar Magersüchtige in Kauf, die sind ja sowieso selber schuld, die haben das Ganze halt zu ernst genommen.

Von Rückschlägen nicht entmutigen lassen

Ich will Sie in Ihren Vorsätzen und Ihrem guten Willen abzunehmen keinesfalls demotivieren. Beachten Sie aber einige Grundregeln für ein erfolgreiches Gelingen. Besonders wichtig für das gewünschte Ergebnis der guten Vorsätze ist, dass Sie nicht nur vorhaben, etwas unterlassen zu wollen, sondern vor allem daran denken, was Sie stattdessen tun werden. Wie gehen Sie mit dem Hungergefühl um, das während einer Diät bekanntlich ­besonders stark ist? Oder wenn Sie sich das Rauchen abgewöhnen wollen oder müssen, weil Sie zu dick sind, was tun Sie zum Beispiel mit den Fingern, wenn die Zigarette fehlt? Lassen Sie sich aber auf keinen Fall von Rückschlägen entmutigen, wenn Sie Ihr Vorhaben nicht immer konsequent durchhalten können. Ihre Diätpläne sind nicht gleich zum Scheitern verurteilt, nur weil Sie einmal der Heißhunger übermannt hat und die eine Genusszigarette zu einer Tasse Kaffee ist auch noch kein Garant für einen Herzinfarkt. Selbstmord mit Messer und Gabel ist die eine Seite, Magersucht die andere, und dazwischen gibt es sehr viele leckere Möglichkeiten für ein gesundes Leben – denken Sie an den lächelnden Buddha und hören Sie bitte mehr auf sich und ihren knurrenden Magen.

Dr. Andreas Kienzl, Zahnarzt 10/2005

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