zur Navigation zum Inhalt
 
Zahnheilkunde 30. Jänner 2006

Arbeiten nur des Geldes wegen?

Wer vollen Einsatz von seinen Mitarbeitern wünscht, muss mehr als „nur“ Geld bieten

Für einen Zahnarzt, der von seinem Team Leistung und Produktivität erwartet, gilt es als Erstes herauszufinden, was den Einzelnen „in Bewegung setzt“. Denn Entlohnung ist heute nicht mehr der alleinig entscheidende Motivationsfaktor, der Zufriedenheit und Leistung ankurbelt.

Jobwechsel trotz Einbußen

Eine Laborassistentin zum Beispiel bemüht sich jahrelang, ihre Arbeit gut und präzise zu verrichten, was ihr auch gelingt. So ist die Stelle inzwischen sehr gut bezahlt und sie hat auch ein gutes Auskommen mit dem Chef. – Und doch reizt es sie, sich auf eine Stellenanzeige eines Zahnarztes als Anlernling zu bewerben. Dafür nimmt sie sogar in Kauf, das wenn sie genommen wird, sie wieder ins Elternhaus zurückziehen und ihr Auto verkaufen muss. Als sie dann die Ausbildungsstelle angeboten bekommt, nimmt sie diese trotz allen Einbußen gerne an. Die neue Arbeit macht ihr Freude, obwohl sie in den ersten Jahren weit weniger verdienen wird als in ihrem alten Beruf. Insofern stellt sich gerade in solch einem Fall die Frage, was Menschen antreibt, sich so zu entscheiden. Herzberg macht hierfür die so genannten „Zufriedenmacher“, auch intrinsische Faktoren genannt, und die so genannten „Unzufriedenmacher“, auch als extrinsische Faktoren bekannt, verantwortlich. Geld als treibender Faktor etwa wird als wichtigstes extrinsisches Arbeitsmotiv angeführt. Wesentlich hierbei ist, dass es den Arbeitnehmer nicht kontinuierlich zu Höchstleistungen anspornt, ihn aber sehr wohl demotiviert, wenn er mit der Entlohnung nicht zufrieden ist. Denn die Gesellschaft, in der wir heute leben, ist durch einen relativen Wohlstand gekennzeichnet. Und dieser bringt es mit sich, dass Arbeitnehmer heute neben finanzieller Entschädigung auch andere Motive als gleich wichtig und teilweise als noch wichtiger empfinden, wie etwa das Betriebsklima, die Beziehung zum Zahnarzt als Arbeitgeber und die Sicherheit des Arbeitsplatzes. Letzteres hat gerade in Zeiten ständig steigender Arbeitslosenzahlen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Hört zum Beispiel eine Zahnarzt­assistentin eine Kollegin auch nur die Vermutung äußern, dass aufgrund stagnierender beziehungsweise sinkender Patientenzahlen der Zahnarzt sich höchstwahrscheinlich von einer der Mitarbeiterinnen verabschieden wird, kann dies ausreichen, ihre Arbeitsmotivation merklich sinken zu lassen. Potenzielle „Zufriedenmacher“ hingegen wirken, wenn sie vorhanden sind, äußerst motivierend. Nach Herzberg handelt es sich vor allem bei Anerkennung, Verantwortung, Erfolgserlebnissen u. Ä. um erstrangige Faktoren, welche die Zufriedenheit mit der Arbeit an sich und dem Arbeitsplatz deutlich verstärken. Insofern ist es für beide Seiten, sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber, nützlich, wenn diesen im Praxisalltag bewusst Platz gemacht wird. Müssen Anforderungen dem Können entsprechen? Zwischen­menschliche Beziehungen nehmen gerade im medizinischen Bereich einen wichtigen Platz ein und spielen auch auf der Teamebene eine wichtige Rolle. Befragungen lassen zudem den Schluss zu, dass MitarbeiterInnen mit ihrer Arbeit zufriedener sind, wenn sie den Anforderungen des Arztes entsprechen können. Demnach steigt die Arbeitsfreude und damit auch die Qualität des Praxisklimas, wenn man als Zahnarzt, vor allem das von seinen MitarbeiterInnen einfordert, von dem man auch weiß, dass sie es können.

Fort- und Weiterbildung gewünscht

Beispielsweise wird der Anforderung an die Assistentin, den Patienten am Behandlungsstuhl zu unterhalten, nur dann zu beidseitiger Zufriedenheit entsprochen werden, wenn die Mitarbeiterin die Techniken eines aktiven Gesprächseinstieges auch beherrscht. Natürlich gibt es Menschen, denen es leicht fällt, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Viel öfter aber trifft man auf Assistentinnen, die aufgrund unterschiedlichster Ängste sich lieber hinter dem Rücken des Patienten „verstecken“ als sich mit ihm auseinander zu setzen; weil sie eben nicht wissen, worüber sie mit einem Patienten reden sollen, der möglicherweise um zwei bis drei Jahrzehnte älter ist als sie selbst. Auch wollen sie nicht Gefahr laufen, auf mögliche Fragen seinerseits keine Antwort zu haben oder sich sonst irgendwie bloßzustellen usw. Insofern wünschen sich viele von den ZahnarzthelferInnen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, wo sie etwa praxisbezogen das Zugehen auf Patienten erlernen können. Diese zwischenmenschlichen Beziehungen, denen gerade auf medizinischem Terrain ein wichtiger Platz zugesprochen wird, spielen auch auf der Teamebene eine wichtige Rolle. So wünschen sich einige der Befragten auch im Praxisalltag eine intensivere Teamarbeit und mehr gegenseitigen Respekt. Auch ohne dass sie ihre derzeitige Situation als belastend empfinden, würde die Mehrzahl verbesserte soziale Kontakte in der Gruppe begrüßen. Hier kann man sich als Praxisinhaber und Chef überlegen, ob ausreichend Möglichkeiten als auch Gelegenheiten gegeben sind, um zu einem funktionierenden Team zusammenzuwachsen. Denn Erlebnisse, wie etwa eine Gletscherwanderung, ein Hüttenabend, eine Rafting Tour etc., schweißen das Team einerseits auf der Gefühlsebene zusammen und verstärken andererseits das gegenseitige Vertrauen. Aber bereits der monatliche Frühstückstisch, das gemeinsame Wahrnehmen von Verantwortungen, das gegenseitige Unterstützen bei diversen Arbeiten u. Ä. können das Gefühl der Zusammengehörigkeit und gegenseitiger Anerkennung merklich verstärken. Ebenso stehen die gute Beziehung zum Zahnarzt als Arbeitgeber und die Arbeitszufriedenheit in einem nachweislichen direkten positiven Zusammenhang zueinander. Umfrageergebnisse zeigen, dass MitarbeiterInnen, die in positiver Arbeitsbeziehung zu ihren Vorgesetzten stehen, auch mehr emotionales Engagement einbringen: Sie scheinen ihre Arbeit mit Interesse zu verrichten und beurteilen auch ihr Verhältnis zu Patienten und restlichem Praxisteam als gut. Gleichzeitig empfinden sie die Arbeitsbelastung vergleichsweise niedriger als KollegInnen mit negativer Beziehung zum Chef.

Lob und Anerkennung motivieren

Lob und Anerkennung seitens des Zahnarztes wirken hier beflügelnd. Noch mehr Wirkung zeigt ein Feedback allerdings, egal ob positiv oder negativ, wenn es konkret und nicht generell gehalten ist, wie zum Beispiel: „Mit der Beschwerde vom Patienten XY, der bei jeder Behandlung etwas auszusetzen hat, sind sie heute wirklich sehr professionell umgegangen.“ Oder: „Bitte legen Sie künftig auch die neuen Gipsmodelle nicht mehr auf den Tray, sondern auf den Verbau hinter dem Patienten. Dann kann ich situationsbedingt selbst entscheiden, ob ich ihm seine Situation anhand der Modelle oder einer Zeichnung erkläre.“ Denn die explizite Wertschätzung und klare Anweisungen als auch konkrete Richtigstellungen spielen für die Helferin in Bezug auf ihre Arbeitszufriedenheit sowie Leistungsbereitschaft eine große Rolle. So gesehen, eignen sich anonyme Mitarbeiterbefragungen auch in der eigenen Zahnarztpraxis hervorragend, um den Nerv der Leistungsbereitschaft der eigenen Praxismitarbeiter zu entdecken. Denn nur wer diesen trifft, kann sie auch für Leistung begeistern.

Dr. A. V. Scheiderbauer, Zahnarzt 6/2005

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben