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Zahnheilkunde 26. Jänner 2006

Zentrum für Interdisziplinäre Zahnheilkunde: Fort- und Weiterbildung mit hohem Niveau

Die Donauuniversität Krems boomt und hat bereits mehrere Außenstellen im In- und Ausland

Seit 1997 ist das Zentrum für Interdisziplinäre Zahnheilkunde an der Donau-Universität Krems fixer Bestandteil des Angebots. Das Interesse wächst und wächst. Derzeit sind bereits mehr als 500 Studierende am Zentrum inskribiert. Ein Teil von ihnen absolviert den Lehrgang „Dental Sciences“, der überwiegend in Krems abgehalten wird. Das Master-Studium besteht aus zwei Etappen: dem Kerncurriculum (Funktionen und Dysfunktionen des Kauorgans) sowie einem Vertiefungsfach.
Derzeit kann aus drei Vertiefungsfächern gewählt werden:

  • Kieferorthopädie beim funktionsgestörten Kauorgan
  • Implantatprothetik
  • Therapie des funktionsgestörten Kauorgans

Master of Science

Wer Kerncurriculum und Vertiefungsfach abschließt, erwirbt den internationalen akademischen Grad „Master of Science“ (MSc). Man kann aber auch nur das Kerncurriculum oder nur ein Vertiefungsfach absolvieren (wenn man etwa nur an einer ganz speziellen Technik interessiert ist) und bekommt dann den Abschluss „Akademischer Experte“ bzw. ein Abschlussprüfungszeugnis. Insgesamt liegt der Schwer­punkt in der Praxis, während des Studiums müssen zehn komplexe Patientenfälle mit großen Versorgungen dokumentiert werden, sie können aus dem eigenen Patientengut, bei den Studenten, die schon eine Praxis haben, stammen, oder werden von der Donauuni gebracht, jedenfalls werden sie unter Aufsicht und Kontrolle versorgt. Die Leitung des Zentrums obliegt Prof. MR Dr. Rudolf Slavicek, zu seinem ständigen Team gehören Dr. Ken Tajima, Wissenschaflicher Mitarbeiter des Zent­rums für Interdisziplinäre Zahn­heilkunde, Ass. Prof. Dr. Rudolf ­Fürhauser, Lehrgangsleiter „Implantatprothe­tik“ und Prof. Sadao Sato D.D.S, D.D.Sc, Lehrgangsleiter „Kieferorthopädie“.

Berufsbegleitendes Studium

Die Ausbildung ist so konzipiert, dass sie neben der hauptberuflichen Tätigkeit absolviert werden kann. Die einzelnen Kurse werden in Modulen blockweise durchgenommen, das lehrende Team setzt sich aus Spezialisten der Zahnheilkunde, HNO, Logopädie, Orofaziale Chirurgie, Innere Medizin, Physikalische Medizin, Psychiatrie, Psychologie, Neurologie, Zahntechnik sowie der Radiologie und Imagetechnik zusammen. Die Teilnehmer kommen aus ganz Europa, sind zwischen 25 und 50 Jahren alt und das Männer-Frauenverhältnis hält sich laut Slavicek so ziemlich die Waage. Zielgruppe sind Zahnärzte und Spezialisten, für Zahntechniker gibt es ein eigenes Programm. Was ist die Motivation für einen fertigen Zahnarzt noch zusätzlich so eine mit immerhin rund 2.300,– Euro nicht gerade billige Ausbildung anzuschließen? Dazu Prof. Slavicek: „Das Hauptmotiv ist Sicherheit. Unsere Ausbildung ist eine grundlegende, fundierte, theoretische und praktische Ausbildung, man lernt dabei richtig zu dokumentieren und hat intensiv die Möglichkeit, sein praktisches Können unter Aufsicht zu vertiefen“. Ein Semester besteht aus sechs Modulen zu jeweils fünf Tagen in Krems, insgesamt also zwölf Module mit 60 „Einrücktagen“. Pro Modul werden maximal 20 Teilnehmer genommen, es soll kein Massenbetrieb sein, die persönliche Betreuung ist wesentlich. Einige Module werden auch im Institut von Prof. Slavicek im Wiener Rudolfinerhaus abgehalten. Außerdem gibt es Kooperationen und Masterlehrgänge in folgenden Ländern:

  •  Japan: Kanagawa Dental College
  •  USA: Tufts University, Boston
  •  Italien: Dentag Italia, Terlan
  •  Deutschland: Janzen – Praxis, Seminare, Diagnostikzentrum, Praxismanagement, Versmold.
  •  Aber auch in Portugal, Kanada und China werden fallweise Lehrgänge abgehalten.

MSc-Lehrgänge auch in Bonn etabliert

Parallel zu Krems wurden vor einiger Zeit unter dem Namen der Donauuni und unter der Verantwortung von Prof. Slavicek MSc-Lehrgänge auch in Bonn etabliert. Jürgen Pischel, Herausgeber der DZW, Deutsche Zahnarzt Woche, ist die Kooperation mit Krems eingegangen und hat die „Postgradualen Universitätsstudien für Heilberufe“, kurz PUSH, ins Leben gerufen. Das Angebot ist auf den deutschen Markt zugeschnitten, kann aber natürlich auch von Österreichern wahrgenommen werden. Unterschied zu Krems: Die Lehrgänge zum „Master of Science“ (MSc) können nur gesamt absolviert werden, eine Trennung in Kerncurriculum und Vertiefung gibt es nicht. Teile des österreichischen Kerncurriculums fließen in die Lehrgänge in Deutschland ein, daher unterrichten teilweise auch die österreichischen Dozenten in Bonn.
Die deutschen Dozenten sind Prof. Dr. Gisbert Krekeler, Leiter der Sektion Parodontologie, Universität Freiburg, Wissenschaftliche Leitung postgradualer Universitätslehrgang „Implantologie“ für Zahnärzte, Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter E. Lange, Universität Münster, Wissenschaftliche Leitung „Parodontologie“ für Zahnärzte 1, Prof. Dr. Walter Lückerath, Kursleitung Zahn-Mund-Kieferheilkunde, Universität Bonn, Wissenschaftliche Leitung „Prothetik und Funktion“ für Zahnärzte, Prof. Dr. Dieter Müßig, Leiter der Poliklinik für Kieferorthopädie Universität Regensburg, Wissenschaftliche Leitung „Kieferorthopädie“, Prof. Dr. Peter Raetzke, Frankfurt, Wissenschaftliche Leitung „Parodontologie“ für Zahnärzte 2 und 3, Prof. Dr. Dr. Rainer Schmelzeisen, Universität Freiburg, Wissenschaftliche Leitung „Oralchirurgie“ und Priv.-Doz. Dr. Michael Stelzel, Universität Marburg, Wissenschaftliche Leitung „Parodontologie“ für Zahnärzte 4.

Erweiterung und Vertiefung des Wissens

Warum ist eine postgraduale Ausbildung so wichtig? Prof. Slavicek: „Nach der Grundausbildung zum Zahnarzt besteht noch immer ein Wissensmanko, vor allem in der praktischen Arbeit gibt es viele Unsicherheiten. Aber auch nach zehn Praxisjahren tauchen ganz spezifische Fragen auf. Das Inte­resse und die Spezialisierung haben sich verlagert, der individuelle Wissenszuwachs der wissenschaftlichen Entwicklungen ist nicht mehr ausreichend. Die Patienten aber fordern – nicht zuletzt durch die geänderten Altersstrukturen – immer mehr, sie stellen Fragen und wollen umfangreich aufgeklärt werden. Unsere Kernkompetenz ist daher die Ergänzung und Erneuerung des Wissensstandes für die Universalisten, die Erziehung zur Wissenschaftlichkeit über gezieltes Lesen der Fachliteratur und durch Dokumentation am Patienten, die Anleitung zur wissenschaftlichen Dokumentation mittels Masterthese und die Erziehung zur kommunikativen Teamarbeit und kollegialer Diskussionskultur. Wir wollen damit die Todsünden der Lehre vermeiden, nämlich die Überbetonung tradierten Wissens, die Überbetonung seichter Wissenschaftlichkeit, die Vernachlässigung des Handwerkes, der Mangel an direkter Unterweisung, mangelnder gegenseitiger Kontakt der Lehrenden, fehlende Gesamtschau für die Studierenden, keine Erziehung zur Ökonomie und mangelhafte gegenseitige Qualitätskontrolle.“ Im Herbst starten vier neue Lehrgänge, in Krems, in Italien, in Bonn und in Lissabon. Nähere Infos dazu gibt es direkt in Krems bei Mag. Karin Galli: 02732/893-2681 oder unter www.donau-uni.ac.at/zahn. Aktuelle Infos zu den Lehrgängen in Bonn finden Sie unter www.duk-push.de.

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