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Zahnheilkunde 24. Jänner 2006

Diagnose Krebs – Was Partner tun können

Familienangehörige, Lebenspartner, Freunde und Bekannte werden im Falle einer schweren Erkrankung fast ebenso aus der Bahn geworfen, man kann sagen, in einem Ausmaß, als wären sie selbst betroffen. Ich bin mir nicht sicher was härter zu ertragen ist: Selbst an Krebs zu erkranken oder einem lieben Menschen dabei zusehen zu müssen – besonders wenn es sich um einen so nahe stehenden Menschen wie das eigene Kind, den Lebenspartner oder einen Elternteil handelt. Ein Grund, warum es den meisten Angehörigen schlecht geht, ist die Angst, den Menschen, den sie lieben, zu verlieren.

Fehlen von Erfahrungen

Beim ersten Auftreten von ­Symp­tomen sind es oft nahe stehende Menschen, die die Betroffenen dazu bewegen, zum Arzt zu gehen. Wenn dann eine Diagnose feststeht, haben sie nicht nur die Sorge und Angst, sondern vor allem auch die Unsicherheit, was da auf sie zukommt. Und dazu kommen das schlimme Gefühl der Hilflosigkeit, der Untätigkeit, die Fragen „Was mache ich falsch?“, „Was mache ich richtig?“. Diese Fragen stellen sich tatsächlich zu Recht, denn vielen Menschen fehlt es an der notwendigen Erfahrung, wie man den emotionalen Veränderungen des Kranken begegnen soll. Ein weiterer Faktor im Zuge einer solchen Situation ist es, wie man seine eigenen Gefühle diesbezüglich wahrnimmt, sie erkennt und sich auch darauf einstellen kann. Patienten und Angehörige fühlen sich der Krankheit im wahrsten Sinn des Wortes ausgeliefert, sie bestimmt den Tagesablauf, das Denken, das ganze Leben. Und ­Humor ist in diesem Zusammenhang schon gar nicht angebracht, denken die meisten, nicht wissend, dass er gerade dann eine der größten Hilfen sein kann.

Gefühl der Hilflosigkeit

Ebenso wird das Gefühl der Hilflosigkeit das „Nichts-dagegen-tun Können“ als unerträglich empfunden. Dies führt nicht selten zu einem Aktivitätszwang in der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten. Bis zu einem gewissen Grad macht dieser Einsatz Sinn, allerdings übersehen manche in ihrem Eifer die Wünsche und Grenzen des Patienten. So wie in folgender Geschichte: „Wach auf, Josef“, sagte die Ehefrau und rüttelte ihren tief schlafenden Mann. „Was ist los? Ist was passiert?“ fragte der Aufgeschreckte verstört. „Nichts! Ich habe nur vergessen, dir deine Schlaftabletten zu geben.“
Es erfordert viel Geduld, Einfühlungsvermögen und Selbstdisziplin, um jemanden während einer schweren Krankheit zu begleiten. Ruhepausen und Rücksichtnahme auf die eigenen Bedürfnisse sind Voraussetzung für diese Leistung. Gemeinsames Lachen kann wunderbar für Entspannung und Unterbrechung der Belastung sorgen. „Eine humorvolle Lebenseinstellung wirkt sozusagen wie ein Schwimmgürtel auf dem Strom des Lebens“ (Wilhelm Raabe).
Glauben Sie mir, es braucht keine bestimmten Worte oder Taten. Wenn einem die Worte fehlen, und das tun sie oft, ein Händedruck, eine Umarmung sagen alles. Der Angehörige kann dem Patienten die Erkrankung nicht abnehmen, aber er kann helfen, sie leichter zu ertragen.

  • Denken Sie vor allem auch realistisch über die eigene Belastbarkeit nach.
  • Suchen Sie gemeinsam die veränderte Lebenssituation möglichst normal zu gestalten.
  • Sie möchten helfen, aber sich nicht aufdrängen. Fragen Sie ganz einfach: Was kann ich für dich tun?
  • Reden Sie über Themen wie Schuldgefühle, Offenheit, Verschwiegenheit.
  • Besprechen Sie Konflikt­situationen und suchen Sie nach Lösungsmöglichkeiten. Auch wenn nicht jedes Gespräch gelingt, versuchen Sie es immer wieder.
  • Nehmen Sie Hilfsangebote zur Erleichterung in der Pflege an.
  • Eine humorvolle Kommunika­tion kann eine große Hilfe im Umgang mit Patienten sein.

Dr. Andreas Kienzl, Zahnarzt 1/2006

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