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Am Schweinekiefer übt sich, wer ein Meister werden will.

Endodontie in stilvollem Ambiente: der Vortragssaal im Palais Ferstel

 
Zahnheilkunde 30. Jänner 2017

Innere Werte im Brennpunkt

Kongress.Anfang Dezember vergangenen Jahres drehte sich im Palais Ferstel in Wien drei Tage lang alles um Wurzel, Wurzelkanal und Pulpa. Ein Nachbericht des vierten internationalen Kongresses der Österreichischen Gesellschaft für Endodontie.

Schon am ersten Tag des Kongresses fanden drei ausgebuchten Workshops statt. Ivoclar Vivadent stellte ihre hoch funktionellen Räumlichkeiten im Wiener „Tech Gate“ zur Verfügung. Dass Endodontie und Chirurgie sehr nahe aneinander liegen, erklärte Prof. Dr. Christof Pertl aus dem Privatinstitut für zahnmedizinische Fortbildung in Graz, der Referent des Workshops über das Thema „Wurzelspitzenresektion und retrograde Apexversiegelung“.

Nach einer umfangreichen dreiviertelstündigen Präsentation hatten alle Teilnehmer die Möglichkeit, ihre manuellen Fähigkeiten am Schweinkiefer praktisch zu erproben. „Ein Implantat ersetzt nicht einen Zahn, sondern eine Zahnlücke“, stellte Pertl klar. Daher sollte man im Rahmen des endochirurgischen Eingriffs versuchen, einen Zahn zu retten. Allerdings ist die Erfolgsrate bei parodontologisch erkrankten Zähnen, Zähnen im Seitzahnbereich sowie Zähnen mit erhöhtem Mobilitätsgrad deutlich geringer.

Auf dem gleichen Stockwerk, nur ein paar Seminarräume weiter, fand gleichzeitig der zweite Workshop statt. Prof. Dr. Zivi Metzger, ehemaliger Vorsitzender der Israelischen Gesellschaft für Endodontologie und Prof. an der Universitätszahnklinik in Tel Aviv präsentierte ein neues „self adjusting file system“ (SAF). Bei den SAF-Feilen handelt es sich um ein maschinelles System zur Instrumentierung des Wurzelkanalsystems. Was dieses System so besonders macht, ist allerdings die Form und Elastizität der Feilen, die einem „Endoskelett“ ähneln. SAF Feilen nehmen die Form des Wurzelkanals auf und tragen nur das weiche bakteriös veränderte Dentin ab. Zur Erinnerung: Alle anderen Systeme geben dem Wurzelkanal eine neue Form. Die hohe Elastizität ermöglicht einer SAF Feile die Aufbereitung nicht nur runder, sondern auch ovaler Kanäle. Am Nachmittag ging es weiter mit einem dritten Workshop zum Thema „Arbeiten unter dem OP-Mikroskop: mehr Sicht, mehr Licht, mehr Komfort“ sowie mit einem interaktiven Seminar über das Thema „digitale 3D Befundung und Diagnostik“.

Endo-Zirkeltraining

Am zweiten Tag des Kongresses übersiedelten die Teilnehmer ins berühmte Palais Ferstel. Das ehrenwerte Gebäude befindet sich im historischen Zentrum Wiens, blickt auf eine 140-jährige Geschichte zurück und bot einen eleganten und stilvollen Rahmen für den Kongress. Ebenso elegant präsentierte sich das Zirkeltraining – ein in Österreich neues Konzept, das in kurzer Zeit einen Durchlauf mehrerer Stationen mit endodontischen Geräten und Systemen ermöglicht. Insgesamt gab es sieben verschiedene Stationen – sprich, sieben verschiedene Endo-Systeme, die am häufigsten verwendet werden. Auf jeder Station trainierten bis zu zehn Zahnärzte, die sich nach dreißig Minuten abwechselten. Laut den Teilnehmern war das Zirkeltraining sehr effizient gestaltet und hatte einen hohen Lerneffekt.

Junge Forscher ausgezeichnet

Parallel zum Zirkeltraining fanden am Vormittag die Präsentationen der angenommenen Arbeiten junger Wissenschaftler statt. Dr. Aleksandar Jakovljevic, Doktorand an der Universitätszahnklinik in Belgrad, Serbien begeisterte das Komitee – Prof. Ebeleseder, Prof. Crismani und Prof. Kielbassa – mit seiner Arbeit zum Thema „Oxidative stress biomarkers and bone resorption regulators in apical periodontitis - correlation with Epstein-Barr virus infection“ und durfte sich über den ersten Preis und einen Scheck über 3.000 € freuen.

Hauptprogramm

Ab dem zweiten Kongressnachmittag ging es weiter mit gespannten Vorträgen und heißen Diskussionen. Die ersten zwei Vorträge waren den „sponsored sessions“ der reziproken Wurzelkanalpräparation gewidmet. Am letzten Tag des Kongresses war der Festsaal der Palais wieder gut besucht. Am Vormittag ließ Prof. Dr. David Ricketts von der Universitätszahnklinik in Dundee, Schottland mit seinem Vortrag über „Therapiemöglichkeiten der tief kariös zerstörten Zähne“ das Publikum an seiner reichen klinischen und wissenschaftlichen Erfahrung teilhaben.

Das Verstehen von einem restaurativen Verfahren im Sinne einer Reaktion, die durch einen „operativen“ Eingriff bei der Kariesentfernung auf den Pulpa-Dentin-Komplex ausgelöst wird, Leitlinien zum Zeitpunkt dieses Verfahrens und ein eher biologischer, präventiver als chirurgischer Zugang zum Thema Kariesentfernung waren die drei wichtigsten Punkte seines Vortrags. Das hohe Interesse des Publikums riss nach dem Referat von Prof. Dr. Kerstin Galler, von der Universitätszahnklinik in Regensburg, Deutschland zu dem Thema „Fortschritte in endodontischen Gewebsregeneration“ nicht ab und führte zu einer halbstündigen Verspätung. Ihre klinischen Untersuchungen am Pulpa-Gewebe zeigten, dass es eine Regeneration der Vaskularisation sogar nach einer Pulpanekrose im Wurzelkanal möglich ist, was besonders bei nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum wichtig ist, erläuterte Galler.

Nach einer kleinen Pause und Stärkung für die Teilnehmer erreichte der Kongress einen weiteren Höhepunkt mit dem Vortrag von Prof. Dr. Mathias Zehnder von der Universitätszahnklinik in Zürich zum Thema „moderne Desinfektion des Wurzelkanalsystems“.

Um die adäquate Desinfektion des Wurzelkanalsystems zu gewährleisten, müsse man erst die Grundprinzipien der Infektion des Endodonts verstehen, erklärte Zehnder. Mit dem nächsten Vortrag war wieder Prof. Metzger im Focus mit seinen Neuigkeiten und einem „futuristischen“ Zugang zu dem Thema apikale Parodontitis. Prof. Dr. Vladimir Ivanovic und seine Gattin, Dr. Katarina Ivanovic, von der Universitätszahnklinik in Belgrad nahmen sich mit ihrem Vortrag „CBCT und komplexe Wurzelkanalanatomie- Diagnose und Therapie“ an. Aus ihrem dualen Vortrag konnte man entnehmen, wie die Anatomie, Wurzel- und Kanalanzahl sowie Form des Kanals variabel ist. Dr. Alan Holland aus Bristol, England gab den Teilnehmern eine weitere Übersicht in die dreidimensionale Welt der Endodontie. Die diagnostischen Fähigkeiten und die klinische Relevanz eines DVT Geräts konnte er dem Publikum näher bringen.

Zum Schluss betonten die Vortragenden noch einmal, dass es keine optimale Spülung sowie Feilensystem gibt, sondern eine Kombination aus chemischen und mechanischen Aufbereitung ein Schlüssel für den Erfolg sind.

Zufriedene Kongresspräsidenten

Die beiden Kongresspräsidenten, Dr. Matthias Holly und Dr. Johannes Klimscha aus Wien, zeigten sich bei ihrem Resümee nach dem Kongress jedenfalls hocherfreut: „Mit fast 300 Teilnehmer aus dem In- und Ausland waren die Workshops und der Vortragssaal an allen drei Tagen immer gut gefüllt.“

Vor allem die rege Teilnahme der österreichischen Kolleginnen und Kollegen war bemerkenswert und hat alle Erwartungen übertroffen. Besonders beim Endo-Chirurgie Kurs im Ivoclar Trainings Zentrum mit Prof. Dr. Christof Pertl und seinem engagierten Team wurde die vorgesehene Teilnehmerzahl überschritten“.

Gutbesuchte Dentalaustellung

Letztendlich darf man auch die kongressbegleitende Dentalaustellung nicht vergessen. Über zwanzig relevanten Firmen aus dem Bereich Endodontie vertraten und informierten Gäste über neuesten Entwicklungen und Innovationen.

Quelle: „Endodontics – Facts and Fantasy“: 4th International Congress of the Austrian Society of Endodontology, von 1. bis 3. Dezember 2016 in Wien

Um die adäquate Desinfektion des Wurzelkanalsystems zu gewährleisten, muss man erst die Grundprinzipien der Infektion des Endodonts verstehen.

Prof. Mathias Zehnder
Universitätszahnklinik Zürich


Danijel Domic

, Zahnarzt 1/2/2017

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