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Zahnheilkunde 1. Oktober 2016

Nachhaltigkeit nachgewiesen

Prophylaxe. Eine taiwanesische Studie konnte zeigen, dass ein gezieltes Mundpflegeprogramm bei Schulkindern auch langfristig positive Effekte zur Folge hat.

Im Gegensatz dazu unterstützte die taiwanesische Regierung ein Mundhygieneprogramm für 10- bis 11-jährige Schulkinder, das in Form einer prospektiven Kohortenstudie Möglichkeit bot, Langzeiteffekte festzustellen.

Studiendesign

An der Untersuchung nahmen Kinder im Alter von 10 bis 11 Jahren aus zwei Grundschulen der Region Taipeh zwischen 1995 und 2006 teil. 120 Kinder wurden der Interventionsgruppe zugeordnet, als Kontrollgruppe diente eine Gruppe von Kindern mit einer ähnlichen Verteilung von Alter, Geschlecht und Klassenstufe. Die Kinder der Interventionsgruppe erhielten intensive Schulungen zur richtigen Benutzung von Zahnseide und Zahnbürste.

Ein Halbjahr lang putzen die Kinder nach dem Mittagessen unter Aufsicht ihre Zähne, außerdem fanden jährlich Schulungen zum Thema Mundhygiene statt. Die Kinder der Kontrollgruppe putzten ebenfalls täglich in der Schule ihre Zähne, allerdings führten sie dies nach eigenen Gewohnheiten durch und erhielten keine intensive Betreuung oder Anweisungen zur richtigen Durchführung der Mundpflege.

Follow-up nach 9,8 Jahren

Nach durchschnittlich 9,8 Jahren wurden die Kinder, nun im Alter von 14 bis 27 Jahren, erneut untersucht. Für die Analyse wurden Daten zu den Verhaltensweisen bei der Mundpflege mit Hilfe eines Fragebogens ermittelt. In einer klinischen Untersuchung wurden zudem unter doppelter Verblindung der Attachmentverlust, die Tiefe der Zahnfleischtaschen, Plaque- (CPI) und Kariesindex (DMFT, DMFS) bestimmt.

Insgesamt nahmen 240 Kinder an der Studie teil, die Hälfte von ihnen gehörte der Interventionsgruppe an. 80 Kinder der Interventions- und 40 der Kontrollgruppe wurden nach durchschnittlich 9,8 Jahren (Wertebereich 4 bis 16 Jahre) auf langfristige Effekte hin untersucht. Beide Gruppen unterschieden sich nicht hinsichtlich der Häufigkeit von Zahnarztbesuchen oder des Zähneputzens (in der Regel zweimal täglich). Der Gebrauch von Zahnseide war in der Interventionsgruppe häufiger als in der Kontrollgruppe (67,5 versus 30,8 %, p < 0,0001; 23 bzw. 16 % benutzten täglich Zahnseide). Unterschiede bestanden auch in der Durchführung der Mundpflegemaßnahmen und im Wissen bezüglich der richtigen Mundpflege.

Der Plaqueindex war in der Interventionsgruppe signifikant geringer als in der Kontrollgruppe, das relative Risiko betrug 0,4 (95 % CI 0,3-0,5). Auch Zahnstein und tiefe Zahnfleischtaschen (CPI ≥ 2) traten in der Interventionsgruppe seltener auf (RR 0,3, 95 % CI: 0,3-0,6, p < 0,001). Weiter traten in der Interventionsgruppe seltener Zahnfleischentzündungen und Karies auf. Der Kariesindex DMFT betrug 4,1 in der Interventionsgruppe und 6,2 in der Kontrollgruppe (p < 0,001) bei einem relativen Risiko von 0,7 (95% CI: 0,5 - 0,9).

Insgesamt besaßen die Teilnehmer der Interventionsgruppe ein größeres Wissen über eine richtige Zahnpflege, zeigten bessere Gewohnheiten bei der Mundpflege und wiesen in der klinischen Untersuchung deutlich seltener Dentalplaques, Karies und Zahnfleischerkrankungen auf als die Probanden der Kontrollgruppe.

Langfristig erfolgreich

Die Ergebnisse untermauern vor allem die These, dass sich ein gezieltes intensives schulisches Mundhygieneprogramm langfristig auswirkt und auch zehn Jahre später noch ein größeres Wissen ebenso wie eine bessere Durchführung von Mundpflegemaßnahmen nach sich zieht.

Originalstudie:

Lai H. et al., Long-term effectiveness of school-based children oral hygiene program on oral health after 10-year follow-up, in Community Dent Oral Epidemiol. 2016 Jun;44(3):209-15. doi: 10.1111/cdoe.12207

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