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Zahnheilkunde 30. Jänner 2006

Mundgesundheit und Lebensqualität

Mundgesundheit bedeutet zweifellos Lebensqualität. Aber wie misst man – etwa bei Patienten vor und nach einer Behandlung – die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität? „International am weitesten verbreitet ist das Oral Health Impact Profile (OHIP)“, erklärt Doz. DDr. Mike John, Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde der Universität Leipzig. Es besteht aus 49 Fragen, die sieben Subskalen zugeordnet sind. In der deutschsprachigen Version kommen noch vier Items hinzu. Für die Praxis sicherlich relevanter sind die Kurzversionen, die lediglich 14 Fragen umfassen (OHIP-G14). Weiters gibt es auch eine Kürzestversion mit fünf Fragen. „Dieses Instrument ist in der Lage, immerhin 90 Prozent der Informationen der Langversion zu erfassen“, so John.

Die 14 Fragen des OHIP-G14 lauten folgendermaßen:

Funktionelle Einschränkungen:

  • Hatten Sie im vergangenen Monat Schwierigkeiten, bestimmte Worte auszusprechen aufgrund von Problemen mit Ihren Zähnen, im Mundbereich oder mit Ihrem Zahnersatz?
  • Hatten Sie im vergangenen Monat das Gefühl, Ihr Geschmackssinn war beeinträchtigt aufgrund von Problemen mit Ihren Zähnen, im Mundbereich oder mit Ihrem Zahnersatz?

Schmerzen:

  • Hatten Sie im vergangenen Monat Schmerzen im Mundbereich?
  • War es Ihnen im vergangenen Monat unangenehm, bestimmte Nahrungsmittel zu essen aufgrund von Problemen mit Ihren Zähnen, im Mundbereich oder mit Ihrem Zahnersatz?

Psychisches Unwohlsein:

  • Hatten Sie im vergangenen Monat ein Gefühl der Unsicherheit in Zusammenhang mit Ihren Zähnen, Ihrem Mund oder Ihrem Zahnersatz?
  • Haben Sie sich im vergangenen Monat angespannt gefühlt aufgrund von Problemen mit Ihren Zähnen, im Mundbereich oder Ihrem Zahnersatz?

Physische Beeinträchtigung:

  • Ist Ihre Ernährung im vergangenen Monat unbefriedigend gewesen aufgrund von Problemen mit Ihren Zähnen, im Mundbereich oder mit Ihrem Zahnersatz?
  • Mussten Sie im vergangenen Monat Mahlzeiten unterbrechen aufgrund von Problemen mit Ihren Zähnen, im Mundbereich oder mit Ihrem Zahnersatz?

Psychische Beeinträchtigung:

  • Hatten Sie im vergangenen Monat Schwierigkeiten zu entspannen aufgrund von Problemen mit Ihren Zähnen, im Mundbereich oder mit Ihrem Zahnersatz?
  • Haben Sie sich im vergangenen Monat ein wenig verlegen gefühlt aufgrund von Problemen mit Ihren Zähnen, im Mundbereich oder mit Ihrem Zahnersatz?

Soziale Beeinträchtigung:

  • Waren Sie im vergangenen Monat anderen Menschen gegenüber eher reizbar aufgrund von Problemen mit Ihren Zähnen, im Mundbereich oder mit Ihrem Zahnersatz?
  • Ist es Ihnen im vergangenen Monat schwer gefallen, Ihren alltäglichen Beschäftigungen nachzugehen aufgrund von Problemen mit Ihren Zähnen, im Mundbereich oder mit Ihrem Zahnersatz?

Benachteiligung/Behinderung:

  • Hatten Sie im vergangenen Monat den Eindruck, dass Ihr Leben ganz allgemein weniger zufrieden stellend war aufgrund von Problemen mit Ihren Zähnen, im Mundbereich oder mit Ihrem Zahnersatz?
  • Waren Sie im vergangenen Monat vollkommen unfähig etwas zu tun aufgrund von Problemen mit Ihren Zähnen, im Mundbereich oder mit Ihrem Zahnersatz?

Die Antwortmöglichkeiten reichen von „nie = 0“ bis „sehr oft = 4“. Die Auswertung ergibt einen OHIP-Gesamtwert, der das Ausmaß der eingeschränkten (mundgesundheitsbezogenen) Lebensqualität anzeigt. „Der Wert kann dann mit den Bevölkerungs-Referenzwerten verglichen werden“, erläutert John. Mit einer Bearbeitungsdauer von rund drei bis vier Minuten ist die OHIP-Kurzversion gut für die Zahnarztpraxis geeignet, um bei umfangreicheren Behandlungsmaßnahmen einen Vorher-nachher-Vergleich zu ermöglichen. Weiters kann der Fragebogen auch für epidemiologische Studien eingesetzt werden.

Dr. Peter Wallner, Zahnarzt 4/2005

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