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Zahnheilkunde 2. September 2016

Keime ohne Biorhythmus

Orales Mikrobiom. Veränderungen der Bakterienflora des Speichels im Tagesverlauf sind nur gering. Bei Untersuchungen auf eine gestörte Mundflora ist demnach kein spezieller Zeitpunkt für die Probenentnahme erforderlich.

Innerhalb der letzten Jahre wurde eine Vielzahl von Biomarkern in Speichelproben entdeckt, die mit verschiedenen Krankheiten wie dem Sjögren Syndrom, Brustkrebs, oder HIV assoziiert sind. Dies legt die Folgerung nahe, dass das Speichelproteom den oralen und allgemeinen Gesundheitszustand widerspiegelt.

Speichel ist als Probenmaterial leicht zu gewinnen und bietet gute Voraussetzungen für analytische Methoden. Die enthaltenen Proteine stammen zu einem sehr großen Teil von der oralen Bakterienflora. Vorangegangene Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass z.B. die Konzentrationen von IL-1β, IL-6, MMP-8, Prostaglandin E2, TNF-α, IFN-α oder Albumin bei denselben Personen von Tag zu Tag Schwankungen von 67 bis 201 Prozent zeigen. Auch Lebensstilfaktoren wie Rauchen wirken sich auf die Zusammensetzung des Speichels aus. Die Variabilität der individuellen Speichelzusammensetzung gesunder Probanden muss deshalb erfasst werden, bevor Speichelproben für ein medizinisches Screening genutzt werden können.

Tagesprofil des oralen Mikrobioms

Die vorliegende Studie zeigt Veränderungen des Speichelmikrobioms im Tagesverlauf bei fünf gesunde Erwachsene (vier Männer, eine Frau) zwischen 24 und 36 Jahren. An zwei Tagen im Abstand von einer Woche sammelten sie über 24 Stunden hinweg alle vier Stunden nach Paraffinstimulation Speichelproben. Diese wurden bis zur Analyse mittels Next Generations Sequencing (Illumina) bei -80 °C konserviert. Dabei wurden pro Probe durchschnittlich >50.000 Sequenzen von 441 bp Länge generiert. Nach Entfernen unbrauchbarer und mehrdeutiger Sequenzen erfolgte ein Datenbankabgleich der 16S rRNA Fragmente und die bakterielle Identifizierung. Zudem machten die Teilnehmer in einem Fragebogen Angaben zu ihrer Lebensweise und Ernährung.

Durchschnittlich 54.291 Sequenzen wurden pro Probe gefunden, denen zu 44,7% eine Bakterienspezies und zu 37,7% Gattungen zugeordnet werden konnten. In den 60 Proben wurden insgesamt 399 bakterielle Taxa und 78 Gattungen identifiziert. Die fünf am häufigsten vorkommenden Gattungen waren Streptococcus, Haemophilus, Prevotella, Rothia und Neisseria, zusammen wurden sie etwa der Hälfte der erhaltenen Sequenzen zugeordnet. Jeder der fünf Probanden wies ein charakteristisches bakterielles Speichelprofil auf. Korrespondenzanalysen zeigten ein klares inter-individuelles Clustering ohne Veränderungen im Tagesverlauf. Bei vier der fünf Probanden war die Verteilung gleichbleibend, während bei einem Teilnehmer eine Änderung des bakteriellen Profils eintrat. Anhand der Angaben im Fragebogen hatte diese Person innerhalb der zwei Wochen die Marke der Zahnpasta gewechselt, was diese Verschiebung ausgelöst haben könnte. In Übereinstimmung mit zuvor von anderen Institutionen durchgeführten Untersuchungen war die bei den gesunden Probanden prädominant vorkommende Gattung Streptococcus, was darauf schließen lässt, dass auch mit unterschiedlicher Methodik vergleichbare Resultate erzielt werden können. Zwei potenziell pathogene Arten, PorphyIME und Aggregatibacter actinomycetemcomitans, wurden dagegen nur in ein bzw. zwei der 60 Proben gefunden. In vorangegangenen Untersuchungen war das bakterielle Profil zwischen fünf Tagen und bis zu sieben Jahren stabil. Dies wird durch die hier erzielten Daten unterstützt. Eine Unterscheidung von gesunden und kranken Probanden anhand des Speichelprofils erscheint somit möglich, wobei der Zeitpunkt der Probenentnahme vermutlich weitgehend unerheblich ist.

Originalstudie: Belstrøm D. et al., Temporal Stability of the Salivary Microbiota in Oral Health, in PLoS One. 2016 Jan 22;11(1):e0147472.

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