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Zahnheilkunde 30. Jänner 2006

Bewältigen Sie Dauerstress und Burnout!

Fehlende Arbeitsfreude, Unzufrie­denheit, Motivationsschwäche, Denkblockaden, Entscheidungsunfähigkeit, überkritisches Verhalten und Verspannungen sind nur einige der unzähligen Warnsignale von lang anhaltendem Stress. Der ständige Druck, den Anforderungen von außen als auch den eigenen entsprechen zu müssen und zu wollen, die Überforderung durch die Arbeitsmenge sowie durch komplexe Aufgaben, die hohe Verantwortung, der konti­nu­ier­liche Zeitdruck als auch die Angst zu versagen lösen im Praxisalltag Stress aus. Besonders Zahnärzte sehen sich tagtäglich gefordert: An ihnen liegt es, unterschiedlichste Situationen, ob es sich nun um Routinekontrollen, komplexe chirurgische Eingriffe, nervöse Patienten, überlastete Assistentinnen oder eigene Bedürfnisse u. Ä. han­delt, individuell einzuschätzen und entsprechende Lösungen zu finden. Als zahnmedizinische Therapeuten sollten sie sich ganz und gar auf ihre Patienten einstellen und deren Be­dürfnisse bestmöglich befriedigen, gleichzeitig aber als Führungskraft das Team anleiten und zudem noch als Unternehmer die wirtschaftliche Effizienz der Praxis im Auge behalten. Solche vielfältigen Anforderungen können belastend werden – vor allem dann, wenn man unvorbereitet und unkont­rolliert mit ihnen konfrontiert wird. Ist man solchen Spannungsreizen über längere Zeit ausgesetzt, kann dies unangenehme Konse­quen­zen haben – wie Dauerstress und Burnout.

Bewerten und meistern

Hier leistet etwa das „ABC-Modell des Verhaltens“ von A. Ellis eine praktikable Hilfestellung; eine Art Anleitung, selbst einen Ausweg aus dem Dauerstress zu finden. Nach Ellis lösen bei jedem Menschen ganz bestimmte Anforderungssituationen beziehungsweise Ereignisse („A“) Stress aus: Ein Zahnarzt zum Beispiel, der sehr gerne chirurgische Arbeiten durchführt, empfindet Stress, wenn er mit Arbeiten der Grundversorgung wie etwa konservierenden Schmerz­behandlungen so sehr ausgelastet ist, dass ihm gar keine Zeit bleibt, sich intensiv und in Ruhe chirurgischen Tätigkeiten zu widmen. Und wenn er doch zwischendurch chirurgisch tätig ist, stellt seine Assistentin immer wieder Telefongespräche durch, erinnert ihn, wie viele kurzfristig eingeschobene Patienten im Wartezimmer noch auf ihn warten und nebenbei muss er im Extremfall noch feststellen, dass diverse Materialien, die er augenblicklich bräuchte, nicht nachgefüllt oder auch nicht mehr nachbestellt wurden – das verursacht Stress und verstärkt die innere Un­ruhe noch weiter. Für das Erleben von Stress ist da­rüber hinaus noch maßgeblich, wie bedeutsam eine bestimmte Situation für den Betroffenen ist und wie er diese bewertet („B“); diese Bewer­tungen können sehr unterschiedlich ausfallen. Ist nämlich der Wunsch, verstärkt chirurgisch tätig zu sein, sehr groß und wichtig für den Zahnarzt, wird er immer wieder versuchen, seine Situation einzuschätzen: „Wenn ich mich spezialisiere, könnte ich einige meiner bisherigen Patienten verlieren.“ „Meinen Grundumsatz kann ich aber nur sichern, wenn ich alles mache.“ „Wenn meine Assisten­tin­nen die Terminvergabe nur besser organisieren würden, könnte ich mich sicherlich mehr auf hochwertige chirurgische Versorgungen konzent­rieren“ oder „Wenn ich mich mehr dem zuwende, was mich persönlich interessiert, bringe ich vielleicht sogar den Fortbestand meiner Praxis in Gefahr“ usw. Aber auch die Reaktionen („C“), also Gefühle, Verhaltensweisen und Körperempfindungen, der Betrof­fe­nen auf belastende Situationen sind sehr verschieden: Ständige Gereizt­heit, grundloses Unglücksgefühl, permanentes Grübeln sowie zunehmende Verschlossenheit gegenüber Mitarbeiterinnen und Patienten etc. sind nur einige der möglichen Stressreaktionen. Indem man nach Ellis die persönlichen stressauslösenden Situa­tionen definiert und sich mit diesen bewusst auseinander setzt, erkennt man deren Bedeutung für sich selber als auch die damit einhergehenden persönlichen Konsequenzen. – Und dies ist der erste Schritt aus dem Dauerstress!

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