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Zahnheilkunde 26. Jänner 2006

Negative Äußerungen über Kollegen

Da ich sowohl mit Patienten zu tun habe, die mit ihrer bisherigen Behandlung unzufrieden waren, als auch Begutachtungen für Gerichte durchführe, höre ich immer wieder negative Äußerungen über Zahnärzte. An dieser Stelle bringe ich einleitend eine Anzahl solcher negativen Äußerungen, und zwar von Zahnärzten über Zahnärzte, wie sie mir von Patienten mitgeteilt werden beziehungsweise in Gerichtsakten dokumentiert sind. Die Liste ist und kann nicht vollständig sein, enthält aber einen Auszug aus dem Sinne nach immer wieder kehrenden Negativaussagen. Im Folgenden gehe ich dann auf den forensischen Bereich der Implantologie ein und zitiere die einschlägigen Paragrafen aus dem Strafgesetzbuch (StGB) im Hinblick auf üble Nachrede und Kreditschädigung. Hier eine Auflistung von Patientenberichten über negative Aussagen von Zahnärzten (Nachbehandler) über Zahnärzte (Vorbehandler), siehe Kasten.

Unterschiedliche Erklärungen der Ursachen

Wer sich mit Patienten unterhält, die den Zahnarzt gewechselt haben, bekommt unterschiedliche Erklärungen über die Ursache. Die Informationen reichen von Schmerzen am Wochenende oder während der Abwesenheit oder des Urlaubs des eigenen Zahnarztes, über den Wunsch, eine zweite Meinung zu einem Behandlungsvorschlag einholen zu wollen, bis hin zur Unzufriedenheit wegen (vermeintlich) unsachgemäßer Behandlung und mangelnder oder keiner Aufklärung. Ein Teil der Patienten klagt offen über fehlendes Vertrauen zum eigenen Zahnarzt. Auf die Frage, worauf sie das geringe Vertrauen zurückführen, erklären viele Patienten, dass zu wenig Zeit für Fragen in der Ordination zur Verfügung steht und dass man sich daher selbst um Informationen aus anderen Quellen kümmern muss. Beispielsweise zeigte mir eine Patientin in diesem Zusammenhang über 30 Zeitungsausschnitte zu zahnärztlichen Themen und Fragestellungen aus Tageszeitungen und Illustrierten. Die meisten dieser Artikel betrafen das Thema Implantate. Die Patientin berichtete, dass sie ein prothetisches Problem hat und sich für Implantate interessiert. Die Auskünfte, die sie bisher erhalten hat, waren für sie verwirrend, weshalb sie sich in Zeitschriften vertieft hat, in denen zu ihrer Problemstellung Informationen zu finden waren.
Während die Auskünfte über Implantate bei den Zahnärzten, die sie zur Beratung aufsuchte, zum Teil widersprechend waren, waren die Zeitungsberichte durchwegs so verfasst, wie ich mich überzeugen konnte, dass Implantationsverfahren generell als nicht nur einfach und risikoarm beschrieben wurden, sondern dass dem Leser suggeriert wurde, dass es sich für ihn um die beste Behandlungsmethode handelt und dass es fast einer Schande gleichkommt, den Zahnverlust nicht durch Implantate zu kompensieren und nur eine einfache Prothese zu tragen. Viele dieser Artikel zur Patienteninformation waren so abgefasst, dass die Strategie der Autoren, Patienten zu akquirieren, deutlich zu erkennen war. Die Implantologie wurde als Bagatelleverfahren im Rahmen der Oralchirurgie dargestellt, wobei auf Risiken kaum eingegangen wurde.
Ich war nach Durchsicht des Konvolutes an Werbemitteilungen beeindruckt, wie einfach dem Patienten (Konsumenten) die Implantologie dargestellt wird, wobei ich sagen muss, dass wirklich qualifizierte und erfahrene Implantologen diese Materie sehr ernst nehmen und gewissenhaft aufklären. Ich meine, dass die stürmische Entwicklung auf diesem Gebiet es uns heute nicht erlaubt, endgültige Aussagen zu vielen Frage- und Problemstellungen machen zu können. Unbefriedigende Behandlungsergebnisse und Misserfolge sind genau zu analysieren und auf den Einzelfall zu beziehen. Erst nach kritischer Prüfung des konkreten Falles und Erhebung des individuellen Sachverhaltes kann eine fachliche (gutachterliche) Stellungnahme abgegeben werden. So wurde unter anderem bei der Implantologietagung im Palais Schwarzenberg in Wien im Juni 2004 über einen Fall aus Innsbruck (Prof. Norer) berichtet, wo durch „Implantatspitzenresektion” zweier in die Nasenhöhlen ragender Implantate eine Patientin beschwerdefrei wurde.

Üble Nachrede oder Kreditschädigung

Wer glaubt, z. B. als nachbehandelnder Zahnarzt, er könne in der Implantologie, aber auch in allen anderen Teildisziplinen der Zahnheilkunde, allein aufgrund des sich ihm im Moment bietenden Status eines Patienten, vorschnell eine (negative) Erklärung abgeben, sollte dies, aus den oben genannten Gründen, nicht tun. Nicht nur, dass der Patient daraus keinen Nutzen ziehen würde, könnte der Vorbehandler (zu Unrecht) belastet werden (üble Nachrede § 111 StGB, Kreditschädigung § 152 StGB). Je nach Art der negativen Äußerung über den Vorbehandler unterscheidet man zwischen übler Nachrede oder Kreditschädigung. Um die Situation differenziert darzustellen, habe ich mir die zitierten Paragraphen aus dem StGB herausgesucht und führe sie wörtlich an:

Paragraphen aus dem StGB

Üble Nachrede § 111, (1) Wer einen anderen in einer für einen Dritten wahrnehmbaren Weise einer verächtlichen Eigenschaft oder Gesinnung zeigt oder eines unehrenhaften Verhaltens oder eines gegen die guten Sitten verstoßenden Verhaltens beschuldigt, das geeignet ist, ihn in der öffentlichen Meinung verächtlich zu machen oder herabzusetzen, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen.
Kreditschädigung § 152, (1) Wer unrichtige Tatsachen behauptet und dadurch den Kredit, den Erwerb oder das berufliche Fortkommen eines anderen schädigt oder gefährdet, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen. Die Freiheits- und die Geldstrafe können auch nebeneinander verhängt werden. (2) Der Täter ist nur auf Verlangen des Verletzten zu verfolgen.

Anmerkung: Während der § 111 die persönliche Ehre schützt, dient § 152 dem Schutz wirtschaftlicher und (anderer) beruflicher Interessen. Die Tat ist ein Privatanklagedelikt.

Bevölkerung seriös informieren

Abschließend soll nicht unerwähnt bleiben, dass Ende Mai 2004 der „Verein für zahnmedizinische Fortbildung und Patienteninformation” in Wien gegründet wurde. Ihm gehören Vertreter der Zahnärzte und Dentisten sowie des Österreichischen Dentalverbandes (ÖDV) an. Die Aufgabe und das Ziel dieses Vereines ist es, durch Veranstaltungen die Bevölkerung über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten sowie Risiken auf allen Gebieten der Zahnheilkunde seriös zu informieren. Weiters soll es Informationen zu den verschiedenen Materialien, die heute in der Zahnheilkunde angewandt werden, geben und Qualitätsunterschiede aufgezeigt werden. Schwerpunktmäßig soll dabei auf die Implantologie, Implantatprothetik und ästhetische Zahnheilkunde eingegangen werden. Zu den weiteren Aufgaben gehört die Verhinderung unlauteren Wettbewerbs (z. B. marktschreierische Artikel und Werbespots). Als Präsident dieses Vereines vertrete ich den Grundsatz, dass es oberstes Ziel der Patienteninformation sein muss, Patienten nicht zu teuren Behandlungsmaßnahmen zu überreden, sondern sie von jenen Behandlungsmöglichkeiten zu überzeugen, die für sie am meisten Erfolg versprechend sind.

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