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Zahnheilkunde 1. Juni 2016

Karies als soziales Problem

Die Ergebnisse der NHANES-Studien bestätigen, dass Karieserkrankungen bei Kindern aus einkommensschwachen Familien weiterhin im Steigen begriffen sind.

Anhand der Analyse von Daten aus den drei umfangreichen US-amerikanischen Erhebungen NHANES I, NHANES III und NHANES wurde untersucht, inwieweit sich die Unterschiede zwischen sozioökonomisch gut situierten Familien und Kindern aus benachteiligten Verhältnissen im Laufe der Zeit entwickeln.

Das häufigere Auftreten von Karieserkrankungen bei Kindern aus einkommensschwachen Familien wurde vielfach beschrieben. Für Präventionsmaßnahmen ist es deshalb sinnvoll, diese Bevölkerungsgruppen besonders zu berücksichtigen. Sie dauerhaft zu geeigneten Maßnahmen zu motivieren ist jedoch aus unterschiedlichen Gründen oft schwierig. Es zeigte sich insgesamt ein deutlicher Rückgang von unbehandelter Karies, die Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen waren jedoch weiterhin zu beobachten und hatten zugenommen.

Ergebnisse von US-amerikanischen Gesundheitsstudien

Trotz eines insgesamt erfreulichen Rückgangs von Dentalkaries innerhalb der letzten Jahrzehnte stellt diese Krankheit weiterhin ein verbreitetes Gesundheitsproblem bei Kindern und Erwachsenen dar. Immer wieder wurde nachgewiesen, dass die unteren Einkommensgruppen die Hauptlast tragen: Die Kariesprävalenz steigt bei sinkendem Einkommen. Daten von drei US-amerikanischen nationalen Gesundheitsstudien („National Health and Nutrition Examination Surveys“, NHANES) zwischen 1971 und 2004 wurden nun analysiert, um Trends zum Zusammenhang zwischen dem Auftreten von unbehandelter Karies und dem Einkommen näher zu beleuchten.

Seit 1960 dienen NHANES-Querschnittsstudien wiederkehrend der Ermittlung des Gesundheits- und Ernährungszustandes einer repräsentativen Stichprobe der US-amerikanischen Bevölkerung, wobei Kombinationen von Interviews und körperlicher Untersuchungen angewendet werden. Dieser Analyse liegen Daten von Untersuchungen aus den Zeiträumen 1971-1974 (NHANES I), 1988-1994 (NHANES III) und 1999-2004 (NHANES 1999-2004) zugrunde, wobei die Auswertung nur die Altersgruppe der 2-12jährigen Kinder umfasst. Eine unbehandelte Karies diente als Ergebnisvariable und repräsentierte sowohl das Auftreten der Krankheit als auch die Notwendigkeit einer zahnmedizinischen Behandlung. Vier Einkommensgruppen wurden anhand eines Quotienten aus Einkommen und spezifischer föderaler Armutsgrenze festgelegt.

Polarisierung erkennbar

Zwischen den einzelnen Querschnittsstudien war die Verteilung der Probanden hinsichtlich Alter und Geschlecht vergleichbar. Im Lauf der Zeit fand eine Polarisierung statt, bei der Kinder aus mittleren Einkommensgruppen in Gruppen von höherem und niedrigerem Einkommen wechselten. So nahm der Anteil von Kindern der höchsten Einkommensgruppe zwischen NHANES I und NHANES 1999-2004 von 21 auf 32 % und in der ärmsten Gruppe von 20 auf 25 % zu, während die mittlere Einkommensgruppe von 25 auf 17 % schrumpfte. Der Anteil von Kindern mit unbehandelter Karies nahm während dieser Zeit von 46,8 auf 23,8 % ab.

Einkommen und Karies

In jeder der drei Querschnittsuntersuchungen war das Einkommen invers mit dem Auftreten von unbehandelter Karies assoziiert. In allen Einkommensgruppen nahmen die Karieserkrankungen im Lauf der Zeit ab, dennoch bestanden zwischen der höchsten und niedrigsten Einkommensgruppe deutliche Unterschiede. Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von unbehandelter Karies war bei jeder einzelnen Studie klar und konsistent mit dem Einkommen assoziiert, wobei das Risiko für die Erkrankung mit sinkendem Einkommen steigt. Ein Wechsel von der niedrigsten zur höchsten Einkommensgruppe in der ersten Erhebung würde das Risiko für eine unbehandelte Karies beispielsweise um 34% senken. Trendanalysen ergaben, dass die Disparität zwischen NHANES I und den späteren Untersuchungen zunahm.

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