zur Navigation zum Inhalt
© Grand Hotel Panhans
Das Grand Hotel Panhans, traditionsreicher Austragungsort des Wintersymposiums Semmering
 
Zahnheilkunde 1. April 2016

Moderne Endodontie für die Praxis

Die Highlights des Wintersymposiums am Semmering waren digitale Möglichkeiten in der Praxis, Konzepte der Obturation und Möglichkeiten der adhäsiven Befestigung.

„Endodontie – State of the Art“ lautete das Motto des diesjährigen Wintersymposiums am Semmering – und auch in diesem Jahr suchten die Veranstalter die noblen Räumlichkeiten des Hotel Panhans am Semmering aus.

Einmal mehr folgten viele fortbildungsinteressierte Zahnärzte der Einladung der Österreichischen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Zweigverein Niederösterreich (ÖGZMK NÖ), zu dieser Tagung und nützten die Fortbildungsmöglichkeit samt ihrem unterhaltsamen Rahmenprogramm aus. Schwerpunkt in diesem Jahr war die Thematik der Wurzelbehandlungen.

Wie jedes Jahr wurde diese mittlerweile bereits traditionelle Veranstaltung in bewährter Weise unter der Organisation von MR DDr. Hannes Gruber, Präsident der ÖGZMK NÖ, sowie den wissenschaftlichen Leitern Dr. Matthias Holly und DDr. Johannes Klimscha und der niederösterreichischen Fortbildungsakademie „Für Zahnarzt und sein Team“ (NÖFA) organisiert.

Zusätzlich zu prägenden Vorträgen an beiden Symposiumtagen gab es ein paar Highlights am Rande: Auch in diesem Jahr wurde eine interessante Fachausstellung für die Teilnehmer vorbereitet und der mittlerweile traditionelle Hüttenabend mit anschließender Rodelpartie – immer ein Höhepunkt des Ausflugs auf den Zauberberg – durfte natürlich auch nicht fehlen.

News und Tipps

Was man bei Endodontie im Milchgebiss beachten muss, praktische Aspekte der Behandlung der vertikalen Wurzelfraktur, prä- und postendodontische Möglichkeiten mittels adhäsiver Endokrone und das Zusammenspiel von Endodontie, Parodontologie und Implantologie waren nur ein Bruchteil des reichhaltigen Themenangebots, denen sich über fünfzehn national und international renommierte Zahnärzte im Rahmen des diesjährigen Wintersymposiums intensiv widmeten.

Auf die Eröffnungsrede von Gruber folgten auch schon die ersten Vorträge. Den Start machten Dr. Verena Bürkle mit der Thematik „Endodontie im Milchzahn – Wann, wie und überhaupt“ und Prof. Kurt Ebeleseder mit seinem Vortrag „Endo nach Trauma – Lehrreiche Erkenntnisse für die Standardtherapie“. Nach einer abwechslungsreichen Pause in guter Unterhaltung und mit umfangreichen Informationen über neueste Technologien in der Zahnheilkunde bei den Ausstellern fanden sich die begeisterten Tagungsbesucher wieder zu zwei weiteren Vorträgen zusammen.

Der Freitagnachmittag stand ganz im Zeichen dreidimensionaler Hilfsmittel in der Zahnheilkunde und Radiologie. Dr. Barbara Kirnbauer referierte zum Thema „DVT – Diagnostik – Allgemeine und endodontische Indikationen“ und anschließend folgte Dr. Petra Rugani mit ihrer dazu passenden Präsentation „DVT – Diagnostik – Praktische konservative und chirurgische Fälle“.

Der anschließende Imbiss und kleine Umtrunk im Foyer des Hotel Panhans sowie das darauffolgende Abendessen im Liechtensteinhaus komplettierten einen erfolgreichen ersten Symposiumtag.

Herausforderung Kanalverschluss

Den Start des ersten Vormittagsblockes im Rahmen des Wintersymposiums am Semmering am Samstag machte DDr. Martin Kovac mit seinem einleitenden Vortrag „Access to the system – Trepanation, Präparation und Desinfektion im Kanal“. Die Vorträge „Vertikale Wurzelfraktur und ihre Konsequenz„ und „Kanalverschluss – die biologische Obturation des Wurzelkanals“ wurden von Prof. Thomas Bernhart und DDr. Johannes Klimscha präsentiert.

Klimscha betonte schon zu Beginn seines Vortrags, dass der definitive Verschluss des präparierten und desinfizierten Wurzelkanalsystems nur ein wichtiger Schritt in der langen Kette einzelner Maßnahmen ist. „Fehler und Unzulänglichkeiten bei der Diagnostik, der Keimarmut während der Behandlung, der Präparation der Zugangskavität, der Festlegung der Arbeitslänge und der Desinfektion lassen sich auch durch das beste Füllmaterial und die beste Fülltechnik nicht kompensieren“, führte der erfahrene Experte aus.

Methoden und Materialien

Die wesentlichen Anforderungen moderner Wurzelkanalfüllmaterialien sind die Biokompatibilität, gute Fließeigenschaften, gute Adhäsion an das Wurzeldentin, eine gute Penetration in die Dentintubuli, keine Veränderungen der Dentineigenschaften sowie keine Interaktion mit dem koronalen Füllungsmaterial und eine fehlende Resorbierbarkeit. „Ebenso wichtig sind jedoch auch die Eigenschaften der Dimensionsstabilität, der Sterilisierbarkeit, die leichte Entfernbarkeit sowie Sicherheit, dass keine Zahnverfärbungen entstehen können, die Röntgenopazität und im besten Fall auch Stimulation der Heilung“, unterstrich Klimscha. Leider ist derzeit noch kein Füllmaterial verfügbar, das alle Anforderungen gleichermaßen erfüllt.

In diesem Rahmen stellte der Referent auch die Anwendung von Biokeramiken vor. Biokeramiken sind anorganische, nichtmetallische, keramische Materialien, die in der Orthopädie und Zahnheilkunde eingesetzt werden. Neben ausgezeichneter Biokompatibilität haben diese Materialien zusätzlich den Vorteil, chemisch stabil zu sein und in Abhängigkeit von ihrer Zusammensetzung ähnliche Eigenschaften wie das zu ersetzende Gewebe zu besitzen.

Diagnose bestimmt die Therapie

„Voraussetzung für die direkte Überkappung sind ein positiver Sensibilitätstest, Symptomfreiheit, die vollständige Entfernung des kariösen Restdentins sowie eine Hämostase innerhalb eines adäquaten Zeitraums von maximal fünf Minuten“, untermauerte der Endodontologe. Dabei ist jedoch ein möglicher Bakterienübertritt mit anschließender irreversibler Pulpitis niemals auszuschließen. Ein Sensibilitätstest nach einer Woche, einem Monat und in weiterer Folge nach drei und sechs Monaten sowie nach einem Jahr mit Bissflügel- und Kleinbildröntgen sind obligatorisch.

Unterschiedliche Themen gestalteten den zweiten Vortragsblock am Samstag: Den Start machte Dr. Jürgen Weiler mit seinem Vortrag „Direkt individuelle Glasfaserstifte und Aufbauten mit glasfaserverstärktem Komposit“. Wer sich anschließend über „Die adhäsive Endokrone – Prä- und postendodontische Möglichkeiten“ informieren wollte, war im Vortrag von Dr. Herbert Dietrich gut aufgehoben.

Kompromisse und Grenzen in der Endodontie

Abschließend waren es Dr. Karl Schwaninger und Dr. Andrea Albert-Kiszely, niedergelassene Zahnärzte in Wien, mit ihrem Vortrag „Der „Endo-Paro-Implantat Algorithmus“ – Zusammenspiel der Lösungen“ sowie Univ.-Doz. Christof Pertl mit seinem Referat „Endodontische Herdsanierung – wann, wie und ob überhaupt“, die mit immer wieder eingestreuten Praxistipps und Erklärungen das Publikum begeistern konnten.

Den Abschluss des diesjährigen Wintersymposiums am Semmering machten Dr. Matthias Holly und DDr. Johannes Klimscha mit ihrem Workshop „Lösungen in der Endodontie – Choose your endo solution“. Die Fähigkeiten moderner Wurzelkanalinstrumente sind stetigen Verbesserungen unterworfen. Die Grenzen der Belastbarkeit werden dabei immer weiter ausgedehnt, einerseits durch ständige Materialerneuerungen, andererseits durch die Entwicklung intelligenter Bewegungsabläufe. Die Handhabung durch den Zahnarzt ist allerdings weiterhin der Hauptfaktor für die effiziente Kanalpräparation. Das Ziel dieses Kurses war somit, das Auswählen der adäquaten Feilentypen und das Einüben der richtigen praktischen Anwendung zu erlernen beziehungsweise zu optimieren.

Quelle: Wintersymposium Semmering 2016 der Zahnärzte Niederösterreichs, am 15. und 16. Jänner im Hotel Panhans am Semmering

Philipp Kaiser, Zahnarzt 4/2016

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben