zur Navigation zum Inhalt
 
Zahnheilkunde 18. August 2005

Neues aus dem Bereich der Hygiene

Personalschutz und Abfallhygiene: ein Überblick über aktuelle Probleme und Entwicklungen

Für die Hygiene in der Zahnarztpraxis spielt die korrekte Desinfektion der Hände eine äußerst wichtige Rolle. „Nach meiner Erfahrung können sich etliche Zahnärzte und Assistentinnen allerdings nicht vorstellen, dass beim Ausziehen der Handschuhe die Hände kontaminiert werden und daher desinfiziert werden müssen“, so Prof. Dr. Franz F. Reinthaler, Hygiene-Institut der Universität Graz. Zu bedenken sei auch, dass ein gewisser Prozentsatz der Handschuhe schon primär löchrig ist und im Lauf der Behandlung die Defektrate natürlich noch weiter zunimmt. Daher müssen vor dem Anziehen und nach dem Ausziehen der Handschuhe die Hände desinfiziert werden. Ein häufiger Fehler besteht dabei darin, dass eine zu geringe Menge des Desinfektionsmittels verwendet wird. Auch Benetzungslücken sind häufig, betroffen sind vor allem Daumen, Fingerkuppen und Handrücken.
Wichtig ist, dass das Desinfektionsmittel nicht auf vom Händewaschen noch nasse Hände aufgetragen wird, da dies die Haut schädigt. Generell sind laut Reinthaler durch die Verwendung von Handschuhen mit guter Qualität beziehungsweise puderfreien Handschuhen Hautprobleme seltener geworden. Zu wenig Beachtung wird nach seiner Erfahrung der Hautpflege (nach der Arbeit) geschenkt. Empfehlungen zur Händedesinfektion, die im letzten Jahr in der Zeitschrift „Hygiene und Medizin“ (Heft 4; S. 129–133) publiziert wurden, besagen, dass für Hautschutz und Hautpflege grundsätzlich nur Präparate mit experimentell und/oder klinisch geführtem Nachweis ihrer deklarierten Effektivität anzuwenden sind. Als Beispiel wird die Neutrogena-Hautcreme angeführt. Zudem sollten die Inhaltsstoffe im Hinblick auf ihre Allergenität überprüft sein, und es sollten duftfreie Produkte bevorzugt werden.

Vorsorgemaßnahmen

Ein großes Problem stellt nach wie vor der Personalschutz dar. Manche Assistentinnen arbeiten oft lange Zeit in der Ordination, ohne gegen Hepatitis B geimpft zu sein (die Impfung wird kostenlos von der AUVA angeboten). Weiters werden bei Arbeiten, bei denen Aerosole entstehen können, zu selten Schutzbrillen und Mundschutz beziehungsweise eine Gesichtsmaske verwendet. Wichtig ist auch, die Verkeimung von wasserführenden Einheiten zu bekämpfen. „Zur Reduktion der Keimzahlen sollte man grundsätzlich täglich vor Behandlungsbeginn sowie darüber hinaus nach Stagnationszeiten das Wasser einige Minuten ablaufen lassen“, empfiehlt Reinthaler.
Im Bereich der Abfallhygiene ist es durch die neue Deponieverordnung (seit 1.1.2004 in Kraft, allerdings haben mehrere Bundesländer einen Aufschub beantragt) zunächst einmal in der Steiermark zu Veränderungen bei der Entsorgung medizinischer Abfälle gekommen, die noch wenig bekannt sind. Aufgrund der Deponieverordnung muss der überwiegende Anteil der bisher auf Deponien abgelagerten Abfälle vorbehandelt werden. Die Steiermark setzt dabei stark auf die mechanisch-biologische Aufbereitung.
Medizinische Abfälle der Gruppe 2 (Abfälle, die nur innerhalb des medizinischen Bereiches eine Infektions- oder Verletzungsgefahr darstellen können, jedoch nicht wie gefährliche Abfälle entsorgt werden müssen, z. B. Handschuhe, Tupfer oder Kanülen) dürfen nicht in solche Anlagen gelangen. Gruppe-2-Abfälle ohne Verletzungsgefahr müssen in auffallend gekennzeichneten Behältern (z. B. orangen Säcken) gesammelt werden und dürfen nicht mehr zum Restmüll gegeben werden. Abfälle mit Verletzungsgefahr sind in stich- und bruchfesten Einwegbehältern zu sammeln, die dann fest verschlossen als eigene Fraktion an den Abfallsammler weiterzugeben sind.
Wenn der Abfallsammler den Restmüll ohne weitere Aufbereitung in eine Abfallverbrennungsanlage verbringt, können medizinische Abfälle der Gruppe 2, die keine Verletzungsgefahr darstellen, in der Steiermark weiterhin gemeinsam mit dem Restmüll entsorgt werden. Sie sind in auffallend gekennzeichneten Säcken zu sammeln und zu entsorgen. Abfälle mit Verletzungsgefahr müssen in stich- und bruchfesten Einwegbehältern gesammelt werden, die Behälter sind gut verschlossen als eigene Fraktion an den Abfallsammler weiterzugeben. Reinthaler: „Nicht vergessen sollte man auch, (formlose) Aufzeichnungen über die Abfallmengen pro Tag oder Woche zu führen. Dieser Verpflichtung kommen bisher nur wenige Zahnarztpraxen nach.“

Weitere Infos: Fachbuch „Hygiene, Mikrobiologie und Risikomanagement in der Zahnarztpraxis“, herausgegeben von Prof. Dr. Franz F. Reinthaler und Prof. Dr. Gebhard Feierl. Preis: EUR 29,80,-erscheint im Frühjahr im Verlag Classic
Tel: 0316/699 870-0, Fax: 0316/699 870-30, E-Mail:

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben