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Zahnheilkunde 18. August 2005

Hygiene-Intensivkurs in Salzburg

Insgesamt 45 Teilnehmer aus ganz Österreich fanden sich am 21. und 22.11.2003 im Salzburger Hotel Dorint ein, um einen Hygienekurs für Helferinnen und ZahnärztInnen zu absolvieren. Sie wurden von den Grazer Hygiene-Experten unter der Leitung von Prof. Dr. Franz F. Reinthaler souverän durch die eineinhalb Veranstaltungstage geführt.

15 Jahre Erfahrung

Das bewährte Team kann mittlerweile auf 15 Jahre Erfahrung aus über 400 Begehungen von Zahnarztpraxen (im Rahmen der freiwilligen Hygienestatus-Erhebungen) zurückblicken. Die Vortragenden sind ausgewiesene Experten, die ihr Wissen nicht nur in Kursen weitergeben, sondern es auch in einem Fachbuch zusammengefasst haben, das im Frühjahr 2004 erscheinen wird („Hygiene, Mikrobiologie und Risikomanagement in der Zahnarztpraxis“, Subskriptionspreis EUR 24,80, Verlag Classic, Tel. 0316/699 870-0).
Als Sponsor der Veranstaltung fungierte Austrodent; zusätzlich betreute der Austrodent-Regionalleiter für Oberösterreich und Salzburg, Prok. Rudolf Gradl, die Tischausstellung. WEHADENT stellte das nun abgerundete Geräteprogramm von Assistina über Lisa und DAC 2000 (für Hand- und Winkelstücke) vor.

Der Unterschied

Worin lag nun der Unterschied zu anderen Hygiene-Fortbildungsveranstaltungen? Zum einen waren überraschend viele ZahnärztInnen gekommen, die damit ihrer Vorbildfunktion gerecht wurden. Ihre Fragen ermutigten die zahnärztlichen Assistentinnen, sich selbst vermehrt einzubringen. Zum zweiten wechselten sich die Vortragenden in den Themen und den verwendeten Medien auf erfrischende Weise ab, sodass niemals Langeweile aufkam. Weiters erhielten die TeilnehmerInnen ein komplettes Ausbildungsskriptum für Zahnarzthelferinnen, zusätzliche Vortragsunterlagen, nahmen an einem Multiple-Choice-Test teil und konnten in einem Fragebogen ein Urteil über die Veranstaltung abgeben. Viertens wurde versucht, Theorie und Praxis zu vereinen, indem etwa der „Feind“ sichtbar gemacht wurde. Auf einmal hatten die eigenen Bakterien ein Gesicht und nicht nur einen lateinischen Namen. Am ersten Nachmittag stand „Mikrobiologie zum Anfassen“ auf dem Programm. Die Aktivitäten trugen zum Abbau von Berührungsängsten bei und lockerten die Atmosphäre auf. Jeder/jede konnte vor und nach der hygienischen Händedesinfektion einen Handabklatsch vornehmen. Am nächsten Tag waren dann alle schon neugierig auf den Erfolg oder Misserfolg der Hygienemaßnahme. Ebenso eindrucksvoll wie die Misserfolge beim Abklatschtest war der Nachweis von Benetzungslücken bei der abermaligen Händedesinfektion. Das UV-Licht deckte die „Flüchtigkeitsfehler“ schonungslos auf.

In den Vorträgen wurden folgende Themen besprochen:

  • HBV, HCV, HIV, Schutzmaßnahmen, Immunprophylaxe
  • Handschuhe und Allergien
  • Aerosolproblematik; Absauganlage
  • Dentaleinheiten, technische Möglichkeiten zur Verringerung von Infektionsrisken, Trink- und Brauchwasserhygiene, Wasseraufbereitung
  • Allgemeine Infektionslehre
  • Händehygiene, Flächendesinfektion, Instrumentenaufbereitung
  • Spezielle Anwendungsprobleme: Hand- und Winkelstücke, technische Werkstücke und Abformungen, rotierende Instrumente
  • Abfallentsorgung
  • Änderungen bei Normen und neue Verordnungen

Wissensdefizit von Sterilisationsverfahren

Bei den Teilnehmern zeigten sich unter anderem Informationsdefizite hinsichtlich der praxisinternen Maßnahmen zur Qualitätssicherung des Sterilisationsverfahrens. Stand der Technik ist dabei laut Experten:

  • Täglicher Helix-Test, wenn Hand- und Winkelstücke sterilisiert werden
  • Täglicher Bowie&Dick(B&D)-Test, wenn poröse Beladungen sterilisiert werden
  • Wenn kein Helix- oder B&D-Test durchgeführt wird, erfolgt wöchentlich ein Vakuumtest
  • Prozessindikator auf jeder Sterilisiergutverpackung
  • Prozessverlaufskontrolle durch Ausdruck der Messwerte pro Charge oder Führung eines Sterilisationsjournals
  • Chargenkontrolle mittels Chemoindikator
  • Sichtkontrolle auf Unversehrtheit der Verpackung, auf ev. Kondensatrückstände (nach dem Sterilisationsvorgang als Teil der Freigabe) und Farbumschlag vor Einlagerung
  • Dokumentation und Aufbewahrung zehn Jahre
  • Lagerkontrolle an verpacktem Sterilgut (bez. Ablauffrist, abhängig von den Lagerungsbedingungen [offen oder geschützt])
  • Sollte keine Validierung des Sterilisationsprozesses durch eine Prüfstelle vorgenommen worden sein, empfiehlt sich zumindest alle sechs Monate ein Test mit einem Bioindikator (nicht Stand der Technik!)
  • Wartung durch den Betreiber/Anwender, chargen- oder intervallabhängig, lt. Herstellerangaben
  • Beauftragung der herstellerseitig vorgeschriebenen Wartungsarbeiten, die durch einen autorisierten Fachbetrieb vorgenommen werden (meist alle ein bis zwei Jahre)

Bewertung „sehr gut“

Natürlich ist auch bei einer gelungenen Veranstaltung noch Verbesserungspotenzial zu orten. Wünschenswert wäre etwa ein Skriptum mit allen Vorträgen, eine bessere Strukturierung bei komplizierten Themen (wie der künftigen Deponieverordnung), eine Zusammenfassung am Ende jedes Vortrages sowie die Wiederholung von Fragen aus dem Teilnehmerkreis durch den Vortragenden, bevor er sie beantwortet. Es sollten auch weniger Beispiele aus dem Krankenhausbereich und dafür mehr zahnmedizinische Problemstellungen und mehr Bildmaterial gebracht werden. Für den nächsten Intensiv-Kurs in Graz im Frühjahr 2004 signalisierte der Veranstalter bereits noch mehr Zielgruppenorientierung. Insgesamt kann der Kurs sicherlich mit „sehr gut“ benotet werden. Die Organisation war reibungslos, die Inhalte waren aktuell und kompakt, die Umgebungsbedingungen optimal, die Möglichkeiten zum Fragen mehr als ausreichend und das Klima zwischen Publikum und Referenten partnerschaftlich.

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