zur Navigation zum Inhalt
 
Zahnheilkunde 18. August 2005

Das Leben mit Humor zu betrachten, heißt nicht den Ernst zu verkennen

Sind wir wirklich so humor- und seelenlos, wie das oft behauptet wird? In Österreich leiden immerhin zirka 850.000 Menschen an Depressionen. Angsterkrankungen nehmen stark zu, und die auch durch emotionalen Stress ausgelösten Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen noch immer an erster Stelle der Todesursachen.

Humor führt zu kreativen Lösungen

Wir müssen endlich das Vorurteil überwinden, dass sich Genuss und Lebensfreude nicht mit einer gesunden und durchaus produktiven Lebensführung vereinbaren lassen. Allzu strenge Anforderungen bezüglich Verzicht und Selbstdisziplin verfehlen daher zumeist den Zweck und bleiben wirkungslos, wie das auch die Erfahrungen aus vielen Untersuchungen zeigen. Verbote und Angstinduktion sind demnach keine Motivationsbasis. Humor hingegen ist dafür ein wirksames und nebenwirkungsfreies Mittel. Menschen kommen durch Humor rascher, kreativer und motivierter zu Lösungen. Es kommt darauf an, sich von seinen Blockaden zu lösen und die Dinge mit heiterer Gelassenheit zu betrachten. Wer über sich selbst lachen und noch in den schwierigsten Situationen das Komische erkennen kann, eröffnet sich neue Möglichkeiten und Perspektiven. Wenn aber permanenter Druck überwiegt, bleiben Leistung, Persönlichkeit und Privatleben auf der Strecke. Mobbing und das gefürchtete Burn-out-Syndrom sind oft die Folge. Negativer Stress ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und in einer hoch technisierten Arbeitswelt das gesundheitliche Hauptproblem unserer Zeit. Die damit verbundenen Erkrankungen werden zunehmend zur Herausforderung.

Humor versus Ernst

Immer mehr Menschen zeigen bei Gesundheits-Check-ups vegetative Beschwerden. Daher wird es in Zukunft eine große Herausforderung sein, bewusst und ohne Scheu mit dem Thema „Humor versus Ernst“ umzugehen. Die neuesten Erkenntnisse der Emotionsforschung weisen eindrucksvoll nach, dass positive Gefühle nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Leistung fördern, die eigene genauso, wie die der Mitarbeiter. Wohl gelaunte Menschen werden von anderen als akzeptabler, kompetenter und vor allem als sympathisch wahrgenommen. Das wirkt sich nicht nur äußerst positiv auf ihre Patienten, sondern auch auf Kommunikationsabläufe und das Betriebsklima aus. Krankenstände werden dadurch drastisch reduziert. Wenn wir also mehr Humor zulassen, führt das zu einer verbesserten Lebensqualität für alle Be­teiligten. „Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern ihre Urteile und Meinungen über sie“ (Epiktet). Überdenken Sie doch einmal einige Ihrer Urteile und Meinungen – es ist unglaublich, was dabei herauskommen kann.

Dr. Andreas Kienzl, Zahnarzt 5/2005

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben