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Zahnheilkunde 17. August 2005

Ordinationsnachfolge in Wien

Sind Ablösen für Kassenpraxen überhaupt bezahlbar?

Ordinationsgründern jeder Art steht das gleiche finanzielle Unterfangen bevor. Neben den Anfangsinvestitionen sind auch die so genannten Anlaufverluste zu finanzieren, das alles mit relativ großer Ungewissheit über die zu erwartenden Umsätze. Zahnärzte sind mit relativ hohem Investitionsvolumen belastet, da moderne Technik teuer ist und der Patient natürlich auch gewisse Ansprüche an das Ambiente stellt. Wenn dann zusätzlich noch Ablösen zu finanzieren sind, kommt schon einiges zusammen.
In Wien sind die Ablösen für Kassenverträge mit einem Jahresdurchschnitt der letzten drei Abrechnungsjahre bestimmt. Die Grundlage des Schätzwertes ist eine gesamtvertragliche Vereinbarung zwischen der WGKK und der Kurie der Zahnärzte der Ärztekammer für Wien. Dieser Richtpreis kann individuell um zehn bis 15 Prozent nach oben oder unten abweichen. „Diese Größenordnung ist erstaunlich, zumal die Ablösen für Allgemeinmediziner und Fachärzte bei einem Drittel des Jahresumsatzschnitts liegen“, so Harald Reigl, Leiter des Competence Centers für Ärzte und Freie Berufe der Niederösterreichischen Landesbank – Hypothekenbank AG.

Keine geordnete Entschuldung möglich

Reigl ist täglich mit der Finanzierung von Neugründern beschäftigt und kennt dieses Problem. „Meistens handelt es sich um Ordinationen, die auf jeden Fall renoviert werden müssen. Auch die Geräte sind oft nicht „State of the Art“, EDV-Anlagen sind nicht oder nur in veralteter Form vorhanden. Investitionen in der Größenordnung zwischen 100.000 und 150.000 Euro sind dabei keine Seltenheit.“ Er hat für uns einmal eine Praxisübernahme in zwei Versionen durchgerechnet. Hierbei zeigt sich bereits, dass selbst bei der abgespeckten Minimalvariante unter Zugrundelegung der verlangten Ablöse keine geordnete Entschuldung möglich ist. Wenn der Zahnarzt innerhalb von einem Jahr den Umsatz des Vorgängers um 30 Prozent steigert, kann er trotzdem die Investitionen – bei fristenkonformer Finanzierung entsprechend der gewählten Abschreibungsdauer – nicht refinanzieren. Herkömmliche Berechnungsmethoden lassen immer nur die Größenordnung von einem Drittel zu, das liegt dann auch im Bereich des Finanzierbaren.

Horrende Forderungen

Reigl sieht das Problem im großen Interesse von Absolventen und Absolventinnen der Zahnklinik an Kassenverträgen, daher werden die horrenden Forderungen auch meistens bezahlt. „Diese Finanzierungen beziehungsweise Planrechnungen können dann nur mit einer stark verlängerten Laufzeit dargestellt werden. Das dicke Ende kommt dann nach fünf bis zehn Jahren, wenn die Geräte, Einrichtung und Ablöse abgeschrieben sind, aber die Kredite noch in voller Blüte zu finanzieren und vor allem noch zu tilgen sind.“ Mag. Peter Ibaschitz, Leiter der Abrechnungsstelle der Kurie Zahnärzte der Wiener Ärztekammer hält die Regelung für plausibel: „Ein Zahnarzt hat viel mehr betriebstechnische Auflagen verbunden mit entsprechenden Investitionen wie Amalgamabscheider, Röntgenkonstanzprüfung, laufende Überprüfung aller Elektrogeräte und -installationen sowie Abwasser-emission und Investitionsbedarf für die Ausstattung als jeder andere Arzt.
Mindestens zwei Stühle, Panoramaröntgen, Kleinbildröntgen, Entwickler, Handinstrumentarium und chirurgisches Instrumentarium sind notwendig. Nur Fachärzte für Labordiagnostik und Radiologie haben höhere Investitionskosten. Bei Übernahmen handelt es sich um voll ausgestattete Ordinationen, in denen der Übernehmer sofort weiterarbeiten kann.“ Wenn aufgrund behördlicher Auflagen ein zusätzlicher Investitionsbedarf besteht, um die Praxis weiterführen zu können, würde dieser ohnehin von der Ablöse abgezogen.

Michael Diehlmann, Zahnarzt 6/2004

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