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Zahnheilkunde 17. August 2005

Verlust eines Zahnes bei Kronenbeschliff

Eine Patientin begehrte von ihrer Zahnärztin die Zahlung von Schmer­zengeld mit der Begründung, diese habe den sechsten unteren Zahn rechts zum Zwecke der späteren Überkronung abgeschliffen; der Zahn sei bereits wurzelbehandelt gewesen. Noch am selben Abend habe die Klägerin massive Schmerzen bekommen. Die eitrige Schwellung habe eine Operation erforderlich gemacht. Es seien zusätzliche Komplikationen aufgetreten. Die Zahnärztin habe die Behandlung nicht kunstgerecht durchgeführt, sie nicht über die mit dem Eingriff verbundenen Risiken und schon gar nicht über so schwer wiegende Folgen infektiöser Prozesse und den möglichen Zahnverlust aufgeklärt. Bei regelgerechter Aufklärung wäre die Patientin das Risiko des medizinisch nicht unbedingt notwendigen Eingriffs nicht eingegangen.
Die beklagte Zahnärztin wendete ein, sie habe auf Wunsch der Klägerin im Hinblick auf die von der Klägerin gewünschte Generalsanierung ihres Gebisses einen Zahnstatus angefertigt. Der fragliche Zahn sei tief kariös, aber noch vital gewesen. Man hätte entweder den Zahn extrahieren oder beginnend mit Kariesentfernung und anschließender Wurzelbehandlung den Erhalt des Zahnes versuchen können. Die Klägerin sei umfassend mündlich aufgeklärt worden, auch über Behandlungsalternativen und die jeweiligen Risken. Ihr habe bereits der Zahn 37 gefehlt, bei Extraktion auch des Zahnes 36 wäre die vergrößerte Lücke nicht mehr mit einer Brücke zu versorgen gewesen. Die Behandlung sei für die behaupteten Spätfolgen nicht kausal gewesen.

Typisches Risiko bei einer Wurzelbehandlung

Dazu der Oberste Gerichtshof: Die bei der Klägerin eingetretene Entzündung der Wurzelspitze um eine typische Reaktion (gemeint: ein typisches Risiko) bei einer derartigen Wurzelbehandlung. Zum Zeitpunkt der von der Klägerin als schadenskausal behaupteten Behandlung war für die Zahnärztin nicht vorhersehbar, dass noch eine entzündliche Komplikation auftreten werde. Es ist Aufgabe der ärztlichen Aufklärung, dem Patienten die für seine Entscheidung maßgebenden Kriterien zu liefern und ihn in die Lage zu versetzen, die Tragweite seiner Einwilligung zur Behandlung beziehungsweise zum Eingriff zu überschauen – sowie auf allenfalls bestehende alternative Behandlungsmethoden hinzuweisen. Derartige Fragen stellten sich aber bei der am konkreten Behandlungstag durchgeführten Fortsetzung der zahnerhaltenden Maßnahmen durch die Zahnärztin gar nicht mehr. Als Alternative wären nur das Ziehen des Zahns und der nachfolgende Einsatz eines Implantats in Betracht gekommen. Damit bestand zum fraglichen Zeitpunkt eine echte Wahlmöglichkeit für die Patientin nicht mehr, da damals mit dem Auftreten einer entzündlichen Komplikation nicht nur für die Zahnärztin, sondern ganz generell nicht mehr zu rechnen war. Das Höchstgericht verneinte daher den eingeklagten Schmerzengeldanspruch, da die Zahnärztin lege artis gehandelt hat und ihr auch kein Aufklärungsfehler vorzuwerfen ist.

Mag. E. Kotschy, Zahnarzt 5/2005

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