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Zahnheilkunde 17. Februar 2006

Verlust von Zähnen als dauernde Invalidität?

Der Kläger stürzte mit dem Gesicht gegen die Bordwand eines Krans und erlitt eine Verletzung der oberen Schneidezähne. Die Zähne 11, 12, 21 und 22 wurden gelockert, die Zähne 11, 12 und 22 außerdem frakturiert. Der Zahn 11 musste infolge einer begleitenden Eiterung extrahiert werden. Die Verletzungen wurden mit einer dreistelligen Brücke von Zahn 12 auf Zahn 21 und einer Porzellankrone auf Zahn 22 (sowohl) kosmetisch und ästhetisch (nahezu) als auch kauphysiologisch zu 100 Prozent (vorerst) rehabilitiert. Aufgrund dieser Unfallfolgen begehrt der Kläger von der Unfallversicherung eine Dauerinvaliditätsentschädigung, da er nunmehr eine Brücke im Bereich der oberen Schneidezähne tragen müsse.

Funktionsfähigkeit der Zähne

Für den Obersten Gerichtshof ist Zahnverlust dann vom Versicherungsschutz umfasst, wenn dieser die körperliche Funktionsfähigkeit nach medizinischen Gesichtspunkten beeinträchtigt. Von einer vollständigen Restauration der Funktionsfähigkeit des Zahnes kann dann nicht gesprochen werden, wenn der Zahn durch einen Kunstzahn ersetzt werden muss. Der Verlust einer Zahnwurzel ist ein irrevisibler Schaden. Der Invaliditätsgrad lässt sich bei gänzlichem oder teilweisem Verlust von Zähnen nicht nach der Gliedertaxe bestimmen, weshalb bei Bemessung der Leistung maßgebend ist, inwieweit die körperliche oder geistige Funktionsfähigkeit nach medizinischen Gesichtspunkten immer noch beeinträchtigt ist. Die unfallskausalen Verletzungen „vor der Sanierung der Zähne“ haben eine Invalidität des Klägers von vier Prozent verursacht. Die Versicherungsbestimmungen enthalten einen Risikoausschluss dahingehend, dass aus dem vertraglichen Unfallrisiko die Folge der dauernden Invalidität ausgenommen wird, sofern sie sich nicht innerhalb eines Jahres vom Unfalltag an gerechnet „ergibt“. Veränderungen des Gesundheitszustandes nach diesem Stichtag spielen keine Rolle mehr.

Mit dreistelliger Brücke rehabilitiert

Im vorliegenden Fall ist jedoch keine dauernde Invalidität des Klägers bis zum Ablauf eines Jahres ab dem Unfalltag eingetreten, da die gegenständlichen Verletzungen mit einer dreistelligen Brücke von Zahn 12 auf Zahn 21 und einer Porzellankrone auf Zahn 22 kosmetisch und ästhetisch (zu nahezu 100 Prozent), aber auch kauphysiologisch (zu 100 Prozent) rehabilitiert wurden; eine Erneuerung dieser Restauration wird bei der derzeitigen Lebenserwartung des (zum Unfallzeitpunkt 43-jährigen) Klägers (zwar) zumindest vier Mal erforderlich sein, wobei eine neuerliche Restauration durch einen vorzeitigen Verlust eines Brückenpfeilerzahnes durch Einbezug der benachbarten Eckzähne umfassender erfolgen müsste; die Unfallfolge einer Invalidität des Klägers von vier Prozent hat aber lediglich „vor Sanierung der Schäden“ bestanden. Der an sich gegebene Dauerzustand konnte durch medizinische Maßnahmen nicht nur zeitweise, sondern auf Dauer behoben oder gebessert werden. Mangels bestehender „dauernder Invalidität“ hat das Höchstgericht den Anspruch des Klägers abgewiesen und festgehalten, dass der Kläger auch dann keinen Anspruch auf Invaliditätsleistung hätte, wenn eine Beeinträchtigung der sanierten Zähne in Zukunft eintreten sollte.

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