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Zahnheilkunde 17. August 2005

Kieferverletzungen nach Snowboardunfall

Zum Sachverhalt: die Klägerin wurde nach einem Snowboardunfall in ein Landeskrankenhaus eingeliefert und dort behandelt. Bei dem Unfall hat die Klägerin ein Schädel-Hirn-Trauma mit Gehörgangläsion rechts, eine UK-Fraktur paramedian rechts mit Trümmerzone, eine UK-Capitulumfraktur rechts, einen Verlust der Zähne 41 und 42 sowie eine Rissquetschwunde am Kinn und an der Gingiva 41 und 42 erlitten. Noch am Tag der Einlieferung wurden auf der Intensivstation Konsilien der HNO-Abteilung und der kieferchirurgischen Abteilung durchgeführt. Zwei Tage danach wurde eine Behandlung in der klinischen Abteilung für MKG-Chirurgie angesetzt; dabei sollte in Allgemeinnarkose die Plattenosteosynthese im Kinnbereich, die Schienung und intermaxilläre Verschnürung vorgenommen werden.

Konservative versus operative Behandlung

Am Tag vor der Operation klärte der Oberarzt die Patientin über die geplante Behandlung auf. Er sprach mit der Klägerin über die grundsätzlichen Behandlungsmöglichkeiten der Capitulumfraktur rechts und der paramedianen Unterkieferfraktur, und zwar über eine konservative und eine operative Behandlung. Der Arzt zeigte auch die Risken der operativen Behandlung auf, dass es nämlich zu Narben durch die Zugänge kommt, dass es zu Nachblutungen und einer erhöhten Infektionsgefahr im Bereich der Operationsstellen kommen kann und dass Gefühlsstörungen im Operationsgebiet beziehungsweise, wenn größere Nerven betroffen würden, auch Gefühlsstörungen in deren abhängigem Gebiet auftreten können. Hinsichtlich der konservativen Methode wurde die Klägerin dahin aufgeklärt, dass beim Vorliegen einer schweren Verstellung oder Verschiebung der Brücke die konservative Behandlung diese nicht so bewirken kann, dass die Verstellungen behoben werden, was allerdings nicht zwingenderweise nachteilige Folgen nach sich ziehen muss. Bei dem Aufklärungsgespräch verwendete der Arzt auch ein Aufklärungsblatt in Form eines vorgefertigten Formulars des beklagten Landeskrankenhauses. Der aufklärende Arzt hat dieses Aufklärungsblatt im Zuge des Gespräches mit der Klägerin ausgefüllt, wobei er sie über jene Punkte, die er festgehalten hat, auch tatsächlich mündlich aufgeklärt hat. Es konnte nicht festgestellt werden, dass sich die Klägerin zum Zeitpunkt der Aufklärung in einem Zustand befunden hätte, in dem sie die Aufklärung nicht richtig verstanden hätte.

Einverständniserklärung

Die Klägerin hat das ausgefüllte Aufklärungsblatt durchgelesen, keine weiteren Fragen gestellt und sich mit der vorgeschlagenen Behandlung, wie sie in der Folge durchgeführt wurde, einverstanden erklärt und das Aufklärungsblatt unterfertigt. Demnach wurde die Klägerin operativ in nasotrachealer Intubationsnarkose versorgt, wobei die bestehende paramediane Unterkieferfraktur mit Plattenosteosynthesen und Osteosyntheseschrauben stabilisiert wurde. Weiters wurden im OK und UK Kunststoffschienen eingebunden und abschließend die intermaxilläre Situation modellgerecht durchgeführt. Auf eine operative Revision der vorhandenen Capitulumfraktur rechts wurde verzichtet. Die von den Ärzten an der Klägerin durchgeführte Behandlung ist sachgerecht, nicht veraltet und zeitgemäß. Sowohl bei der konservativen als auch bei der operativen Therapie am Kiefergelenk ist eine Bewegungstherapie im Sinne einer funktionellen Nachbehandlung erforderlich.
Auf Grund des vorliegenden Krankheitsverlaufes hätte mit größter Wahrscheinlichkeit trotz sofortiger operativer Korrektur die bei der Klägerin schicksalshaft aufgetretene Ankylosierung nicht verhindert werden können, sondern wäre womöglich noch gar beschleunigt worden. Eine Fraktur ist immer ein dringlicher Eingriff, bei der Klägerin lag sogar eine doppelte Fraktur vor. Das Höchstgericht hielt fest, dass sowohl die Behandlung sachgerecht und fehlerfrei durchgeführt wurde als auch die Klägerin trotz ihrer schweren Verletzung umfassend über die Risken der Heilbehandlung aufgeklärt worden sei, weshalb auch eine Verletzung der Aufklärungspflicht nicht vorliege. Denn im vorliegenden Fall wurde nicht nur angesichts der Dringlichkeit der Operation eine dennoch umfassende, alle Risken aufzeigende Aufklärung durch den behandelnden Arzt nachgewiesen. Ist dieser also seiner Beweislast nachgekommen, wäre es eine Überspannung der Aufklärungspflicht, diesem auch noch eine Aufklärungspflicht über mögliche schicksalhafte Krankheitsfolgen aufzubürden. Die Ankylosierung ist allerdings nach den Feststellungen schicksalhaft als Folge des Unfalls, nicht aber als Folge der Behandlung aufgetreten, weshalb der OGH der Klage gegen das Krankenhaus keine Folge gab.

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