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Zahnheilkunde 17. August 2005

Der Umgang mit Angstpatienten

Ihre gesellschaftliche Verbreitung hat die Angst vor dem Zahnarztbesuch häufig zum Gegenstand von Komik und Karikatur gemacht und vielfach dafür gesorgt, dass sie oft verharmlost oder gar ins Lächerliche gezogen wird. Von Seiten der Zahnärzte ist einem solchen Umgang mit der Angst entschieden entgegenzutreten. Zunächst einmal verhindert jede Form von Angst, dass der Patient Vertrauen zum Behandler beziehungsweise zur Therapie fasst und sich positiv mit der Ordination identifiziert. Des Weiteren tritt die Angst bei einem Teil der Patienten als regelrechtes Krankheitsbild in Form einer Phobie auf. Gleich wie stark die Angst des Patienten vor der Behandlung ist – der Zahnarzt steht vor der Herausforderung, sie zu erkennen, sie ernst zu nehmen und wirkungsvoll zu behandeln. Obgleich es „den Angstpatienten“ wohl kaum gibt – reichen doch die Ausprägungen der Angst vom leichten Unbehagen bis hin zu schwersten Krankheitszuständen mit phy­sischen Begleiterscheinungen (Schweißausbrüche, Übelkeit etc.) –, kann die Ordination in vielen Fällen durch geeignete Maßnahmen wie z. B. durch ein adäquates Ordinationsambiente, durch einen einfühlsamen Umgang mit dem Patienten und besondere Behandlungstechniken beziehungsweise Therapie-unterstützende Verfahren die Angst wirkungsvoll reduzieren und damit den Behandlungserfolg sicherstellen.

Ursachen der Angst und Verhaltensmuster

Die Angst des Patienten vor dem Zahnarzt hat eine Reihe von Ursachen, die entweder einzeln oder in Kombination auftreten, wie z. B.:

  • Erwartungsangst ist die sicherlich häufigste Form der Angst vor dem Zahnarzt. Der Patient erwartet eine schmerzhafte Behandlung mit allen unangenehmen Begleiterscheinungen wie typischer „Zahnarztgeruch“, Bohrgeräusche, postoperative Beschwerden. Diese Angst wird oft beim Anblick der zahnärztlichen Instrumente (Bohrer, Betäubungsspritze etc.) noch gesteigert.
  • Angst des Patienten kann auch aus einem Schamgefühl heraus entstehen, jemand Fremdem seine kranken oder ungepflegten Zähne zeigen und sich diesbezüglich unter Umständen tadeln lassen zu müssen.
  • Erzählungen dritter Personen über besonders schmerzhafte oder unangenehme Behandlungen oder sonstige negative Begleiterscheinungen werden auf die eigene Person projiziert.
  • Traumatische Erlebnisse aus der Vergangenheit wie z. B. negative Kindheitserlebnisse beim Zahnarzt bilden die Grundlage für das (Negativ-)Bild, das sich der Patient von der zahnärztlichen Behandlung macht.
  • Der Verlust der Selbstkontrolle ist ebenfalls ein starkes Motiv, Angst zu empfinden und wird bedingt durch das vermeintliche Ausgeliefertsein gegenüber dem Behandler oder aber auch durch die „Angst vor der Angst“.

Meist äußert sich die Angst des Patienten durch spezifische Verhaltensmuster. Besonders häufig ist ­zum Beispiel ein Vermeidungsverhalten erkennbar: Der Patient vermeidet zahnärztliche Kontrolluntersuchungen aus Angst, der Zahnarzt könnte „vielleicht etwas finden“, sagt wiederholt Behandlungstermine kurzfristig ab oder schiebt diese so lange hinaus, bis die Schmerzen unerträglich geworden sind. So ist es kaum verwunderlich, dass in der Gruppe der so genannten „Schmerzpatienten“ überdurchschnittlich viele Angstpatienten zu finden sind. Somit weitet sich die Angst vor dem Zahnarzt zum Teufelskreis aus, den der Patient nur mit professioneller Hilfestellung des Zahnarztes durchbrechen kann.

Vertrauen ist das A und O!

Grundlage für einen angstfreien Besuch der Ordination ist, dass der Patient Vertrauen fasst und sich positiv mit dem Zahnarzt und der Behandlung identifiziert. Um dieses Vertrauen zu schaffen, sind ein positiver erster Eindruck und ein partnerschaftlicher Umgang gerade bei Angstpatienten unerlässlich. Für den Patienten, der besonders große Angst vor dem Zahnarztbesuch empfindet, ist oft schon der Griff zum Telefonhörer für eine Terminvereinbarung eine kaum zu bewältigende Herausforderung. Umso wichtiger ist es, die Rezeption durch eine geschulte, freundliche Telefonkraft mit einer angenehmen und Vertrauen erweckenden Telefonstimme zu besetzen. Für Patienten, die den Kontakt per Telefon scheuen, ist die Terminvereinbarung per E-Mail eine sinnvolle Alternative. Auch sollte dem Patienten bereits bei der Terminvereinbarung die Möglichkeit gegeben werden, sich als Angstpatient zu erkennen zu geben. Sucht der Patient die Ordination zum ersten Mal auf, sollte er bereits beim Betreten der Räume den Eindruck haben, dass er hier ernst genommen wird. Die freundliche Begrüßung mit Namen gehört ebenso dazu wie die Begleitung ins Wartezimmer und ins Sprechzimmer. Im Sprechzimmer sollte gerade ein Angstpatient niemals allein gelassen werden. Partnerschaftlicher Umgang trägt weiter dazu bei, Ängste auf Seiten des Patienten abzubauen. Ein schrittweises Vorgehen in mehreren Sitzungen ist hierbei empfehlenswert. Es kommt zunächst darauf an, dem Patienten zu signalisieren, dass man ihn und seine Angst ernst nimmt. Ein ausführliches Erstgespräch, in dem der Patient offen über seine Angst sprechen kann, ist dafür der erste Schritt. Die Angst herunterzuspielen ist hier ebenso fehl am Platz wie dem Patienten über die Schmerzfreiheit der Behandlung falsche Versprechungen zu machen oder ihn gar aufgrund des schlechten Zustandes seiner Zähne zu tadeln. In den folgenden Sitzungen sollte der Patient langsam an die Behandlung herangeführt werden. Ein stufenweises Modell für Angstpatienten könnte z. B. wie folgt aussehen:
1. Sitzung: Erstgespräch mit Schilderung der Angst und Ursachenforschung
2. Sitzung: Untersuchung des Patienten und Behandlungsplanung
3. Sitzung: Entfernung von Zahnstein/PZR
4. Sitzung: Eigentliche zahnmedizinische Behandlung

Von entscheidender Bedeutung ist es, den Patienten über jeden einzelnen Schritt genau zu informieren und ihm die Möglichkeit zu geben, mit zu entscheiden. Ein Mittel, den Patienten zu beteiligen, ist z. B. die so genannte „Ampelhand“: Hebt der Patient die Hand, unterbricht der Zahnarzt die Behandlung sofort. Dies verzögert zwar den Fortgang der Therapie, hat aber zur Folge, dass der Angstpatient die Sicherheit gewinnt, dass er den Behandlungsverlauf kontrollieren kann. Neben der Vorbereitung stellt auch die zahnmedizinische Behandlung des Angstpatienten besondere Anforderungen an die Ordination. Um den Behandlungserfolg von Angstpatienten sicherzustellen, bieten sich hier besondere Verfahren zur Angst und Schmerzreduktion sowie besonders schonende Therapieformen an.

Therapieunterstützende Verfahren

Zur Unterstützung der Behandlung von Angstpatienten existieren eine Reihe therapieunterstützender Verfahren, welche sich bei der Angst- oder Schmerzreduktion erfolgreich bewährt haben:

  • Musik- oder Spielfilmeinspielungen: Während der Behandlung hört der Patient per Kopfhörer entspannende Musik oder auch eine eigene CD mit Musik, die er selbst als angenehm empfindet. Auch die Einspielung von Spielfilmen über Videobrille wirkt in der Regel auf den Patienten angstmindernd.
  • Hypnose: Durch Hypnose wird der Patient in einen Trancezustand versetzt, in dem Schmerz- und Angstempfinden deutlich reduziert sind.
  • Akupunktur: Das punktgenaue Setzen der Nadeln dämpft Angst- und Schmerzempfinden der Patienten, oft wird durch diese Methode der Schmerz komplett ausgeschaltet.
  • Vollnarkose: Die Vollnarkose sollte aus medizinischen Gründen nur das letzte Mittel der Schmerz- und Angstbekämpfung sein, da sie stets einen erheblichen Eingriff in den Organismus des Patienten und damit auch ein gewisses Risiko bedeutet.

Schonende Therapien

Ein Weg, der über die unterstützenden Verfahren hinausgeht, ist es sicherlich, Behandlungsmethoden anzubieten, welche schmerzärmer und schonender ablaufen als die herkömmlichen Verfahren. In der Kariestherapie existiert bereits eine Vielzahl von Alternativen zum Bohrer – seien es kariesauflösendes Gel, Ozontherapie, kinetische Kavitätenpräparation oder auch der Laser. Gerade die Entwicklung des Dentallasers in den letzten anderthalb Jahrzehnten und die Begeisterung der Patienten über seine sanfte und minimalinvasive Arbeitsweise haben gezeigt, dass hier ein großes Potenzial besteht, vielen Patienten die Angst vor dem Zahnarzt zu nehmen.

Fazit

Natürlich bedarf es bei jedem Angstpatienten genauester Ursachenforschung und eines Höchstmaßes an Einfühlungsvermögen. Der Patient sollte unbedingt das sichere Gefühl haben, offen mit dem Behandler über seine Angst reden zu können und ernst genommen zu werden. Sind die Ursachen der Angst für den Zahnarzt leicht erkennbar – z. B. Angst vor Schmerzen –, reichen die hier vorgeschlagenen Maßnahmen sicherlich aus. Sitzt die Angst vor dem Zahnarzt tiefer, sollte dem Patienten langfristig unbedingt eine ambulante psychologische Behandlung im Sinne einer kognitiven Verhaltenstherapie empfohlen werden.

 

Thomas Fischer, Dipl.-Kaufmann
Sören Dumblus, Dipl.-Jurist
Eine Checkliste zum Thema „Angstpatienten“ kann gerne angefordert werden unter: New Image Dental –
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Tel: 0049/6731/94700–0 Fax: 0049/6731/94700–33
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