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Zahnheilkunde 16. Dezember 2015

Rot weiß rote Zahnfleischprobleme

Laut einer aktuellen Gallup-Umfrage leiden zwei Drittel der Österreicher unter Zahnfleischbluten. Nun starten Zahnärzte und Apotheker eine Aufklärungsoffensive.

Leicht verständliche Broschüren und Poster sollen die Österreicher dazu animieren, Zähnen und Zahnfleisch mehr Aufmerksamkeit zu schenken und vor allem die zahnärztlichen Kontrolltermine nicht zu vernachlässigen.

Nach der Online-Umfrage zum Thema Zahngesundheit* leiden 66 Prozent der befragten Österreicher zumindest gelegentlich unter Zahnfleischbluten. 51 Prozent gaben an, bei sich bereits Zahnfleischschwund bemerkt zu haben.

Die aktuelle Umfrage zeigt außerdem: 40 Prozent gehen nur zum Zahnarzt, wenn sie bereits Beschwerden haben. Gerade Zahnfleischbluten wird sehr lange ignoriert, bis endlich etwas dagegen unternommen wird: „Ab dem 40. Lebensjahr gehen mehr Zähne durch Zahnfleischerkrankungen als durch Karies verloren“, betont Dr. Corinna Bruckmann, Generalsekretärin der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie (ÖGP). Hinter dem vermeintlich harmlosen Zahnfleischbluten steckt in vielen Fällen Parodontitis. „Das Problem: „Insbesondere bei Zahnfleischproblemen vergeht oft wertvolle Zeit, bis diese überhaupt bemerkt werden“, so Bruckmann. Neben dem drohenden Zahnverlust erhöht Parodontitis auch das Risiko für Diabetes mellitus, das man laut der Expertin keinesfalls unterschätzen sollte: „Mehr als einem Drittel der Österreicher ist offenbar nicht bewusst, dass Zahngesundheit eine bedeutende Voraussetzung für die allgemeine Gesundheit ist.

Schnittstelle Apotheke

„Bei Beschwerden im Mundbereich ist in vielen Fällen die Apotheke die erste Anlaufstelle, da die Hemmschwelle der Betroffenen hier niedriger ist“, erklärt die Apothekerin Mag. pharm. Astrid Janovsky. „Daher ist uns die Aufklärung unserer Kunden über richtige Mundhygiene und gezielte Vorbeugung ein besonderes Anliegen.“ Die neue Broschüre „Gesundes Zahnfleisch“ enthält die wichtigsten Informationen und Tipps rund um Parodontitis-Vorsorge. Zusätzlich stehen jetzt Poster und ein Gesprächsleitfaden zu Zahnfleischerkrankungen für die Pharmazeuten zur Verfügung. „Bei Risikopatienten und akuten Beschwerden raten wir selbstverständlich dazu, möglichst rasch einen Zahnarztbesuch zur genauen Abklärung zu vereinbaren.“

Die Umfrage zeigte auch: Ältere Menschen sind häufiger wegen Zahnfleischproblemen in Behandlung als jüngere: 49 Prozent der 50plus-Generation saßen deswegen bereits mindestens einmal am Zahnarztstuhl (38 % bis 50 J., 32 % bis 30 J.). Bruckmann: „Mit den Jahren nutzen sich Zähne und Zahnschmelz durch Beißen, Reißen, Schleifen und Kauen, aber auch durch säurehaltiger Speisen und Getränke, ab. Zusätzlich lässt die Kaukraft nach, und die Mundschleimhaut verliert an Elastizität und Feuchtigkeit.“ Durch allgemeine Erkrankungen oder bestimmte Medikamente kann sich der Speichelfluss reduzieren. In der Folge treten mit den Jahren auch häufiger spezielle Mund- und Zahnkrankheiten auf. Bruckmann beruhigt: „Wer sich bewusst ist, dass der Alterungsprozess nun einmal Veränderungen für Zähne und Zahnfleisch mit sich bringt, kann selbst sehr gut vorbeugen. Mit entsprechender Prophylaxe ist es möglich, das Gebiss oder den Zahnersatz bis ins hohe Alter funktionsfähig zu erhalten.“

Angst vor dem Zahnarzt

Eine weitere ernüchternde Erkenntnis: 29 Prozent der Befragten haben so große Angst vor einem Zahnarztbesuch, dass sie ihn so lange wie möglich hinausschieben. Zahnarzt-Phobiker finden sich vor allem unter Frauen, Jüngeren und Personen mit geringerem Bildungsniveau. Oft etabliert sich diese extreme Panik bereits im Kindesalter, ängstliche Eltern sind kein gutes Vorbild. „Wer Angst vor dem Zahnarzt hat, sollte sich an Experten für eine schmerzlose und angstfreie Behandlung wenden. Immer mehr Zahnärzte bieten Möglichkeiten wie Hypnose, Lachgas oder auch Vollnarkose an“, sagt Bruckmann.

* Online-Umfrage unter 1.000 Österreichern, September 2015

Quelle: Pressekonferenz vom 28. Oktober 2015, Wien

Renate Höhl, Zahnarzt 12/2015

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