zur Navigation zum Inhalt
 
Zahnheilkunde 17. August 2005

„Der Körper ist ein Handschuh der Seele, seine Sprache das Wort des Herzens“

ZahnArzt: Sie betonen „Der Körper ist ein Handschuh der Seele, seine Sprache das Wort des Herzens“. Wie ist das zu verstehen?
MOLCHO: Jede innere Bewegung und jede Empfindung äußert sich durch körperliche Prozesse, die wir als Körpersprache sehen. – Und die positiven und negativen Empfindungen äußern sich in psychosomatischen Erscheinungen. Deshalb ist für mich der Körper ein Handschuh der Seele!

ZahnArzt: Man sagt, dass man sich in der Kunst des Redens üben kann – in der Kunst der „richtigen“ Körpersprache auch?
MOLCHO: Ja, Körpersprache kann man lernen: Dabei steht an erster Stelle die Überwindung eigener Blockaden, Ängste und Sorgen, die unsere Körpersprache zu einer defensiven und geschlossenen Bewegungsart machen. Vertrauen und positive Bewegungen sind lernbar, ein lockerer Energiefluss durch den Körper verbessert das eigene Gefühl und die Kommunikation mit der Außenwelt. Der eigene Körper schickt Signale aus, deren Wirkung wir uns nicht bewusst sind, aber das Gegenüber reagiert darauf. Wir sind nicht was wir meinen, sondern wie wir wirken.

ZahnArzt: Was läuft Ihrer Meinung nach im Gespräch zwischen Arzt und Patienten auf „körpersprachlicher Ebene“ ab?
MOLCHO: Das Wichtigste! – Der Mensch kommt mit seinen Schmerzen, Sorgen, Ängsten und Hoffnungen zum Arzt. Die akademische Medizin interessiert ihn weniger. Diese Empfindungen äußern sich durch seinen Körper und wenn der Arzt es nicht wahrnimmt, hat der Patient das Gefühl, dass man ihn nicht als Mensch, sondern als Objekt wahrnimmt. Und der Arzt seinerseits kann mit seinem Körper Empathie zeigen oder Leid oder auch bedrohend wirken, wenn er zum Beispiel zu schnell von oben nach unten auf den Patienten sieht.

ZahnArzt: Wie kann man als Zahnarzt mit Körpersprache darauf einwirken, die noch immer bei vielen Patienten vorherrschende Angst vor einer Behandlung abzubauen?
MOLCHO: An erster Stelle die Menschen verstehen und es auch zum Ausdruck bringen. Bei Patienten, die lange im Wartezimmer warten, sollte der Arzt – auch wenn nur für eine Minute – erscheinen und sie beruhigen. Ein seitlich geneigter Kopf und eine offene Hand helfen, das Vertrauen zwischen Arzt und Patienten zu gestalten; der gerade Kopf ist eine Konfrontationsstellung!

ZahnArzt: Und wie vermittelt man als Arzt unter Einsatz dieser nonverbalen Sprache wirksam Kompetenz?
MOLCHO: Zu beachten sind ein guter Kontakt zum Boden, flexible Körperbewegungen, offene Armbewegungen, die den Fluss der Energie und Kommunikation ohne Blockaden fließen lassen. Denn jede Unsicherheit ist mit Blockaden verbunden und äußert sich in einem gehemmten Bewegungsfluss.

ZahnArzt: Manche Menschen behaupten, dass der Gebrauch von erlernbaren Kommunikationstechniken, i. d. S. auch der bewusste Einsatz der Körpersprache, Manipulation ist. Wie sehen Sie das als Experte?
MOLCHO: Positiv! Denn wir funktionieren auf zwei Ebenen: der bewussten und der Empfindungs-Ebene. Beide setzen wir ein, um unsere Ziele zu erreichen. Und die Veränderung der Bewegung verändert auch die eigenen Empfindungen und die Denkart: Das heißt, dass wir auf diese Weise auch ein anderes inneres Angebot an unsere Mitmenschen zum Ausdruck bringen, da wir nun aus der neuen Position, in der wir uns befinden, weiterhandeln. Daher ist das Wort Manipulation durch ein gegenseitiges Wirken zu ersetzen.

Dr. A. V. Scheiderbauer, Zahnarzt 5/2005

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben