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Gernot Schuller, Geschäftsführer Ivoclar Vivadent Österreich & Osteuropa, eröffnete das Symposium.
©  Ivoclar Vivadent (2)

1.700 Teilnehmer folgten den Vorträgen und nutzten gerne die Gelegenheit, sich mit den Ausstellern auszutauschen.

 
Zahnheilkunde 16. Dezember 2015

Das war Competence in Esthetics

Neues aus der Welt der Implantologie, des Digital Smile Design und CAD/CAM, spannende Vorträge und heiße Diskussionen: Competence in Esthetics 2015 in Wien bot all das – und noch einiges mehr. Ein Nachbericht.

Bereits zum dritten Mal war Wien Schauplatz von „Competence in Esthetics“ von Ivoclar Vivadent und zum zweiten Mal fungierte Mal Nobel Biocare als Kooperationspartner dieses höchst erfolgreichen internationalen Events. Über 1.600 Teilnehmer aus 30 Nationen hatten sich im Vorfeld für den Kongress registriert, weitere 100 Kurzentschlossene kamen am Veranstaltungstag noch dazu.

Vor 10 Jahren hatte Gernot Schuller, Managing Director Österreich und Osteuropa Ivoclar Vivadent, die Idee zu einem englischsprachigen Kongress in Österreich. 2009 war es so weit, das erste Event ging in Wien über die Bühne. Es folgte eine Serie von Kongressen unter dem Titel „Competence in Esthetics“, die nicht nur im Austria Center Vienna (ACV) in Wien, sondern auch in Berlin, London, Zagreb, Budapest und Rimini stattfanden.

Fortbildung großgeschrieben

Fortbildung hat bei Ivoclar Vivadent Tradition. „Wir sehen es als Aufgabe und Pflicht, unseren Kunden nicht nur bewährte Materialen zur Verfügung zu stellen, sondern ihnen auch das nötige Know-how für die Verarbeitung und Technologie an die Hand zu geben“, erklärte Schuller, „sei es bei Kongressen oder im Rahmen von Kursen.“

Aus diesem Grund betreibt Ivoclar Vivadent weltweit Einrichtungen, die unter dem Namen ICDE geführt werden. ICDE steht für „International Center for Dental Education“ – seit einem Jahr existiert eine Einrichtung in Wien, die innerhalb des Konzerns zur besten ihrer Art weltweit gekürt wurde. Da das ICDE Vienna nur einen Steinwurf vom ACV gelegen ist, war es naheliegend, das parallel zum Kongress stattfindende Hands-on-Programm dort zu organisieren. 7 Kurse fanden im Rahmen der Veranstaltung statt und weitere 13 Live-Demonstrationen im Foyer des Kongresses. Dort präsentierten sich weitere 19 internationale Aussteller. Die Hauptbühne wurde von 18 Referenten aus 13 Nationen bespielt. Die Themen waren auf Digital-Smile-Design, CAD/CAM und Implant Solutions fokussiert, der Veranstaltung wurden 16 Fortbildungspunkte zugesprochen. Univ.-Prof. Dr. Gerwin Arnetzl führte durch das Programm, das divers, aber auch kontrovers war.

Implantologie und Chirurgie wagen sich an immer komplexere Fälle. „Die Lernkurve in der Implantologie war und ist steil“, stellte Dr. Peter Schüpbach im Rahmen seines Vortrages fest. „Man muss den Mut haben, die Misserfolge aus der Vergangenheit zu zeigen und daraus zu lernen“, behauptete Univ. Prof. Dr. Thomas Bernhard. „Nur so entwickelt man sich weiter.“ Er präsentierte selbstkritisch einige Fälle, deren Ergebnisse er mittels Video dokumentierte. „Fotos könnten mit einem Bildbearbeitungsprogramm gepimpt werden, Videos eben nicht“, sagte er.

Wie wichtig ist CAD/CAM, und wie viel Anteil hat diese Technologie bereits in der täglichen Praxis eingenommen? Geht es nach Dr. Vincent Arnetzl, ist die Entscheidung für oder gegen die digitale Technik vor der Planung zu treffen. Die Kriterien sind vor allem von den Materialeigenschaften abhängig. Eine Analyse der Parameter zeigt, dass größer nicht auch besser bedeutet, insbesondere beim E-Modul, dem Indikator für Elastizität. „Entweder digital oder analog“ ist die Conclusio von Arnetzl; er riet davon ab, beide Verfahren zu mischen.

Ganz anders stellt sich der Workflow für Dr. Urs Brodbeck und ZT Jürgen Seeger dar. Das Team pickt sich in den verschiedenen Arbeitsschritten das Beste aus beiden Welten heraus. „Digitale Abdrücke sind die Zukunft“, meinte Dr. Brodbeck, „aber aktuell noch nicht für den universellen Einsatz ausgereift.“ Bei der Fertigung von Mock-ups und Provisorien hingegen setzt Seeger auf die CAD/CAM-Technologie und die hierfür entwickelten Materialien wie Telio CAD und Zenostar. ZT Lee Culp aus den USA bezeichnet sich selbst als Mr. Digital. Als Zahntechniker müsse man sich entscheiden, ob man analog Zähne machen oder am Computer Zähne konstruieren wolle. „Beides ist Handwerk“, behauptete er. „CAD/CAM bietet immer eine Lösung. Ich kann IPS e.max pressen, aber auch fräsen.“ Culp ist der Meinung, dass die Evolution unaufhaltsam in Richtung digital gehe.

Wie sehr das Thema in der Praxis und im Labor Einzug gehalten hat, beweist auch die digitale Fotografie. Sie überbrückt Zeit und Raum zwischen Zahnarzt und Techniker. Bei der Teampräsentation von Ass. Prof. Dr. Marko Jakovac und ZT Michele Temperani zeigte sich, wie internationale Zusammenarbeit mithilfe der Digitaltechnik gelingen kann. „Ich bekomme Fotos und Videos von den Patienten, die ich studiere“, sagte Temperani. „Ich muss das Gefühl für den Menschen bekommen.“ Das Wax-up als Basis für die Planung und zur besseren Kommunikation mit den Patienten geht den weiteren Fertigungsschritten voraus. Temperani arbeitet analog und digital im eigenen Labor, nützt aber auch die Möglichkeit des Outsourcings an Wieland Precision Technology (WPT). Bei einem sehr berührenden Fall eines jungen Mannes zeigte sich, dass die Freude zufriedener Patienten zu Tränen rühren kann. Die Videoaufnahme bewegte das Auditorium, und Jakovac und Temperani erhielten Szenenapplaus für ihre hervorragende Leistung.

„Think Additive“ ist das Credo von Prof. Dr. Francesca Vailati. Die gebürtige Italienerin rockte schon vor zwei Jahren die Bühne. Ihre Leidenschaft für minimal-invasive Techniken war bis in die letzte Reihe spürbar. „Warum muss ich etwas wegnehmen, wenn ich etwas aufbauen will?“, fragte sie provokant ins Auditorium. Ihre Patienten seien weder reich, noch hätten sie Interesse an ästhetischen Seitenzähnen. Der Fokus liege auf den Frontzähnen für schönes Lächeln und an funktionellen Seitenzähnen. Die Behandlung solle nicht lange dauern, nicht teuer sein und auch nicht wehtun.

Angeregte Diskussionen

Unterschiedliche Philosophien waren zu hören und verschiedene Herangehensweisen zu verfolgen. Mit „Chirurgie versus minimal-invasiv, CAD/CAM versus traditionelle Zahntechnik oder Teamwork versus Chairside“ könnte man die vielfältigen Themen zusammenfassen, die noch am Abend auf der „Esthetic Party“ bei Livemusik, Schmankerln und Wein diskutiert wurden. „Diese Breite machte den Kongress spannend und zeigt, dass für alles Platz sein darf und muss“, stellte ein begeisterter Teilnehmer fest.

Platz war dieses Jahr auch für einen hervorragenden branchenfremden Redner, Dominik Neidhard vom Team „Alinghi“. Der Segler ist Teilnehmer und Gewinner des 31. American Cups. Was machte ihn jedoch zum Sieger? „Es gibt in diesem Sport keinen Zweiten“ sagte er. „Nur mit Teamgeist, Wertschätzung für die Mitstreiter und Motivation kann man Erfolgsgeschichten schreiben.“ Offenheit, Lernbereitschaft und Kritikfähigkeit sind für ihn genauso wichtig wie Krisenmanagement. „Der Wettkampf beginnt vor dem Start, denn nach dem Rennen ist vor dem Rennen“, sagte er.

Und nach dem Kongress ist vor dem Kongress. Das nächste „Competence in Esthetics“-Event findet im Juni 2016 in Madrid statt. Weitere Informationen dazu: www.ivoclarvivadent.com/ies2016.

Ivoclar/IS, Zahnarzt 12/2015

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