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© Peter Tuma/SEHSTERN Fotografie
Die strahlenden Gewinner: (v.li.) Priv.-Doz. DDr. Christoph Vasak, Ao. Prof. DDr. Martina Schmid-Schwap und Dr. Philipp Kaiser
 
Zahnheilkunde 16. Dezember 2015

Forschung für die Zukunft der Zahnmedizin

Der Rudolf-Slavicek-Preis 2015 der ÖGZMK Wien ging diesmal an drei Wissenschaftler, darunter auch Dr. Philipp Kaiser, langjähriger ZahnArzt-Autor.

Alljährlich prämiert die Österreichische Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (ÖGZMK) Wien mit dem Rudolf-Slavicek-Preis die beste, veröffentlichte Originalarbeit der vergangenen zwei Jahre auf dem Gebiet der Zahn-, Mund und Kieferheilkunde. Die Überreichung des diesjährigen Preises und die Präsentation der ausgezeichneten wissenschaftlichen Arbeiten fanden im Rahmen des November-Clubabends der ÖGZMK Wien an der Universitätszahnklinik Wien statt.

Der Präsident der ÖGZMK, Univ.-Doz. Dr. Werner Lill, bedauerte, nicht persönlich anwesend sein zu können und übermittelte seine besten Glückwünsche an die Gewinner. Den Vorsitz übernahm DDr. Astrid Skolka, die überaus charmant durch den Abend führte. Die Teilnehmer des 106. Clubabends durften sich über spannende, mit Leidenschaft präsentierte Vorträge der Preisträger freuen.

Der mit 2.100 Euro dotierte Wissenschaftspreis wurde dieses Jahr an drei Wissenschaftler aus höchst unterschiedlichen Fachgebieten verliehen: Dr. Philipp Kaiser, Ao. Prof. DDr. Martina Schmid-Schwap und Priv.-Doz. DDr. Christoph Vasak.

Implantat am Prüfstand

Priv.-Doz. DDr. Christoph Vasak erbrachte im Zuge seiner multizentrischen Studie „Early bone apposition to hydrophilic and hydrophobic titanium implant surfaces: a histologic and histomorphometric study in minipigs“, im Fachbereich Orale Chirurgie eine bemerkenswerte wissenschaftliche Leistung. Ziel der Arbeit war es, die Auswirkung der Hydrophilie auf die frühe Phase der Osseoinegration zu beurteilen. Weiters wurden zwei hydrophile Implantatoberflächen miteinander verglichen, welche sich in Geometrie, Oberflächenrauigkeit und Herstellungsverfahren unterschieden. Implantiert wurden insgesamt neun Minipigs, mit jeweils drei unterschiedlichen Implantaten pro Quadrant. Nach fünf, zehn und fünfzehn Tagen gedeckter Einheilung wurden die implantierten Regionen histologisch untersucht. Beeindruckendes Bildmaterial wurde erstellt und histomorphometrisch analysiert. In den Ergebnissen zeigte sich, dass die wesentliche Knochenanlagerung an die Titanimplantate zwischen Tag Fünf und Tag Zehn stattfand.

Die Daten bestätigten ebenfalls, dass eine hydrophile Oberfläche nach fünfzehn Tagen eine leichte Tendenz zu erhöhter Knochenapposition im Schweinekiefer bewirkt. Der direkte Vergleich zweier hydrophiler Implantate mit unterschiedlicher Implantatgeometrie war von geringer Relevanz.

Mit Konzept zum Erfolg

Unter dem Titel „Eine retrospektive Untersuchung zum Erfolg der Parodontitis-Therapie an der Universitätszahnklinik Wien.“ evaluierte Dr. Philipp Kaiser, der auch als treuer freier Mitarbeiter des ZahnArzt wohlbekannt ist, im Sinne einer Qualitätsprüfung die Therapie der Parodontitis an der Universitätszahnklinik Wien hinsichtlich der Veränderung der Sondierungstiefen und der damit verbundenden Effektivität der Therapie, um möglicherweise Schlüsse für eine bessere zukünftige Therapie zu erhalten.

Das Geschlecht und der Tabakkonsum als Einflussfaktor auf den Therapieerfolg wurden ebenfalls berücksichtigt. Insgesamt wurden 448 Patienten, die in den Jahren von 2005 bis 2014 gemäß dem „Wiener paradontologischen Behandlungskonzept“ therapiert wurden, ausgewertet. Die Untersuchung ergab, dass die nicht-chirurgische parodontale Therapie an der Universitätszahnklinik Wien erfolgreich ist. Die durchschnittliche Reduktion der Sondierungstiefen bei tiefen Taschen lag zwischen 0,85 und 1,18 mm. Außerdem zeigte sich, dass die Therapie bei gleichzeitigem Tabakkonsum weniger wirkungsvoll war. Der untersuchte Analysefaktor „Geschlecht“ war hingegen statistisch nicht signifikant.

Genderspezifische Analyse

Ao. Prof. DDr. Martina Schmid-Schwap widmete sich im Rahmen der Fachrichtung Prothetik mit ihrem wissenschaftlichen Beitrag „Sex-Specific Differences in Patients with Temporomandibular Disorders“ der Erforschung von einer geschlechterspezifischen Manifestation bei temporomandibulärer Dysfunktion (TMD).

Die Anamnesedaten und erhobenen klinischen Befunde von 404 Frauen und 98 Männer, die in der Spezialambulanz für TMD an der Universitätszahnklinik zwischen 2000 und 2002 vorstellig waren, wurden analysiert. Die Auswertung zeigte eine signifikant erhöhte Schmerzintensität, gemessen mittels visueller Analogskala, und bei der Muskelpalpation eine erhöhte Druckdolenz bei weiblichen TMD Patientinnen verglichen mit den männlichen Patienten. Die klinische Beurteilung ergab außerdem eine signifikant geringere Mundöffnung bei den untersuchten Frauen. Auch eine unterschiedliche Altersverteilung beim Auftreten von TMD konnte zwischen den Geschlechtern aufgezeigt werden.

Eva Reumann, Zahnarzt 12/2015

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