zur Navigation zum Inhalt
 
Zahnheilkunde 26. Jänner 2006

Untersuchung der Wasserqualität zahnmedizinischer Behandlungseinheiten

Der Biofilm ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Einerseits in Form der dentalen Plaque, andererseits als wichtiges Thema der Wasserhygiene. Generell entstehen Biofilme überall dort, wo Wasser, Mikroorganismen, Wärme, geringe Durchflussmengen oder längere Stagnationszeiten vorherrschen. Im Fall der wasserführenden Systeme einer zahnärztlichen Behandlungseinheit kommen noch der ideale Nährboden in Form der englumigen Kunststoffleitungen zum Tragen. Der verhängnisvolle „Nachschub“ aus der Mundhöhle des Patienten erfolgt über den Reflux an den Übertragungsinstrumenten. Somit stellt der Biofilm eine Gefahr für die Wasserqualität und somit auch für das Behandlungsteam und die Patienten dar. Drei interessante Beiträge zum Thema Biofilme (von Prof. Städtler und Dr. Wimmer von der Grazer Zahnklinik sowie Prof. Mascher, Institut für Hygiene der Med. Universität Graz) sind übrigens in dem kürzlich erschienen Fachbuch „Hygiene, Mikrobiologie und Risikomanagement in der Zahnarztpraxis“ (im Classic-Verlag) enthalten.

 detail

Festgelegte Standards

Laut österreichischer Trinkwasserverordnung ist der Betreiber einer Wasserversorgungsanlage verpflichtet, die darin festgelegten Standards einzuhalten. Der Hausbesitzer kann daher davon ausgehen, dass das vom kommunalen Wasserleitungsverband bereitgestellte Rohwasser an der Übergabestelle (meist im Keller) Trinkwasserqualität aufweist. Nach der Übergabestelle werden vielfach Wasseraufbereitungsanlagen installiert (in Abhängigkeit von der chemischen Charakteristik des Wassers). Im Fall der zahnärztlichen Behandlungseinheiten und sensiblen Übertragungsinstrumente kommen noch die Anforderungen der Hersteller an die Wasserqualität hinzu.

Eingangswasser bzw. Brauchwasser

Fließt das Rohwasser durch die „Hausinstallation“ (Aufbereitungsanlage und/oder Rohrleitung, Armaturen), dann tritt es als so genanntes Eingangswasser, zum Beispiel am Wasserhahn in der Ordination, aus. In Deutschland sind die Einrichtungen des Gesundheitswesens für die Prüfung und Qualität „ihres“ Eingangswassers selbst verantwortlich. In Österreich ist dies (noch) nicht der Fall. Gelangt das Eingangswasser über die Behandlungseinheit, Übertragungsleitungen und -instrumente in die Mundhöhle des Patienten, dann spricht man vom Brauchwasser. Aus den systematischen Untersuchungen dieses Wassers für den menschlichen Gebrauch geht hervor, dass es durchwegs verkeimt ist. Der Richtwert, dessen Einhaltung als Mindestanforderung gilt, liegt bei 100 Kolonie-bildenden Einheiten (KBE) pro ml. Die Spitzenwerte betragen bis zu 10.000.000 KBE pro ml.

Was die Untersuchung der Wasserqualität betrifft, hat das Hygiene-Institut der Medizinischen Universität Graz, Abteilung für Wasserhygiene und Mikroökologie, für Zahnarztpraxen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland ein spezielles Leistungspaket zusammengestellt. Die regionale Beschränkung hängt mit dem lokalen Partner (der in Niederösterreich beheimatet ist) und den entfernungsabhängigen Kosten zusammen. Die interessierte Zahnarztpraxis nimmt mit dem Hygiene-Institut in Graz telefonischen Kontakt auf und beauftragt dieses in formloser Weise. Am nächsten Arbeitstag erfolgt ebenfalls telefonisch die Terminvereinbarung zur Probenentnahme zwischen der Praxis und dem Durchführenden vor Ort (proQM Praxisberatung, Rudolf Bohrer, 2511 Pfaffstätten, Telefon: 02252/25 075). Letzterer sucht dann die Praxis eine halbe Stunde vor Behandlungsbeginn auf und zieht unter Beisein einer Assistentin oder des Praxisinhabers/der Praxisinhaberin die Proben.

Entnommen wird das Eingangswasser an einer Zapfstelle (Waschbecken nächst der Einheit) und das Brauchwasser an der Behandlungseinheit (Turbinenwinkelstück) selbst. Der ausgefüllte Begleitschein wird von der zeichnungsberechtigten Assistentin oder dem anwesenden Zahnarzt/Zahnärztin unterschrieben, eine Kopie verbleibt in der Ordination. Die Praxis erhält nach einer Woche die Analyse, samt Befund und Erläuterung/Abhandlung zum Thema „Wasserführende Systeme zahnmedizinischer Behandlungseinheiten“ per Post (Nachnahme) aus Graz. Die Ergebnisse sind vertraulich, unterliegen dem Datenschutz und dürfen daher auch der Sanitätsbehörde nicht zugänglich gemacht werden.

Gesamtkosten

Der Preis für die bakteriologische und chemisch-physikalische Untersuchung/Befundung des Eingangswassers sowie die bakteriologische Untersuchung/Befundung des Brauchwassers (inkl. Legionellen) beträgt lediglich EUR 188,–, wobei der Betrag nicht der Umsatzsteuerpflicht unterliegt. Die Proben werden von der proQM Praxisberatung verpackt und per EMS (Zeitlimit!) abgefertigt. Das Porto beträgt EUR 8,12. Den Aufgabebeleg erhält die Praxis postwendend zugesandt. Zusätzlich fallen noch die Nachnahme und das von der Entfernung abhängige Kilometergeld (EUR 0,36 pro km) an. Die Gesamtkosten betragen somit zum Beispiel für eine Zahnarztpraxis im 5. Wiener Gemeindebezirk EUR 218,88.

Der Nutzen der Untersuchung ist ein mehrfacher:

  • Information für den Zahnarzt/die Zahnärztin über die Qualität des verwendeten Wassers.
  • Hinweis, falls die ermittelten Parameter vom Standard (lt. Trinkwasserverordnung) abweichen sollten.
  • Gewissheit, ob die eventuell im Objekt installierte Wasseraufbereitungsanlage bestimmungsgemäß funktioniert (Werterhaltung der zahnärztlichen Behandlungseinheiten).

Information zu den möglichen Ursachen einer Verkeimung und den zu treffenden Maßnahmen. Dr. Peter Wallner

Weitere Auskünfte und Anmeldung zur
Probenentnahme:
Institut für Hygiene an der Medizinischen Universität Graz, Abteilung für Wasserhygiene und Mikroökologie
Tel: 0316/380-4384 oder
Trinkwasserlabor -4369

Liste der Untersuchungsstellen und
autorisierten Personen in Österreich:
www. bmgf.gv.at – Lebensmittel – Trinkwasser

Livia Rohrmoser, Zahnarzt 5/2004

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben