zur Navigation zum Inhalt
© Klinikum Stuttgart, Katharinenhospital (2)
Biss-Situation nach dem Eingriff.

Vorher: OK und Mittelgesicht liegen zurück.

 
Zahnheilkunde 30. Oktober 2015

Neues Gesicht aus dem PC

Virtuelle Planung einer komplexen Unter- und Oberkieferumstellung als Basis für die OP.

Die neuen digitalen Technologien ermöglichen die exakte virtuelle Planung und Simulation von MKG-chirurgischen Eingriffen zur Korrektur von Fehlbissen (orthognathe Chirurgie): Mittels 3D-Vermessung und Operationsplanung wird die Verlagerung des Ober- und Unterkiefers am Computer analysiert. Per CAD/CAM-Verfahren kann in einem zweiten Schritt der für das gelungene Ergebnis erforderliche Bissschlüssel zur optimalen Positionierung der Kiefer computergesteuert erstellt werden.

Seit neuestem setzen die Spezialisten einen Gesichts-Scanner zur Erfassung des Weichgewebes ein. So kann die Beeinflussung der Gesichtsästhetik virtuell durch die Kieferverlagerung simuliert werden. Einer der ersten Patienten, dessen Fehlbiss mit der neuen Technik behandelt wurde, berichtete davon auf der Jahres-Pressekonferenz der DGMKG.

Im Oktober letzten Jahres stellte sich der Patient erstmals in der Stuttgarter Spezialsprechstunde für Kieferfehlstellungen vor. Die Ausformung der Zahnbögen durch den behandelnden Fachzahnarzt für Kieferorthopädie war bereits fortgeschritten. Eine operative Umstellung der Kieferknochen konnte somit zeitnah erfolgen. Die klinische Situation bei Erstvorstellung zeigte folgendes Bild: Der Unterkiefer (UK) war zu prominent, der Oberkiefer (OK) und das Mittelgesicht lagen zurück. In der Front lag ein umgekehrter Überbiss vor, und der UK stand vor dem OK, was das Abbeißen und Kauen der Nahrung erschwert.

Die Operation

Im Dezember 2014 führten die MKG-Chirurgen die Umstellung des OK und UK nach virtueller Chirurgieplanung durch: Dabei trennten sie den OK horizontal vom Gesichtsschädel ab . Hierzu wird von einem Schnitt im Mund der Oberkieferknochen freigelegt. Mit einer Säge konnte ein gezielter Knochenschnitt erfolgen und nach Präparation wird der zahntragende Abschnitt des OK vom restlichen Gesichtsschädel gelöst. Nun muss die Bisssituation anhand des computergefertigten Bissschlüssels exakt eingestellt werden, bevor mit 2 mm dicken Osteosyntheseplatten aus Titan der Knochen in der neuen Position mit Hilfe von Titanschrauben fixiert wird.

Im UK erfolgte die Schnittführung im Zahnfleisch hinter dem letzten Backenzahn beidseits. Nun wurde der UK mit spezieller Technik durchtrennt. Dies erlaubte eine Verschiebung der zahntragenden Basis vom gelenktragenden Knochenabschnitt des Unterkiefers. Bei der Präparation wird der im Unterkieferknochen verlaufende Gefühlsnerv der Unterlippe sorgfältig geschont. Die neue Position wurde mit einem zweiten Bissschlüssel, der die endgültige Bisssituation einstellt, zugeordnet und mit Osteosyntheseplatten und -schrauben gesichert. Die Platten und Schrauben fixierten den Knochen in der Art und Weise, dass der Patient postoperativ weiche Kost essen durfte. Nach einer Woche wurden die Fäden entfernt, die kieferorthopädische Feineinstellung des Bisses kann dann durchgeführt werden.

Zukünftig kann das postoperative Ergebnis mittels eines GesichtsScanners der neuesten Generation noch besser für den Patienten vorhersagbar werden. Hochtechnologie für genauere Vorhersagbarkeit des OP-Ergebnisses und damit gesteigerte Patientensicherheit.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben