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Das Eventhotel Pyramide: 3 Tage lang Zentrum der heimischen Zahnmedizin.
 
Zahnheilkunde 30. Oktober 2015

Ein Ausblick im Rückblick

Der 40. Österreichische Zahnärztekongress stand ganz im Zeichen der magischen Jahreszahl 2020.

Wo wird die Zahnmedizin in einigen Jahren stehen? Wie wird sie sich im Rahmen einer im Wandel begriffenen Welt entwickeln? Unter dem Generalthema „Zahnheilkunde 2020“ widmeten sich knapp hundert nationale und internationale Referenten dieser Thematik und versuchten relevante Fragen aufzuwerfen und zu beantworten.

Eine Vielzahl an spannenden Vorträgen begleitet von einem stimmungsvollen Rahmenprogramm sowie die Präsentation der neuesten Technologien namhafter Aussteller schufen eine perfekte Kombination aus beruflicher Fortbildung und Genuss. Neben zahlreichen Hands-on Workshops, bei denen die Kongressbesucher ihre praktischen Fähigkeiten vertiefen und erweitern konnten, bot der Kongress mit dem Thema „Doc on Board“ ein weiteres Highlight. Unter der Leitung der „Doc on Board“ Spezialisten Dr. David Gabriel und Dr. Joachim Huber gemeinsam mit dem Chefarzt der Austrian Airlines, Dr. Josef Czerny, bekamen die Teilnehmer theoretisches und in weiterer Folge ebenso praktisches Wissen unter realistischen Bedingungen vermittelt.

Bei dem breit gefächerten Vortragsangebot hatte man die Möglichkeit über drei Tage in fünf parallel laufenden Seminarräumen vom umfassenden Wissen der erfahrenen Referenten zu profitieren.

Prophylaxe, Prophylaxe

Den Auftakt am Donnerstag bildete eine Pressekonferenz mit Round Table zum Thema „Apollonia 2020“ und Prophylaxe der Zukunft, unter dem Vorsitz des Kongresspräsidenten und Präsidenten der ÖGZMK Niederösterreich, MR DDr. Hannes Gruber. „Die in Niederösterreich seit dem Jahr 2001 etablierte Kariesprophylaxeaktion „Apollonia 2020“, deren Organisation über den Arbeitskreis für Zahnärztliche Vorsorgemedizin (AKS-ZAVOMED) abgewickelt wird, ist mit ca. 120 000 teilnehmenden Kindern die größte dieser Art in Österreich. Jahrelanges Engagement der Patenzahnärzte, der Zahngesundheitserzieher, der Pädagogen und die Kooperation mit der Landeszahnärztekammer für Niederösterreich sowie die Finanzierung durch das Land Niederösterreich und die niederösterreichischen Versicherungsträger ermöglichen dieses ambitionierte Projekt. Durch die Gruppenprophylaxe in der Kindheit wird neben der direkten Verbesserung der Zahngesundheit auch der Grundstein für das spätere Bewusstsein und Verständnis im Erwachsenenalter für die Individualprophylaxe in den Zahnarztpraxen gelegt“, so die Grußworte von Dr. Michaela Hörbath-Haydn, Obfrau des AKS-ZAVOMED. Ziel der Aktion ist die Erreichung des WHO-Zieles 2020, dass 80 Prozent der Sechsjährigen kariesfrei sein sollen.

Den Start über fachkundliches Wissen der Zahnmedizin machte Dr. Verena Bürkle mit ihrem Vortrag „Endodontie im Milchgebiss – ein update“. Danach widmete sich Dr. Dinah Fräßle-Fuchs der Thematik „Kinderkronen“, gefolgt von Dr. Ulrich Egle aus Deutschland mit seinem umfangreichen interdisziplinären Vortrag „Stress der Kindheit und Langzeitfolgen in der Gesundheit“.

Gleichzeitig konnte man in anderen Räumlichkeiten des weitläufigen Seminarhotels den Fachvorträgen zu den Themengebieten Kiefergelenk und Psychosomatik folgen. Danach gewährte Univ.-Lekt. DDr. Gerhard Kreyer mit seinem Vortrag „Burnout: Medizinische Diagnose oder Modeerscheinung? – Ursache, Prophylaxe, Bewältigungsstrategien“ einen Einblick in eine oft vernachlässigte Problematik im Laufe einer zahnärztlichen Berufslaufbahn. Epidemiologisch findet man in der internationalen wissenschaftlichen Literatur bei Ärzten und Zahnärzten eine besonders hohe Burnout-Gefährdung, wobei Zahlen zwischen 30 bis 60 Prozent des Berufskollektivs angegeben werden. Auch die spannenden Vorträge der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen, welche ebenfalls parallel stattfanden, waren definitiv einen Besuch wert. Den Anfang machten Priv.-Doz. DDr. Arno Wutzl mit der praxisrelevanten Thematik „Bisphosphonat assoziierte Osteonekrose und Zahnimplantate“ und Priv.-Doz. Dipl.-Ing. DDr. Rudolf Seemann mit seiner Präsentation „Tumorchirurgie“.

Die Qual der Wahl

Am Freitag lockten interessante Vortragstitel wie „Die Kieferorthopädie im Wandel der Zeit: alte Probleme – neue Ansätze“ von Univ.-Prof. Dr. Hans-Peter Bantleon, „Linguale Kieferorthopädie bei Jugendlichen und Erwachsenen – mehr als nur ein ästhetischer Benefit“ von Dr. Andrea Foltin und „Auf Schienen Richtung 2020: Möglichkeiten und Grenzen der Invisalign Therapie“ von DDr. Bärbl Reistenhofer. Reistenhofer, demonstrierte anhand zahlreicher, schwieriger Fallbeispiele, wie Engstand, Klasse II, Klasse III und offenem Biss das Einsatzspektrum dieser modernen ästhetischen Alternative zur Therapie mit einer festsitzenden Apparatur. Auch die Referenten der oralen Chirurgie ließen die Zuhörer im Nachmittagsprogrammblock an ihrem reichen Erfahrungsschatz teilhaben. OA Dr. Astrid Truschnegg von der MedUni Graz, Department für zahnärztliche Chirurgie und Röntgenologie, berichtete über die Anwendung von Laser in der Hart- und Weichgewebschirurgie. Die Vorteile des Er:YAG-Lasers (fehlende Scherkräfte, Gewebeschonung, Bakterienreduktion, schnelle Revaskularisierung und Geweberegeneration) bei der Abtragung von Knochennekrosen begründen seinen erfolgreichen Einsatz seit mehreren Jahren.Ebenso etabliert ist die Verwendung der CO2-Laser in der Weichgewebschirurgie, insbesondere zur Entfernung von Prothesenfibromen, gutartigen Weichgewebstumoren und zur Korrektur von Lippen- und Zungenbändchen. „Die hervorragende Blutstillung und die Möglichkeit, auf Nähte zu verzichten, führt zu sehr kurzen Operationszeiten“, so Truschnegg.

Wer seinen Wissensdurst mit topaktuellen Forschungsergebnissen stillen wollte, kam auch auf seine Kosten. Unter dem Vorsitz von Univ.-Prof. DDr. Andreas Moritz referierten Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Reinhard Gruber („Speichel – Aktivierung der angeborenen Immunität“), Dipl.-Ing. Dr. Hermann Agis („Innovative in vitro Modelle als Alternative zu Tierversuchen: Ready or not?“) sowie Univ.-Prof. DDr. Apostolos Georgopoulos und Dr. Christoph Kurzmann („Mikrobiologische Aspekte in der Endodontie“). Zum Tagesabschluss erwartete die Gäste am Freitagabend ein Galabuffet, begleitet von Live-Entertainment und einem Auftritt der österreichischen Kabarettisten Monica Weinzettl und Gerold Rudle. Zur späteren Stunde lud das Dental Clubbing mit musikalischer Unterhaltung und Showbarkeeper ein, den ein oder anderen Cocktail mit Kollegen zu genießen.

Implantologie war am Samstagvormittag zugleich das Stichwort für Univ.-Prof. Dr. Mailath-Pokorny, von der Akademie für orale Implantologie. Mit seinem Vortrag „Zahnerhalt vs. Implantat – Ein Weg zur Entscheidungsfindung“ erläuterte Mailath-Pokorny mittels klinischer Fälle das Vorgehen bei Ausgangssituationen, bei welchen der Wunsch nach einer implantologischen Versorgung unterschiedliche Behandlungsstrategien zulässt. Der Spezialist betonte, dass das implantologische Therapiekonzept bei paradontal erkrankten Patienten auf Grund der unklaren Prognose der Restbezahnung und des weiteren Ablaufes der parodontalen Grunderkrankung sehr komplex ist.

Er hob hervor, dass das medizinische Ergebnis jeder Behandlung einerseits durch die Ausführungsqualität aber auch im großen Maße durch die Entscheidungsqualität beeinflusst wird. Der Patient muss im Bezug auf Alternativen, Dauer, Lebensqualität und Kosten maximal in die Entscheidungsfindung eingebunden werden, so Mailath-Pokorny. Hierbei spielt das sogenannte Shared Decision-Making Protokoll (SDM) eine große Rolle, welches neben dem paternalistischen Modell und dem Konsumentenmodell in den Mittelpunkt rückt. Mit Hilfe des SDM in Kombination mit der Einzelzahnprognose nach Tonetti und Lang werden die komplexen therapeutischen Entscheidungen, die bei der Implantattherapie bei parodontal geschädigtem Restgebiss vorliegen, deutlich erleichtert.

Eva Reumann, Zahnarzt 11/2015

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