zur Navigation zum Inhalt

 

 Abb. 1: Das Profil im direkten Vergleich: vor ...

 

 Abb. 2: ...und nach der Korrektur.

 

Abb. 3: Die klinische Situation bei Erstvorstellung in der Stuttgarter MKG-Spezialsprechstunde.

 

Abb. 4: Das seitliche Röntgenbild bei Erstvorstellung verdeutlicht die skelettale Fehlstellung der Kiefer.

 

Abb. 5: Zahnrotationen und Zahnkippungen werden durch eine feste kieferorthopädische Multi-Band Apparatur aufgelöst, der Oberkiefer gedehnt.

 

Abb. 6: Nun kann die kieferverlagernde Operation durchgeführt werden.
 
 
 

Abb. 7: Die postoperative Panoramaschichtaufnahme zeigt die verlagerten Kiefer und die Stabilisierung mit Titanplatten und -schrauben im Ober- und Unterkiefer.

 

© Klinik für MKG-Chirurgie Klinikum Stuttgart, Katharinenhospital (8)

Abb. 8: Die deutliche Verlagerung der Kiefer ist zu erkennen.

© Klinik für MKG-Chirurgie Klinikum Stuttgart, Katharinenhospital (8)

 
Zahnheilkunde 24. September 2015

MKG-chirurgische Korrektur rettet Kaufunktion und Gesicht

Ein Hirntumor verursachte bei einem Patienten einen Extrem-Fehlbiss. Erst wurde der Tumor erfolgreich behandelt, dann Schritt für Schritt ein neues Profil kreiert.

Bei einem heute 35-jährigen Patienten beeinflusste ein hormonproduzierender Hirntumor das Kieferwachstum, so dass sich ein extremer Fehlbiss mit deutlich zurückliegendem Oberkiefer und sehr prominentem Unterkiefer entwickelte.

Der Fall stellte eine echte Herausforderung für die Experten der Klinik für MKG-Chirurgie am Klinikum Stuttgart, Katharinenhospital, dar. Nach der kieferorthopädischen Vorbehandlung erfolgte in einem Eingriff die Vorverlagerung des Oberkiefers und die Spaltung und Rückverlagerung des Unterkiefers. Der Patient kann heute dank der individuellen innovativen Behandlung ein normales Leben führen, die Gesichtsästhetik und Kaufunktion sind vollständig wiederhergestellt.

Akromegalie lässt Unterkiefer wachsen

Die Akromegalie ist eine endokrinologische Erkrankung, die durch eine Überproduktion des Wachstumshormons Somatropin hervorgerufen wird. Ein hormonproduzierendes Adenom (gutartiger Tumor) an der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) ist in den meisten Fällen die Ursache dieser Erkrankung.

Am Gesichtsschädel führen die Wachstumshormone zu einem persistierenden Wachstum des Unterkiefers. Die Körperproportionen erscheinen durch diesen Umstand extrem unharmonisch und vergröbert. Der daraus entstehende Fehlbiss ist häufig auch verantwortlich für degenerative Gelenkerkrankungen.

Fehlbiss verursacht Probleme

Bei dem vorgestellten Patienten wurde im ersten Schritt im Jahr 2010 der Tumor an der Hirnanhangdrüse über die Nase entfernt. In interdisziplinärer Zusammenarbeit mit einem Fachzahnarzt für Kieferorthopädie wurden im ersten Behandlungsabschnitt die Zahnbögen ausgeformt. Um den Oberkiefer in der Breite zu dehnen, führten die Stuttgarter Fachärzte im Oktober 2012 eine chirurgisch unterstützte Gaumennahterweiterung durch.

Schrittweise zum neuen Profil

Ein Jahr später wurden – nach dreidimensionaler Planung im zahntechnischen Labor mit konventioneller Herstellung von Bissschlüsseln – beide Kiefer operativ mobilisiert. Hierzu wurde von einem Schnitt im Mund der Oberkieferknochen freigelegt. Mit einer Säge konnte ein gezielter Knochenschnitt erfolgen; nach Präparation wurde der zahntragende Abschnitt des Oberkiefers vom restlichen Gesichtsschädel gelöst. Nun muss die Bisssituation anhand des Bissschlüssels exakt eingestellt werden, bevor mit 2mm dicken Osteosyntheseplatten aus Titan der Knochen in der neuen Position mit Hilfe von Titanschrauben fixiert wurde.

Im Unterkiefer erfolgte die Schnittführung im Zahnfleisch hinter dem letzten Backenzahn beidseits. Dann wurde der Unterkiefer mit spezieller Technik durchtrennt. Dies erlaubt eine Verschiebung der zahntragenden Basis vom gelenktragenden Knochenabschnitt des Unterkiefers. Bei der Präparation wird der im Unterkieferknochen verlaufende Gefühlsnerv der Unterlippe sorgfältig geschont. Die neue Position wurde mit einem zweiten Bissschlüssel, der die endgültige Bisssituation einstellt, zugeordnet und mit Osteosyntheseplatten und -schrauben gesichert. Die Operation ging mit einem stationären Aufenthalt von 5 Tagen einher.

Letzter „Feinschliff“

Drei Monate nach der Operation bot das Profil des Patienten ein deutlich harmonischeres Bild. Im Mai vergangenen Jahres wurden die Metallplatten in einem ambulanten Eingriff wieder entfernt. Der Patient kann heute dank der individuellen innovativen Behandlung ein normales Leben führen, die Gesichtsästhetik und Kaufunktion sind vollständig wiederhergestellt.

DGMKG/IS, Zahnarzt 10/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben