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Zeigt her eure Zähne: Die Gratis-Zahnspange für Kinder und Jugendliche, die sie aus medizinischer Sicht benötigen, ist seit Juli Realität.
 
Zahnheilkunde 31. August 2015

Projekt Gratis-Zahnspange gestartet

Seit 1. Juli steht die neue Leistung „Kieferorthopädie für Kinder und Jugendliche“ zur Verfügung.

Um eine österreichweit flächendeckende Versorgung ab Start sicher zu stellen wurden in den vergangenen Monaten in 32 Versorgungsregionen insgesamt 180 Stellen für Kieferorthopäden ausgeschrieben.

„Wir freuen uns, dass bei der Zahngesundheit von Kindern und Jugendlichen endlich eine gravierende Versorgungslücke geschlossen wird“, sagte Albert Maringer, Obmann der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse (OÖGKK) und Chefverhandler für die Sozialversicherung. Maringer bezog sich dabei auf den vom früheren Gesundheitsminister verkündete Plan, Kindern und Jugendlichen mit schweren und schwersten kieferorthopädischen Fehlentwicklungen und Zahnfehlstellungen die entsprechende Versorgung bei Kieferorthopäden zur Verfügung zu Stelle; dieses Vorhaben wurde nun realisiert. Es basiert auf einem Vertrag zwischen Hauptverband der Sozialversicherungsträger und der Österreichischen Zahnärztekammer.

Die neuen Leistungspakete

Im Grunde handelt es sich um zwei neue Leistungspakete, wie der stellvertretende Generaldirektor des Hauptverbandes, Bernhard Wurzer, darstellte: Erstens geht es um eine kieferorthopädische Behandlung von Kindern (in der Regel ab dem sechsten Lebensjahr), bei denen schwere Fehlstellung bzw. eine deutlich abnorme Kieferentwicklung vorliegen, die später zu Folgeproblemen führen. Die entsprechende Behandlung erfolgt in der überwiegenden Zahl der Fälle durch abnehmbare Zahnspangen, wobei der bisher geltende Selbstbehalt (durchschnittlich in Höhe von rund 400 Euro) wegfällt. Das zweite Leistungspaket betrifft festsitzende Zahnspangen bei Kinder und Jugendlichen zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr, die ebenfalls unter schwerwiegenden Fehlstellungen (IOTN 4 und 5) leiden. Die Versorgung dieser Kinder und Jugendlichen ist somit gesichert und nicht mehr davon abhängig, ob sich die Eltern die Behandlungskosten in Höhe von bis zu 5.000 Euro leisten können.

Zusätzliche Leistungen

Die soziale Krankenversicherung bezahlt zusätzlich folgende Leistungen für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr:

• Erstberatung durch einen Zahnarzt mit Kassenvertrag

• IOTN-Feststellung durch einen Kieferorthopäden mit Kassenvertrag

• Messung der Behandlungserfolges durch ein Qualitätssicherungssystem

• Eine Reparatur bei der frühkindlichen Zahnspange

• Zwei Reparaturen bei der Zahnspange ab dem 12. Lebensjahr

• Allenfalls weitere notwendige Reparaturen nach Vorbewilligung durch die Krankenkasse des Versicherten

Weiters im Paket enthalten sind der Wegfall der bisherigen Bewilligung durch die Krankenkassen bei Behandlung durch die Kieferorthopäden und die Einführung eines Qualitätssicherungssystems durch Messung des Behandlungserfolges. Um sicherzustellen, dass die Versorgung in ganz Österreich nun auch gewährleistet ist, wurden in den vergangenen Monaten in 32 Versorgungsregionen insgesamt 180 Stellen für Kieferorthopäden ausgeschrieben; mit Erfolg – die Verträge sind mittlerweile weitgehend abgeschlossen.

Betroffen sind davon rund 30.000 Kinder pro Jahr. Ganz genau lässt es sich nicht vorhersagen, wie viele wirklich von den neuen Leistungen profitieren werden, weil es sich nicht abschätzen lässt, wie viele Kinder aus unteren sozialen Schichten bisher – aufgrund der hohen Kosten – gar nicht beim Kieferorthopäden vorstellig wurden.

Keine kosmetischen Korrekturen

Die neuen Leistungspakete für mehr Zahngesundheit von Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr kommt nur bei schweren Fehlstellungen zum Tragen. Ausschließlich kosmetische Korrekturen sind damit ausgeschlossen und werden von der sozialen Krankenversicherung nicht bezahlt.

„Unser Anspruch war: Wenn ein Kind oder Jugendlicher aus medizinischer Sicht eine Zahnspange braucht, dann darf es nicht am Einkommen der Eltern liegen, ob diese sich die Behandlungskosten von rund 5.000 Euro auch leisten können“, betont Obmann Albert Maringer und ergänzt: „Umgekehrt kann es aber nicht Aufgabe der sozialen Krankenversicherung sein, kosmetische Behandlungen durch die Versichertengemeinschaft zu finanzieren.“

Quelle: Medienseminar „Zahnspangenversorgung“, des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger

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