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© Nadine Höhne
Moderne Praxiskühlschränke können nicht nur kühlen, sondern schlagen im Fall offener Türen auch Alarm und versenden SMS.
 
Zahnheilkunde 5. Mai 2015

Kalt gemacht

Wer Arzneien und Impfstoffe im großen Stil, und vor allem sicher lagern will, sollte sich mit den Möglichkeiten moderner Kühlschränke auseinandersetzen.

Die Investition für einen Arznei-Kühlschrank mag sich mit 500 bis 2.000 Euro noch in Grenzen halten. Das macht die Auswahl des richtigen Gerätes allerdings nicht leichter. Insbesondere wenn Lebendimpfstoffe gelagert werden, muss eine Reihe an Vorgaben erfüllt werden.

Mit zunehmender Impf-Frequenz werden insbesondere in hausärztlichen Praxen immer mehr Impfstoffe gelagert. Neue dynamische Impf-Softwaremodule verstärken diesen Effekt – der nicht nur für eine bessere Versorgung der Patienten, sondern eben auch für extrabudgetären Zusatzumsatz sorgt. Denn diese Programme zeigen über die integrierte Recall-Funktion automatisch den Impf-Status der Patienten an. Eine Win-win-Situation, die schnell an die Grenzen des Medikamenten-Kühlschranks in der Praxis führen kann.

Worauf sollte man nun achten, wenn man vor einer Neu-Anschaffung steht? Gehen wir zunächst von einer Landarztpraxis mit einem Arzt und fünf Angestellten aus, die pro Quartal rund 1.300 Patienten betreuen.

Absorber- oder Kompressorgerät?

Zunächst muss sich der Praxisbetreiber mit den technischen Begebenheiten der beiden möglichen Kühlschrank-Varianten auseinandersetzen. Absorbergeräte sind in der Anschaffung mit 500 bis 700 Euro pro Gerät in jedem Fall günstiger. Sie arbeiten mit einem Wasser-Ammoniak-Gemisch und kommen oft auch in Hotelzimmern als Minibar zum Einsatz, weil sie mit maximal 60 Liter Fassungsvermögen grundsätzlich kleiner als Kompressorgeräte sind.

Die Geräte bilden jedoch Eisklumpen und müssen daher regelmäßig enteist werden. Für Praxen nicht ganz einfach, denn Impfvorräte und Medikamente müssen während des Enteisens gekühlt zwischengelagert werden. Außerdem sind die Geräte bei hoher Außentemperatur über 30° C nicht temperaturstabil.

Dafür verbrauchen sie etwas weniger Strom als Kompressorgeräte, das gilt jedoch nur, wenn sie regelmäßig enteist werden. Und: Hat das Gerät keine Schubladen, sodass die Tür bei der Medikamentensuche länger offensteht, ist der Unterschied im Stromverbrauch schnell wieder wett gemacht.

Kompressorgeräte hingegen bilden kein Eis. Das Abtauen geht automatisch vonstatten, das Tauwasser verdunstet einfach. Allerdings sind diese Geräte, die in ihrer Funktion nahezu einer Wärmepumpe entsprechen, mit 1.500 bis 2.000 Euro deutlich teurer. Sie sind die gängigeren Geräte in Privathaushalten und der Industrie. Wohl auch, weil sie größer als die Absorber-Kühlschränke sind. Sie beginnen erst bei 80 Litern. Die Landarztpraxis könnte sich demnach für einen 95-Liter-Kompressor-Kühlschrank entscheiden, und könnte diesen gut befüllen – vor allem im Herbst, wo viele Grippe-Impfstoffe gelagert werden müssen.

Temperaturgenauigkeit und Hygienefaktor

Das Gute an den Kompressorgeräten: Sie schaffen eine bessere Temperaturgenauigkeit. Die Geräte lassen sich auf konstante 5° C einstellen, mit einem Sicherheitsfenster für die Warnanlage von 2 bis 8° C.

Üblicherweise muss man bei einem 95-Liter-Kompressor-Kühlschrank mit einem Stromverbrauch von 230 kWh pro Jahr rechnen. Zudem gibt es Kompressorgeräte, deren Wärmetausch auf besondere Art erfolgt. Diese Gehäuse entlüften nicht wie üblich auf der Geräterückseite, sondern in der Front. Die Luft geht vorne rein und vorne raus. Das hat den großen Vorteil, dass der Einbau sehr einfach ist, da keine Lüftungsschlitze im Möbel oder der Arbeitsplatte erforderlich sind.

Doch auch wer sich für eine Gerätevariante entschieden hat, wird auf weitere Punkte bei der Investition achten müssen. Ein ganz wichtiger ist die Ordnung und Hygiene im Kühlschrank. Zur sortierten Aufbewahrung der Medikamente sind Schubladen mit beweglichen Längs- und Querteilen sinnvoll. Diese, sowie die Schubladen, sollten zur einfachen Desinfektion auch herausnehmbar sein. Touchscreen-Einstellungen sind dabei leichter zu reinigen und hygienischer als Knöpfe und Tasten am Kühlschrank.

Alarmierter Kühlschrank

Bei längerem Stromausfall oder versehentlichem Offenlassen der Tür schlagen Top-Geräte bis zu 72 Stunden per Piepston Alarm und alarmieren in Echtzeit sogar per SMS, E-Mail oder vibrierendem Handy. Wer Lebendimpfstoffe vorrätig hält, sollte über eine solche Funktion nachdenken. Sogar eine optische Alarmierung ist möglich, um schnellstmöglich eingreifen und Medikamente rechtzeitig umlagern zu können. Bei manchen Geräten ist auch eine Alarmweiterschaltung per WLAN möglich. Man muss hier allerdings auf die richtige PC-Schnittstelle achten.

Kühler Safe

Ein Medikamentenkühlschrank hat in der Regel einen hohen Warenwert und sollte daher abschließbar sein. Vor allem wenn er in einem Raum steht, in dem sich Patienten zeitweise unbeaufsichtigt aufhalten. Gekühlte Medikamente, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, müssen ohnehin verschlossen aufbewahrt werden. Mittlerweile gibt es sogar Kühlschränke mit biometrischer Erkennung. Das Schloss funktioniert hier mit Fingerprinterkennung. Ärztinnen und Ärzte, die besonderen Wert auf Hightechlegen, können sich jedes Jahr auf der Medica in Düsseldorf (16.– 19. 11. 2015) umsehen.

Auch der Geräuschpegel sollte vor dem Kauf eines Gerätes geklärt werden – also die Frage, wie viel Dezibel (dB) es hat. Ein wichtiger Punkt, der leicht übersehen wird: Manche Geräte sind so laut, dass sie ein Patientengespräch in unmittelbarer Nähe empfindlich stören. (Als Maßstab: Der Geräuschpegel einer normalen Unterhaltung liegt bei 60 dB.)

Wer in seiner Praxis außerdem auf eine gute Öko-Bilanz Wert legt, für den dürfte noch Folgendes interessant sein: Seit etwa zwei Jahren ist das grüne Kältemittel R 600 A (Isopropan-Gas) auf dem Markt. Man kennt Isopropan vom Camping Kocher. Es ist ein natürlich vorkommendes Gas und – im Gegensatz zu dem umweltschädlichen Kältemittel 134 A – kein Treibhausgas. Die Information, welches Kältemittel verwendet wird, befindet sich auf der Rückseite der Geräte.

Schlechtem Prüf-Ergebnis vorbeugen

Übrigens: Lebensmittel und Arzneien sollten grundsätzlich in getrennten Kühlschränken aufbewahrt werden. Gerade, wer eine QM-Zertifizierung anstrebt, wird dies früher oder später lernen. Aber eben auch, dass für den Arznei-Kühlschrank – vor allem wenn Lebendimpfstoffe werden gelagert – eine lückenlose Kühlkette vorgeschrieben ist.

 

 

RM/ÄZ, Zahnarzt 5/2015

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