zur Navigation zum Inhalt
© Ioannis Lelakis/panthermedia

Abb. 1: Im fortgeschrittenen Alter kann die Mundhygiene an freiliegenden Zahnwurzeln oder zahnärztlichen Versorgungen erschwert sein.

© Schiffner(2)

Abb. 2: Fluorid- und CHX-Lackezur Wurzelkariesprophylaxe bei Senioren.

 
Zahnheilkunde 2. März 2015

Kariesprävention: Konzepte für Jung und Alt

Die vorbeugende Betreuung von Kleinkindern und Senioren birgt neue Herausforderungen.

Kariesprophylaxe basiert auf wenigen als wirkungsvoll nachgewiesenen Strategien: Mundhygiene zur Reduktion des kariogenen Biofilms, angemessener Ernährungsweise zur Verringerung von Saccharosebelastung und Fluoridierung zur Verbesserung der Zahnhartsubstanz.

Aus unterschiedlichen Inhalten dieser Strategien ist für Patienten jeden Lebensalters ein individuelles Prophylaxekonzept zu erstellen. Dies geschieht bereits vielfach sehr erfolgreich, und doch besteht der Bedarf zusätzlicher Präventionsanstrengungen.

Seit wenigen Jahrzehnten ist bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland ein deutlicher Kariesrückgang feststellbar. Mit der national repräsentativen Vierten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS IV) wurde für 12-jährige Kinder im Jahr 2005 ein DMFT-Wert von 0,7 ermittelt. Das bedeutet, dass ein 12-jähriges Kind im Durchschnitt weniger als einen kariösen oder kariesbedingt versorgten Zahn (Füllungen, Extraktionen) aufweist. Im internationalen Vergleich bedeutet dieser Wert eine sehr niedrige Karieserfahrung und dokumentiert höchst erfolgreiche Präventionsarbeit. Bei Senioren ist die durchschnittliche Anzahl von Karies und von deren Folgen betroffener Zähne bislang nur geringfügig zurückgegangen, doch konnte mit der DMS IV aufgezeigt werden, dass die deutschen Senioren durchschnittlich fast vier eigene Zähne mehr besitzen als dies 8 Jahre zuvor der Fall war. Die Konsequenzen dieser Entwicklung sind immens: Die vermehrt in der Mundhöhle stehenden Zähne sind dem Risiko von Parodontalerkrankungen oder Karies bzw. Wurzelkaries ausgesetzt und erfordern daher spezifische Prophylaxemaßnahmen. Auch im Kindes- und Jugendalter ist die positive Entwicklung nicht ohne Schattenseiten. So geht der Kariesrückgang mit einer zunehmenden Polarisation des Kariesbefalls einher. Es existiert eine Teilgruppe von Kindern und Jugendlichen, die unverändert stark von Karies betroffen ist. Zwar ist es gelungen, diese Teilgruppe zu verkleinern, sodass im Jahr 2005 nur noch etwa 10% der 12-Jährigen mehr als 2 DMF-Zähne (saniert oder unsaniert) zeigten. Doch es fällt auf, dass lediglich knapp 9% der 12-jährigen Kinder sämtliche in ihrer Altersgruppe zu sanierenden Zähne aufweisen. Die große Mehrheit von über 90% der Kinder hingegen hat keinen einzigen aktuell zu füllenden Zahn in der Mundhöhle.

Noch problematischer stellt sich die Situation für das Milchgebiss dar. Unter den 6- bis 7-Jährigen hatten in Deutschland im Jahr 2009 laut DAJ-Studie nur 54% der Kinder Milchgebisse ohne Karieserfahrung. Mit einem Kariesrückgang im Milchgebiss von rund 35% innerhalb von 16 Jahren macht die Reduktion nur etwa die Hälfte der im bleibenden Gebiss realisierten Verbesserungen aus.

Es ist u. a. der Zeitpunkt, zu dem die Kinder in zahnmedizinische Betreuung kommen, der für die unterschiedliche Entwicklung von Bedeutung ist. Wenn die individual- oder gruppenprophylaktische Betreuung erst im Alter von 3 Jahren einsetzt, stehen sämtliche Milchzähne bereits komplett in der Mundhöhle und sind den dortigen Gegebenheiten ausgesetzt. Oft ist es dann für primärpräventive Maßnahmen zu spät, da das Kind bereits Karies hat.

Vor diesem Hintergrund sind die derzeit vielfältig etablierten Initiativen zur frühzeitigen präventiven Betreuung von Kleinkindern sehr zu begrüßen.

Kariesprophylaxe bei der Schwangeren

Die Kariesprophylaxe beim Kleinkind beginnt schon bei der Beratung und Behandlung der werdenden Mutter. Dies ist von Bedeutung, weil dadurch nicht nur die orale Gesundheit der Mutter, sondern auch die Zahngesundheit sowie auch die allgemeine Gesundheit des Babys profitieren können. In der Schwangerschaft kann sich infolge der hormonellen Umstellung eine Gingivitis entwickeln, die zu einer Schwangerenparodontitis führen kann. Schwangere mit Parodontitis weisen ein erhöhtes Risiko einer Frühgeburt, einhergehend mit einem geringen Geburtsgewicht des Kindes, auf. Die diesem deskriptiven Zusammenhang zugrunde liegenden Ursachen und Mechanismen sind allerdings nicht abschließend geklärt und Interventionsstudien haben widersprüchliche Resultate gezeigt. Immerhin jedoch werden vom entzündeten Zahnhalteapparat Entzündungsmediatoren freigesetzt, welche eine Frühgeburt auslösen können.

Kinder von Müttern mit wenigen kariesrelevanten Bakterien in der Mundhöhle weisen weniger Karies auf als Kinder von Müttern mit einem hohen Gehalt dieser Bakterien. Dieser Sachverhalt ist u. a. auf die Keimübertragung von der Mutter auf das Kind zurückzuführen. Als Konsequenz dieses Zusammenhanges ist eine gesunde Mundhöhle der werdenden oder jungen Mutter wichtig. So wird die Menge an Kariesbakterien bei der Mutter reduziert und das Kariesrisiko für das Kind verringert. Die Effektivität der bei der Mutter durchgeführten eigenverantwortlichen oder professionellen Maßnahmen im Hinblick auf eine Kariesreduktion beim Kind ist belegt.

Die bei der Schwangeren anwendbaren Oralpräventionsmaßnahmen bestehen neben zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen und Beratungen aus der Intensivierung der Mundhygiene einschließlich gründlicher Interdentalraumhygiene, ggf. der Anwendung bakterienhemmender Mundspüllösungen (Brechreiz der Schwangeren) sowie in der professionellen Zahnreinigung (PZR) einschließlich Fluoridierung. Als wenig hilfreich haben sich hingegen Vorschläge erwiesen, die Übertragung der Keime von der Mutter auf das Kind dadurch zu unterbinden, dass Schnuller oder Löffelchen nicht abgeleckt werden dürften. Aktuelle Studien haben sogar gezeigt, dass durch diese Handlungsweise infolge der ebenfalls unterbliebenen Übertragung von Antikörpern eine höhere Wahrscheinlichkeit zur Etablierung von Asthma und Ekzemen besteht.

Kariesprophylaxe beim Kleinkind

Für die Zahngesundheit des Kindes haben die bewährten Säulen der Kariesprophylaxe (Mundhygiene, Ernährung, Fluoridierung) uneingeschränkte Gültigkeit. Dies gilt auch für Kleinkinder.

Ein gesundes Milchgebiss hat eine hohe Bedeutung für die gesunde Entwicklung des Kindes. Milchzähne sind nicht nur Platzhalter für die bleibenden Zähne und wichtig für die Entwicklung der Kiefer und des Schädels, sondern auch für die körperliche Entwicklung sowie das Erlernen des Sprechens erforderlich. Entzündete Milchzahnwurzeln können die gesunde Entwicklung der nachfolgenden bleibenden Zähne negativ beeinflussen. Schließlich können erkennbar zerstörte Milchzähne Anlass für Hänseleien unter Kindern sein und damit zu einer emotionalen und sozialen Beeinträchtigung führen.

Es ist daher dringend geboten, dass die Mundhygiene beim Kleinkind bereits mit Durchbruch des ersten Milchzahnes beginnt. Schon ab diesem Zeitpunkt soll eine geringe Menge Kinderzahnpaste (500 ppm Fluorid) mit einer speziellen Kinderzahnbürste angewendet werden. Um frühkindlicher Karies vorzubeugen, soll im ersten Lebensjahr die erste Vorstellung beim Zahnarzt erfolgen. Zu dieser frühen Phase sollen die Eltern informiert werden und es soll eine grobe Blickdiagnostik stattfinden, ob auf den Oberkieferfrontzähnen deutliche Plaqueauflagerungen zu erkennen sind. Wiederholt wurde aufgezeigt, dass ein solcher Befund ein guter Indikator für einen nachfolgenden erhöhten Kariesbefall ist.

Frühkindliche Karies

Zwischen 10 bis 15% der 3-jährigen Kinder haben bereits Karies, oft als Saugerflaschenkaries, mit teilweise extrem ausgeprägter Zahnzerstörung. Ursache für die durch die bevorzugte Zerstörung der Oberkieferfrontzähne gekennzeichnete Erkrankung ist die langdauernde Gabe gesüßter Getränke aus Saugerflaschen. Die Art des mit der Saugerflasche verabreichten Getränkes ist dabei, solange es Zucker enthält, von untergeordneter Bedeutung.

Zur Vermeidung der frühkindlichen Karies wird empfohlen:

• den Säugling wenn möglich 6 Monate stillen,

• Zufüttern mit Gebrauch einer Glasflasche,

• dem Kind die Flasche nicht zur eigenständigen langdauernden Anwendung überlassen,

• auf keinen Fall die Flasche mit zuckerhaltigen Getränken als Einschlafhilfe benutzen,

• Fläschchen nur zu den Mahlzeiten oder wenn das Kind Durst hat geben,

• Verabreichung ungesüßter und säurefreier Getränke,

• regelmäßige effektive Mundhygiene.

Einen hohen Stellenwert in der Kariesprophylaxe hat die lokale Fluoridierung. Die regelmäßige Fluoridapplikation mittels Zahnpasten wird als ein Hauptgrund für den Kariesrückgang bei Kindern und Jugendlichen angesehen. Diese Feststellung ist mit hohem wissenschaftlichen Evidenzgrad abgesichert. Der kariespräventive Effekt ist auch im Milchgebiss bei Kindern im Vorschulalter vorhanden.

Die karieshemmende Wirkung von Fluorid beruht auf dessen lokalen Effekten an der Zahnoberfläche. Insgesamt liegt eine Konzentrations-Wirkungs-Beziehung vor, d. h., höher konzentrierte Fluoridzubereitungen bewirken eine höhere Kariesreduktion. Wegen der möglichen Ausbildung von Schmelzfluorosen sollten bei Kindern im Vorschulalter jedoch im Fluoridgehalt reduzierte Pasten (im Allgemeinen mit 500 ppm Fluorid) angewendet werden.Die professionell angewendeten deutlich höher konzentrierten Fluoridlacke führen zu höheren Kariesreduktionsraten. Lacke sollen dabei gezielt an Lokalisationen mit erhöhtem Kariesrisiko aufgetragen werden. Auch bei Kleinkindern wurden bei Anwendung geringer Mengen eines Lackes mit 22.600 ppm Fluoridgehalt keine unerwünschten Nebeneffekte festgestellt.

Auch für das Milchgebiss konnten signifikante Karieshemmungsraten von etwa 33% ermittelt werden. Im Milchgebiss von Kindern mit erhöhtem Kariesrisiko wurde eine steigende Karieshemmung mit zunehmender Applikationsfrequenz des Fluoridlackes nachgewiesen. Daher soll die Intensivfluoridierung mit Fluoridlacken in Abhängigkeit vom individuellen Kariesrisiko im Rahmen der frühzahnärztlichen Untersuchungen (FU-Positionen) mehrmals jährlich durchgeführt werden.

Kinder und Jugendliche

Zugrunde liegen großen Erfolgen der Kariesprophylaxe bei Kindern und Jugendlichen in erster Linie die Fluoridierungsmaßnahmen, die in Abhängigkeit vom jeweiligen Kariesrisiko bestehen aus der Anwendung von

• fluoridhaltiger Zahnpaste (Junior- oder Erwachsenenzahnpaste),

• Fluoridspüllösungen (insbesondere bei Trägern kieferorthopädischer Apparaturen),

• Fluoridgelen (in der Regel eigenverantwortlich) oder

• Fluoridlacken (professionell in der Zahnarztpraxis).

Eine Cochrane-Metaanalyse mit Auswertung von Beobachtungen bei mehr als 40.000 Kindern und Jugendlichen, die im Alter zwischen 5 und 16 Jahren mindestens einmal täglich die Zähne mit fluoridierter Zahnpasta mit einem Fluoridgehalt von mindestens 1000 ppm bürsteten, zeigte eine mittlere Reduktion der Kariesläsionen um 24-30%.

Mit der DMS IV konnte auch der Effekt von Versiegelungsmaßnahmen auf die Kariesprävalenz deutlich nachgewiesen werden: Kinder und Jugendliche ohne Versiegelungen hatten in etwa doppelt so hohe DMFT-Werte wie Gleichaltrige mit Versiegelungen. Dieser Effekt der Versiegelung kann in allen Sozialschichten aufgezeigt werden. Die Versiegelung ist als professionelle individualpräventive Maßnahme nicht von präventionsorientierter Eigenverantwortlichkeit der Kinder oder ihrer Eltern abhängig.

Kariesprävention bei Senioren

Die folgenden Hinweise gelten für gesunde, selbstständig ihren Alltag meisternde Senioren. Für erkrankte oder pflegebedürftige müssen oft speziell angepasste Präventionsmaßnahmen ergriffen werden.

Die deutsche Bevölkerung wird zunehmend älter. Parallel dazu gelingt es, immer mehr Zähne der Senioren zu erhalten. So wiesen Senioren in Deutschland im Jahr 2005 etwa 4 eigene Zähne mehr auf als ihre Altersgenossen 8 Jahre zuvor. Aufgrund vielfältiger mit dem Alter eintretender Veränderungen ist es besonders beim betagten Patienten schwer, den gewohnten Mundhygienestandard aufrecht zu erhalten. Mundtrockenheit infolge nachlassender Speichelproduktion verstärkt das Problem. Verschiedene Erkrankungen und Medikationen können das Kariesrisiko im Alter erhöhen. In dieser Situation sind entschiedene und konsequente Präventionsmaßnahmen erforderlich. Dabei sind die Hilfsmittel für die Mundhygiene der jeweiligen körperlichen und kognitiven Situation der Patienten anzupassen.

Im Grundsatz unterscheidet sich die häusliche Zahnpflege der Senioren nicht von den Maßnahmen in jüngeren Lebensabschnitten. Mindestens 2-mal tägliches Zähneputzen sowie die Anwendung von Interdentalbürsten dienen der mechanischen Plaquekontrolle. Allerdings lassen im höheren Alter oft die für eine gründliche Zahnpflege nötige Sehkraft und Geschicklichkeit nach, sodass es schwieriger wird, manuelle Mundhygienemaßnahmen adäquat auszuführen. Eine hohe Bedeutung kommt daher auch der professionellen Zahnreinigung zu.

Ausschlaggebend für die Auswahl geeigneter Präventionsmaßnahmen ist dabei kein konkretes Lebensalter, sondern die manuellen und kognitiven Fähigkeiten des Patienten. An schwer erreichbaren Lokalisationen der Mundhöhle wie den Interdentalräumen, aber auch an Brücken und anderen prothetischen Konstruktionen, wird die Plaque nicht mehr hinlänglich entfernt. Dann kann es sinnvoll sein, die mechanische Mundhygiene von der manuellen auf die elektrisch betriebene Zahnbürste umzustellen, denn diese lässt sich leichter handhaben als eine Handzahnbürste und erzielt bessere Plaque- und Gingivitisreduktionen. Zudem erhält bei ungenügender Plaqueentfernung die antibakterielle Plaquekontrolle Bedeutung. Plaquehemmende Mundspüllösungen können plaque- und gingivitishemmende Effekte erzielen, welche denen einer intensivierten mechanischen Mundhygiene entsprechen. Diese Effekte reichen aber häufig nicht aus, um einen signifikanten Beitrag zur Karieshemmung zu leisten.

Auch im Alter ist die Prävention von Kronenkaries, oft als Sekundärkaries an Rändern bestehender Restaurationen, eine Herausforderung. Hier erhält die Applikation von Fluoriden, insbesondere auch unter den Umständen ungenügender Plaquekontrolle, nochmals erhöhte Bedeutung. Am wichtigsten ist hier die fluoridhaltige Zahnpaste. Angesichts der bekannten Konzentrations-Wirkungs-Beziehung zwischen Fluorid und Karieshemmung ist die Anwendung spezieller hochkonzentrierter Fluoridzahnpasten besonders effektiv. Dies wird besonders bei ungenügendem Mundhygieneverhalten erkennbar. Derartige Pasten mit einem Fluoridgehalt von bis zu 5000 ppm sind ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel.

Eine besondere Herausforderung liegt in der Kariesprävention an freiliegenden Zahnwurzeln, um die Etablierung einer Wurzelkaries zu verhindern (Abb. 1). Frei liegende Zahnwurzeln entwickeln unter einer stoffwechselaktiven Plaque schneller eine Karies als dies am Zahnschmelz der Fall ist. Neben der oftmals weniger für durchschnittliche Mundhygienemaßnahmen zugänglichen Lokalisation ist hierfür auch die höhere Säurelöslichkeit des Wurzeldentins verantwortlich.

Parallel zur steigenden Zahl eigener Zähne nimmt die Wurzelkariesprävalenz bei Senioren in Deutschland zu. Waren 1997 noch 29,9% der deutschen Senioren von Wurzelkaries oder deren Restauration betroffen, so waren es 2005 bereits 45,0%.

Zur Prävention von Wurzelkaries ist die Applikationen hoch konzentrierter Fluoridzubereitungen indiziert. Hierfür bieten sich die bereits erwähnten speziellen Fluoridpasten mit 2800 - 5000 ppm Fluorid oder Fluoridgelees mit bis zu 12.600 ppm Fluorid an. Es konnte nachgewiesen werden, dass unter der Anwendung einer Paste mit 5000 ppm Fluorid das Fortschreiten von Wurzelkaries bei Senioren signifikant gestoppt werden kann. Das gleiche Resultat kann auch durch regelmäßige professionelle Applikation eines Fluoridlackes erzielt werden.

Zur Wurzelkariesprophylaxe werden neben Fluoridpräparaten auch Chlorhexidinzubereitungen diskutiert. Unter dem Gesichtspunkt steigender Zahlen bezahnter Senioren wird auf die wahrscheinlich zunehmende Bedeutung der chemischen Plaquereduktion als Ergänzung bei nicht optimaler mechanischer Mundhygiene hingewiesen. Eine Literaturübersicht kommt jedoch zu der Schlussfolgerung, dass CHX-Mundspülungen die Inzidenz von Wurzelkaries nicht hemmen können. Demgegenüber scheinen CHX-Lacke dieses Potenzial bei Patienten mit sehr hohem Wurzelkariesrisiko zu besitzen (Abb. 2).

Dem im Alter erhöhten Risiko von Zahnhals- und Wurzelkaries soll nicht zuletzt auch durch regelmäßige zahnärztliche Kontrolle Rechenschaft getragen werden. Dabei kommt professionellen Zahnreinigungen in individuell angepassten Zeitabständen sowie der Anwendung von hochkonzentrierten Fluoridgelen oder -lacken große Bedeutung zu. Auch muss ggf. die Prothesenhygiene berücksichtigt werden. Die jahrzehntelang ritualisierten Zahnputzgewohnheiten sollten nicht fundamental korrigiert werden. Vielmehr sollten sich die Informationen auf wesentliche und gut umsetzbare Hinweise beschränken, um so bei aller sachlich berechtigter Hinweise auf eine verbesserungsfähige Mundhygiene, eine Balance zwischen den oralen Erfordernissen und der Lebenssituation der Senioren zu wahren.

Korrespondenzadresse:

Prof. Dr. U. Schiffner

Universitätsklinikum HamburgEppendorf

Mail:

Das Literaturverzeichnis kann bei der Redaktion angefordert werden.

Der Originalartikel ist erschienen in Der Freie Zahnarzt 2/2015;

© Springer Verlag

Fazit für die Praxis

• Für Patienten jeden Lebensalters können individuell abgestimmte Präventionskonzepte angeboten werden.

• Zentrale Elemente sind für alle Altersgruppen Fluoridierungsmaßnahmen, die im häuslichen Umfeld sowie in der Praxis umgesetzt werden können.

• Erfolgreiche Prävention beim Kleinkind beginnt schon in der Mundhöhle der werdenden Mutter und wird durch Hinweise zur Ernährung des Kindes ergänzt.

• Im Seniorenalter kann das Entstehen von Wurzelkaries erfolgreich durch angepasste Mundhygienemaßnahmen sowie durch professionelle Applikation von Fluorid- oder CHX-Lacken gehemmt werden.

U. Schiffner, Zahnarzt 3/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben