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Zahnheilkunde 2. März 2015

Prophylaxe hoch drei

Drei Studien – für Sie gelesen und kommentiert.

Im zahnärztlichen Alltag spielt nicht nur die primäre Prophylaxe zur Vermeidung der Krankheitsentstehung eine entscheidende Rolle. Vielmehr haben wir es mit der sekundären und tertiären Prophylaxe zu tun, also dem frühzeitigen Erkennen einer Krankheit bzw. der Vermeidung weiterer Krankheitsprogression.

Die vorgestellten Studien befassen sich mit praxisrelevanten Prophylaxethemen auf dem Gebiet der Parodontologie, Kariologie und periimplantären Erkrankungen.

Plaquekontrolle und Keimbesiedlung

Originalpublikation:

The eff ect of supragingival plaque control on the subgingival microfl ora in human periodontitis. Hellström MK, Ramberg P, Krok L, Lindhe J. J Clin Periodontol 1996; 10:934-940

Beschreibung der Studie: In dieser Studie wurde der Effekt optimaler Plaquekontrolle auf die subgingivale Keimbesiedlung in supra- und intraalveolären Taschen sowie Taschen im Furkationsbereich untersucht.

Hierfür wurden zum Start- und Endpunkt der Studie subgingivale Plaqueproben entnommen und analysiert. Nach der Ausgangsuntersuchung erfolgten ausführliche Instruktionen für die häusliche Mundhygiene und professionelle Zahnreinigungen. In den folgenden Wochen wurden die Probanden zwei- bis dreimal wöchentlich zur professionellen Zahnreinigung einbestellt. Die Abschlussuntersuchung erfolgte nach 30 Wochen.

Ergebnisse und Konklusion: Nach 30 Wochen zeigte sich eine Reduktion der durchschnittlichen Sondierungstiefen von initial 5,9 auf 3,8 Millimeter.

Die stringente Plaquekontrolle führte in supra- und intraalveolären Taschen sowie in Taschen im Furkationsbereich zu einer Reduktion der Gesamtzahl der subgingivalen Mikroorganismen und des prozentualen Anteils an mit Porphyromonas gingivalis besiedelten Taschen. Selbst in Taschen, bei denen nach 30 Wochen keine Reduktion der Sondierungstiefen auftrat, konnte eine deutliche Verringerung der subgingivalen Gesamtkeimlast sowie der Besiedelung mit P. gingivalis nachgewiesen werden.

Folgerungen für den Praktiker:Regelmäßig wiederholte professionelle Zahnreinigungen in Kombination mit einer adäquaten häuslichen Plaquekontrolle reduzieren deutlich die subgingivale Keimbesiedlung selbst in tiefen parodontalen Taschen.

Daher sollte zu jeder parodontalen Therapie ein stringentes Mundhygieneprogramm durchgeführt werden, um die bakterielle Besiedlung als primären ätiologischen Faktor so gering wie möglich zu halten.

Fluoridierungsmaßnahmen

Originalpublikation:

Applying prescription-strength home-use and professionally applied topical fl uoride products may benefi t people at high risk for caries – American Dental Association (ADA) 2013 clinical practice guideline recommendations. Marinho VC. J Evid Based Dent Pract 2014; 14:120-123.

Beschreibung der Studie: In diesem Review wurde überprüft, ob lokale Fluoridierungsmaßnahmen bei Milch- und permanenten Zähnen das Neuauftreten von Karies reduzieren oder die Ausbreitung bestehender kariösen Läsionen aufhalten.

Hierfür wurde eine Metaanalyse kontrollierter klinischer Studien durchgeführt, die den Effekt lokaler Fluoridierung auf die Kariesentstehung untersuchten. Berücksichtigt wurden nur Studien, die professionell applizierbare fluoridhaltige Wirkstoffe oder topische Fluoridapplikation in höherer Dosierung analysierten.

Ergebnisse und Konklusion: Die Ergebnisse dieses Reviews zeigen, dass die lokale Applikation hochdosierter fluoridhaltiger Wirkstoffe effektiv hinsichtlich Kariesprävention und -ausbreitung ist. Hier erwiesen sich 2,26%iger Fluoridlack, 1,26%iges Fluoridgel sowie 0,5%ige Gele und Pasten und 0,09%ige Mundspüllösungen für die häusliche Anwendung als besonders effektiv. 0,1%ige Fluoridlacke und -pasten waren weniger effektiv. Weiters wurde gezeigt, dass eine vor der Applikation durchgeführte Zahnreinigung keinen zusätzlichen kariespräventiven Effekt besaß.

Diese Metaanalyse ergab, dass Patienten mit einem hohen Kariesrisiko in Abhängigkeit ihres Alters und in individuell abgestimmten Intervallen Fluoridierungsprophylaxe in Form von Lacken, Gelen oder auch Pasten und Mundspüllösungen für den häuslichen Gebrauch erhalten sollten.

Folgerungen für den Praktiker:Entscheidend für die Vermeidung kariöser Läsionen ist neben der effektiven Mundhygieneinstruktion auch die korrekte Applikation von höher dosierten lokalen Fluoriden, besonders bei Patienten mit erhöhtem Kariesrisiko. Ebenso können das Auftreten von Sekundärkaries und die weitere Ausbreitung einer bestehenden Karies durch ein für den Patienten optimal angepasstes Fluoridierungsprogramm verringert werden.

Periimplantäre Mukositis

Originalpublikation:

Peri-implant disease in subjects with and without preventive maintenance: a 5-year follow-up. Costa FO, Takenaka-Martinez S, Cota LO et al. J Clin Periodontol 2012; 39:173-1781

Beschreibung der Studie: Ziel dieser Studie war es, die Prävalenz von Periimplantitis bei Probanden mit bereits vorhandener periimplantärer Mukositis zu bestimmen. Hierfür wurden 80 Implantatpatienten mit bestehender periimplantärer Mukositis untersucht und in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe nahm an einem Prophylaxeprogramm mit regelmäßigen Mundhygieneunterweisungen, professionellen Zahnreinigungen und, wenn nötig, subgingivaler Instrumentierung teil. Die zweite Gruppe erhielt keine Prophylaxemaßnahmen. Nach fünf Jahren erfolgte eine erneute Untersuchung.

Ergebnisse und Konklusion: Der Vergleich beider Studiengruppen nach fünf Jahren zeigte einen signifikant schlechteren periimplantären Zustand in der Gruppe ohne Prophylaxe. Hierbei wurden die Parameter Plaqueindex, Blutung auf Sondieren sowie Sondierungstiefen um das Implantat herum, Anzahl der Implantate mit Periimplantitis und der periimplantäre Knochenverlust ausgewertet. Weiterhin konnte in der Prophylaxegruppe eine signifikant geringere Inzidenz einer Parodontitis festgestellt werden, ebenfalls einem Risikofaktor für Periimplantitis.

Diese Studie konnte zeigen, dass die Abwesenheit von Prophylaxemaßnahmen bei einer bereits bestehenden periimplantären Mukositis mit einem häufigeren späteren Fortschreiten der Erkrankung zu einer Periimplantitis assoziiert ist.

Folgerungen für den Praktiker: Für die erfolgreiche Therapie einer Periimplantitis gibt es bislang noch kein wissenschaftlich belegtes erfolgreiches Konzept. Daher ist die Prävention dieser Erkrankung von entscheidender Bedeutung. Die vorliegende Studie verdeutlicht den Stellenwert von Prophylaxemaßnahmen besonders bei bereits beginnenden periimplantären Entzündungsvorgängen. Die fortwährende zahnärztliche Kontrolle und Prophylaxe sollte daher standardmäßig nach der Implantattherapie durchgeführt werden, um den Implantaterfolg langfristig zu gewähren.

Korrespondenz:

Dr. Lisa Hierse

DG PARO-Spezialistin für Parodontologie®,

Zahnarztpraxis Dr. H. Hierse

39104 Magdeburg

E-Mail:

Der ungekürzte Originalartikel ist erschienen in Der Junge Zahnarzt 4/2014 © Springer Verlag

Lisa Hierse, Zahnarzt 3/2015

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