zur Navigation zum Inhalt
© anmaro/fotolia.com
Parodontitis-Therapie spart Blutdrucksenker.
 
Zahnheilkunde 14. Dezember 2015

Parodontitis-Therapie gegen Hypertonie

In einer aktuellen Studie stellten Forscher fest, dass eine wirksame Parodontitis-Behandlung auch Blutdruck senkend wirken kann.

Parodontitis-Patienten haben nicht nur Zahnverlust zu befürchten, sie erleiden auch häufiger einen Herzinfarkt oder Schlaganfall als Menschen mit guter Mundgesundheit. Im Rahmen des 38. wissenschaftlichen Kongresses „Hypertonie und Prävention 2014“ der Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention stellten Experten eine diesbezüglich interessante Studie vor.

Menschen mit Parodontitis leiden häufiger als jene mit gesunden Zähnen an Erkrankungen, die den ganzen Körper betreffen. Dazu gehört neben Diabetes vor allem Bluthochdruck. Noch ist der Zusammenhang zwischen Hypertonie und der Zahnfleischerkrankung nicht abschließend ergründet. „Sehr wahrscheinlich sind jedoch dieselben Bakterien, die die Parodontitis auslösen, auch die Ursache für den erhöhten Blutdruck und die vermehrten Herzinfarkte sowie Schlaganfälle“, erläutert Dr. Johannes Baulmann, der die Abteilung für Angiologie der Kardiologischen Klinik am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck leitet.

Auslösung entzündlicher Prozesse im ganzen Körper

Die Parodontitis-Erreger verteilen sich im ganzen Körper, so der Experte, und damit auch in den Blutgefäßen. „Dort regen sie entzündliche Prozesse an, die Gefäßwände werden fest und irgendwann sogar brüchig.“ Wie elastisch die Gefäße noch sind, können Forscher mittels der Pulswellengeschwindigkeit messen. Diese beschreibt, wie schnell die Druckwelle des Pulses die Arterien durchläuft. Eine hohe Pulswellengeschwindigkeit zeigt an, dass die Gefäße versteift sind – damit steigt das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In einer Vorläuferstudie, deren Ergebnis kürzlich in der Fachzeitschrift PLOS One veröffentlicht wurde, konnte Baulmann gemeinsam mit anderen Medizinern zeigen, dass Patienten mit Parodontitis steifere Gefäße haben und ebenso einen höheren zentralen Blutdruck.

Aktuelle Studie

In der aktuellen Studie gingen sie der Frage nach, ob sich der Bluthochdruck im Umkehrschluss mit besserer Zahngesundheit wieder absenkt. Sie verfolgten dafür die Behandlungsfortschritte von 100 Patienten mit Parodontitis.

Studienergebnisse

Nach zwölf Monaten stellten die Forscher fest, dass Patienten mit erfolgreich bekämpfter Zahnfleischentzündung auch elastischere Blutgefäße hatten. Und besonders eindrucksvoll war für sie, dass der zentrale Blutdruck dieser Patienten gesunken war. „Die Studie gibt erste Hinweise darauf, dass mit der Parodontitis-Behandlung Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mögliche Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall reduziert werden könnten“, so Baulmann.

 

idw/IS, Zahnarzt 3/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben