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Mittels FACE werden kariesinfizierte Bereiche des Zahns sichtbar. Bakteriell infiziertes Dentin leuchtet rot, während bakterienfreie Zahnhartsubstanz grün erscheint.
© Universitätsklinikum Regensburg (2)

Die neue Methode in der praktischen Anwendung

 
Zahnheilkunde 2. März 2015

FACE: Erleuchtung in der Kariesbehandlung

Durch die sogenannte Fluoreszenzunterstützte Kariesexkavation (FACE) kann Karies zum ersten Mal anhand der bakteriellen Infektion bestimmt und somit selektiv und zuverlässig entfernt werden.

Konventionell werden die kariösen Bereiche des Zahns mittels einer Sonde oder durch eine spezielle Färbelösung bestimmt. Diese Methoden weisen allerdings einige Ungenauigkeiten auf, die, so die Forscher der Universität Regensburg, durch ihre neu entwickelte Technik FACE kompensiert werden könnten.

Mit der Sonde wird der Zahn abgetastet, um die Härte der Zahnsubstanz zu ermitteln. Weiches Dentin galt bislang als kariesinfiziert, hartes Dentin als gesund. Den Übergang von weichem zu hartem Dentin zuverlässig zu erkennen, bereitet aber selbst erfahrenen Zahnärzten Mühe. Die Färbelösung soll Karies anzeigen, indem sie in das bakteriell infizierte, poröse Dentin dringt und dieses anfärbt. Tatsächlich wird bei dieser Methode aber nicht nur bakteriell infiziertes Dentin angefärbt, sondern darüber hinaus auch demineralisierte, nicht infizierte Zahnsubstanz.

Wirkungsweise von FACE

Beide konventionellen Methoden haben gemein, dass eine Abgrenzung zwischen infiziertem und nicht infiziertem Dentin nicht zuverlässig und präzise möglich ist. Im Zweifelsfall wird zu viel Zahnsubstanz entfernt oder sogar die Pulpa eröffnet, was eine Wurzelkanalbehandlung nötig macht.

Hier setzt die Fluoreszenzunterstützte Kariesexkavation (FACE) an. Durch die neue Methode können bakteriell infizierte Bereiche des Zahns auf einfache Weise genau bestimmt und somit gezielt entfernt werden. Entwickelt wurde die zukunftsweisende Technik durch Professor Dr. Wolfgang Buchalla, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie des Universitätsklinikums Regensburg (UKR), und Priv.-Doz. Dr. Áine Lennon, ebenfalls Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie des UKR.

„Mit FACE ist es möglich, bakteriell infiziertes Dentin sichtbar zu machen und dieses selektiv und unter Schonung der angrenzenden, nicht infizierten Bereiche zu entfernen. Insbesondere dieser substanzschonende Ansatz in Verbindung mit der Möglichkeit, in pulpanahen Bereichen bakteriell infiziertes Gewebe gezielt entfernen oder auch kontrolliert belassen zu können, macht FACE sinnvoll“, so Buchalla.

Karies: Bakterien verwandeln Zucker in Säure

Karies entsteht, wenn Stoffwechselprodukte bestimmter Bakterien den Zahnschmelz angreifen und dadurch beschädigen. Dies geschieht beispielsweise, wenn sich ein von Bakterien gebildeter Biofilm, die Plaque, auf der Zahnoberfläche etabliert und nicht entfernt wird. Die Bakterien in diesem Biofilm nehmen Zucker aus der Nahrung auf und wandeln ihn in Säure um, die den Zahnschmelz angreift und Mineralien wie Kalzium aus ihm herauslöst. Es entsteht eine Karies, die im weiteren Verlauf auch auf das Dentin übergreifen und damit den Zahn zunehmend zerstören kann. In ihrem Anfangsstadium kann Karies noch durch verbesserte Reinigung und die Umstellung von Mundhygiene und Ernährungsgewohnheiten gestoppt werden. Ist sie allerdings bereits durch den Zahnschmelz in das darunterliegende Dentin eingedrungen, müssen die durch Bakterien infizierten Bereiche entfernt und das dadurch entstehende Loch gefüllt werden.

Kariöse Stellen entdecken: neuer Ansatzpunkt

Im Unterschied zu den etablierten Methoden bildet bei FACE nicht die Beschaffenheit der Zahnsubstanz, sondern erstmals die bakterielle Infektion selbst die Grundlage für die Kariesentfernung. Professor Buchalla und Priv.-Doz. Lennon gelang es, in zahlreichen Studien nachzuweisen, dass kariöses Dentin bei Anregung mit violettem Licht rot fluoresziert. Ursächlich hierfür sind in kariösem Dentin vorhandene Bakterien, die rote Fluoreszenzfarbstoffe synthetisieren. Nicht von Kariesbakterien befallene Zahnsubstanz hingegen leuchtet grün. Sichtbar gemacht werden kann der Rot-Grün-Kontrast durch eine Betrachtung des Zahns mittels eines Sperrfilters, der für violettes Licht undurchlässig ist.

Auf Basis ihrer Erkenntnisse entwickelten Buchalla und Lennon eine Methode, mit welcher die natürlichen optischen Eigenschaften des Zahns für die Kariesbehandlung nutzbar gemacht werden können. Inzwischen sind daraus zwei Geräte entstanden, die bereits auf dem Markt erhältlich sind.

Kürzere und schonendere Behandlung

In der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie des UKR wird FACE bereits eingesetzt. „Unsere Patienten profitieren vor allem von der Schonung der Zahnsubstanz und der Vermeidung einer Verletzung der Zahnpulpa, ganz im Sinne einer minimal invasiven und substanzschonenden Vorgehensweise“, fasst Professor Buchalla zusammen. Auch Studierende der Zahnmedizin werden in Regensburg bereits mit der neuen Methode ausgebildet. Der direkte Vergleich von FACE mit Sonde oder Färbelösung habe gezeigt, dass mit Anwendung von FACE, bei Erhalt der gesunden Zahnsubstanz, kariöses Dentin selektiver entfernt werden könne . Die Behandlung zeichne sich zudem durch eine kürzere Dauer aus.

UKR/IS, Zahnarzt 3/2015

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